Gegner, die stark angeschlagen sind

Von: Roman Sobierajski
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Alemannia Aachen / Michael Krüger
Alemannias Trainer Michael Krüger. Foto: dpa

Aachen. Eine Mannschaft, der fehlende Einstellung und mangelnde Einsatzbereitschaft vorgeworfen wird. Spieler die versuchen, das zerstörte Verhältnis zwischen Team und Anhängerschaft zu kitten. Eine Elf, die alles unternehmen will, den Fans etwas zurückzuzahlen.

Fußballer, die auftreten wie ein uninspirierte Dorfkapelle und denen der Spaß abhanden gekommen scheint. Druck, der nicht in Selbstvertrauen umgewandelt werden kann. Ein dünner Kader, der die Ausfälle durch Verletzungen nicht kompensieren kann. Konsequente Sparpolitik, die wirtschaftlich sinnvoll erscheint, sportlich aber immer gefährlicher wird.

Nein, die Rede ist nicht von Alemannia Aachen, alle Zitate stammen aus der „Nürnberger Zeitung”, die die SpVgg Greuther Fürth journalistisch begleitet. Die Vorzeichen sind ähnlich beim nächsten Gegner von Alemannia Aachen, und dass da am Montagabend voraussichtlich Not gegen Elend antritt, um doch noch das Ruder herumzureißen, verdeutlicht vielleicht die Tatsache, dass auf dem Fürther Weihnachtsmarkt für sechs Euro ein Glühwein und eine Sitzplatzkarte im Paket angeboten werden.

„Zwei Teams treffen aufeinander, die stark angeschlagen sind und deren sportliche Situation unbefriedigend ist”, bringt Aachens Trainer Michael Krüger das Gastspiel der Alemannia in Fürth auf den Punkt. „Es geht darum, Fußball zu arbeiten, wer den größeren Biss hat, wer sich trotz aller Widerstände durchsetzen will, der wird als Sieger vom Platz gehen.”

Eine turbulente Woche haben der 55-Jährige und seine Mannschaft hinter sich. Auf eine desolate Niederlage gegen das Tabellen-Schlusslicht Ahlen („Ich hatte es im Urin. Warum es dann so kam, müssen sich die Protagonisten selbst fragen”) folgten die Beurlaubung des Sportdirektors („Nach dieser Entscheidung waren wir alle geschockt, keiner konnte es nachvollziehen. Das Schlimme ist, dass Menschlichkeit nicht gefragt ist in diesem Geschäft. Ehre wäre vielleicht auch noch ein Stichwort”) und eine interne Krisensitzung der Mannschaft („Wir sind bei den Einheiten, was Anzahl, Länge und Intensität betrifft, bis an das Maximum des Vertretbaren gegangen. Am Einsatz gibt es nullkommanull auszusetzen”).

Geschäftsführer Frithjof Kraemer ist vom Aufsichtsrat mittlerweile beauftragt, mit Hilfe von Erik Meijer einen Nachfolger für Andreas Bornemann zu finden. Ein Profil gibt es noch nicht, und auch der zeitliche Rahmen ist nicht fixiert. Bis es soweit ist, liegt die sportliche Verantwortung in den Händen des Trainers.

Und auch wenn der 55-Jährige Mysterien bemüht („Manchmal passieren Dinge im Fußball, die sind unergründlich”) und an die Ehre des kickenden Personals appelliert („Die Mannschaft ist am Montag gefragt, was da ab 20.15 Uhr passiert”) - klar ist: Fußballvereine sind Unternehmen, die als Hauptprodukt Siege und als Nebenprodukt (die richtigen) Emotionen auf den Markt werfen. Sollte zumindest nicht das Letztere der Fall sein am Montagabend im bald umbenannten Fürther Stadion, man bräuchte noch nicht einmal eine unglückliche Kindheit, um auf die Idee zu kommen, dass erneut die branchenüblichen Mechanismen greifen könnten.

Zumindest kann Michael Krüger beim Schlüsselspiel im Frankenland auf den zuletzt gesperrten Kapitän Cristian Fiel, der wieder in die Startformation rücken wird, und den genesenen Kevin Kratz zurückgreifen. Hervé Oussalé wird nach seiner fünften Gelben Karte definitiv nicht am Sonntag in den Zug Richtung Fürth steigen. Für alle anderen gilt die Ausgangslage, die Krüger mit drastischen Worten skizzierte: „Alles scheißt sich vor diesem Spiel in die Hose. Die Mannschaft kann in 90 Minuten vieles wieder korrigieren. Es geht um Körpersprache, Einsatz, Siegeswillen und Laufbereitschaft.”
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