Für Herröder Insolvenz diesmal nicht so überraschend

Von: Klaus Schmidt
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Perfekte Schusshaltung: Sascha Herröder kam mit großen Erwartungen und viel Lust, Fußball zu spielen, an den Aachener Tivoli. Foto: imago/Eibner

Aachen. Ein paar Meter weiter, beim Salut-Festival in der Albert-Vahle-Halle, hat die „kleine“ Schwester Angelina schon manch schönen Erfolg gefeiert, und wenn der Traum der 18-Jährigen in Erfüllung geht, startet sie 2013 erstmals beim CHIO im großen Parcours.

Die Herröders sind eine Reiterfamilie, Vater Siegfried war in Nationenpreisen unterwegs, auch der Stammhalter saß im Sattel. „Aber dann bin ich mal vom Pferd gefallen“, in diesem Moment hatte Sascha abgeschlossen mit dem Kapitel. Zumal die Kumpels ohnehin das taten, was viele Achtjährige so tun – Fußball spielen.

Sascha Herröder besetzt seit dem Sommer einen Platz in der Kabine des Tivolis, das war auch ein Sportler-Traum. Noch bevor überhaupt der erste Kontakt zu Alemannia Aachen zustande gekommen war, hatte der 24-Jährige zu seinem Vater gesagt: „Das wär doch was richtig Geiles, da hätte ich richtig Bock drauf, in Aachen zu spielen.“ Der Erfolg ist, nun ja, überschaubar, genauer gesagt: Alemannia steht so schlecht da wie noch nie in der Klubgeschichte. Die Mannschaft überwintert auf einem Abstiegsplatz, der Verein ist pleite und strampelt für einen Neuanfang in der Regionalliga. Viertklassig – so tief ist Schwarz-Gelb noch nicht gesunken.

Auf die Nachricht von der Insolvenz war Herröder diesmal vorbereitet. „Ich hatte mir das schon gedacht“, es gab ja genügend Hinweise. Gut drei Jahre zuvor, bei Viktoria Aschaffenburg, da kam die Kunde „richtig überraschend, niemand hatte etwas geahnt. Morgens vor dem Spiel gegen die Zweite von 1860 München hatte mich der Trainer noch gefragt, wie es mit meiner Vertragsverlängerung aussieht, montags sollte ich unterschreiben.“ Aschaffenburg verlor das Regionalliga-Spiel, nach dem Abpfiff wurde die Mannschaft auf dem Platz zusammengerufen und über das Viktoria-Aus informiert. „Der Tag war gebraucht.“

Auch Sascha Herröder hatte nach gelungenem Probetraining mit großen Hoffnungen vor dieser Saison bei Alemannia unterschrieben. Mit dem VfR Aalen war er zwar in die Zweite Liga aufgestiegen, die Perspektive, die Trainer Ralph Hasenhüttl aufzeichnete, versprach aber mehr Zeiten auf der Ersatzbank als auf dem Platz. „Ich habe mich in Aalen pudelwohl gefühlt. Es ist mir schwer gefallen, dort wegzugehen. Aber in meinem Alter ist es wichtig zu spielen.“

Die Vorbereitung am Tivoli verlief „ganz ordentlich“, doch wenige Tage vor dem letzten Test gegen RW Essen handelte sich Herröder einen Faserriss ein. Erst am 6. Spieltag (in Karlsruhe) gehörte der Verteidiger erstmals zum Kader, der Gedanke kam auf: „Du hast einen Fehler gemacht, nach Aachen zu wechseln“, er wollte sich doch hier präsentieren. Am 8. Spieltag dann endlich das Debüt, bei den Stuttgarter Kickers, „nicht einfach auf der Sechser-Position. Doch ich war froh, überhaupt zu spielen.“

Unter Ralf Aussem sollte Herröder keine weitere Chance mehr bekommen, der Trainer wurde beurlaubt. René van Eck kam und wies dem Linksfuß zunächst wieder die Reservistenrolle zu. „Du musst auf das warten, was man keinem Kollegen wünscht – auf Sperren oder Verletzungen.“ Der Ellenbruch von Thomas Stehle machte aus dem Ergänzungsspieler Herröder einen Mann für die Startelf – mit einem großen Vorbild, das auch optisch passt: Gerard Piqué. „Er ist im Aufbauspiel einer der Besten und eher mein Spielertyp als Pepe...“

Nun ist die Regionalliga West deutlich näher als die Primera Division. „Wir sind charakterlich kein Sauhaufen. Das Niveau im Training ist seit meinem ersten Tag hier so gut – es kann eigentlich nicht sein, dass wir unten in der Tabelle stehen. Wir sind spielerisch besser als Aalen in der Aufstiegssaison“, sagt Herröder. Den sportlichen Teil der Veranstaltung Alemannia kann er noch mitgestalten. Für den Rest gilt: „Ich hoffe, die Verantwortlichen bekommen das hin, den Verein zu retten.“ Den Spaß, am Tivoli zu spielen, hat Sascha Herröder immer noch.

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