Fuat Kilic: Von der Gefahr, Leute enttäuschen zu müssen

Von: Christoph Pauli
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Ein Abschied, der auch ihn schmerzt: Fuat Kilic wird nur noch gut zwei Monate am Tivoli arbeiten. Foto: Imago/foto2press

Aachen. Die Entscheidung ist verkündet, aber auch am Tag nach der Bekanntgabe, merkt man Fuat Kilic noch an, dass ihm sein Abschied vom Tivoli im Sommer nahegeht. Er sieht keine Perspektive mehr – und öffnet im Interview doch noch ein Hintertürchen, falls sich die Dinge bei Alemannia noch anders entwickeln.

 

Trainer müssen permanent Entscheidungen fällen. Wie schwer ist Ihnen der Schritt gefallen?

Kilic: Es ist wirklich nicht die einfachste Entscheidung, weil es emotional sehr schwierig ist. Ich habe die Entwicklung des Vereins in den letzten Monaten und Wochen beobachtet und vor einigen Tagen dann mit meiner Familie entschieden, das Engagement im Sommer zu beenden.

Einfach ist dieser Schritt wirklich nicht, weil ich eine sehr vertrauensvolle und enge Beziehung mit meiner Mannschaft habe und die Arbeit mit meinem Funktionsteam sehr schätze. Da arbeiten viele Menschen sehr leidenschaftlich im Hintergrund und für wenig Geld. Ich habe mich hier immer als Teil dieser Familie empfunden. Dementsprechend schwierig ist es, sie zu verlassen. Aber es erscheint mir momentan der richtige Schritt zu sein.

Die finanzielle Lage für den Klub ist seit Monaten unverändert ungeklärt. Warum reichen Sie jetzt zu diesem Zeitpunkt den Abschied ein?

Kilic: Ich habe immer gehofft, dass wir bis zum Frühjahr Klarheit haben in Bezug auf die Investorenlösung und die Kaderplanung. Natürlich habe ich in den Vertragsgesprächen signalisiert, dass ich beide Wege mitgehen würde, auch wenn man für eine Übergangszeit gewisse Einschnitte machen müsste. Ich habe diese Einschnitte aber nicht so gravierend erwartet. Zudem kann ich weder Spielern noch Mitarbeitern eine Perspektive bieten.

So ist das Gefühl entstanden, dass ich das Vertrauen, das man mir entgegenbringt, nicht mehr erfüllen kann ab dem Sommer. Hoffnungen zu enttäuschen ist das Schlimmste. Die Gefahr besteht aber. Und ich will nicht den Leuten, die mich über alle Maßen unterstützt haben, sagen müssen, dass sich der Verein sie nicht mehr leisten kann. Diese gravierenden personellen Einschnitte möchte ich nicht vornehmen. Aber sie werden vielleicht notwendig sein, weil das reduzierte Geld in den Kader investiert wird, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein.

Sie sprechen seit Monaten mit dem Aufsichtsrat. Haben Sie eine große Wertschätzung gespürt?

Kilic: Definitiv. Es gibt von meiner Seite null Vorwürfe gegen handelnde Personen aus den Gremien, weil immer mit offenen Karten gespielt wurde und wir uns ständig ausgetauscht haben. Für diesen ehrlichen Umgang bin ich ihnen dankbar. Es kommt mir so vor, dass die ehrenamtlichen Räte Tag und Nacht für den Verein arbeiten, aber immer wieder Rückschläge erleiden, wie vor ein paar Tagen das Urteil des Bundesfinanzhofs.

Aus ihrer Sicht war ein Vertragsabschluss nicht möglich. Und bei gravierenden Einschnitten werde ich dem Verein dann eventuell zu teuer. Wir bewegen uns sportlich in der nächsten Saison wohl auf einem ganz schmalen Grat möglicherweise. Die Frage ist dann: Wie viel Geduld hat man im Umfeld, wenn es gegen den Abstieg geht?

Ist erkennbar, wie stark der nächste Etat reduziert wird, falls kein Investor dazukommt?

Kilic: Der Etat könnte, wie auch im Vorfeld offiziell von den Gremien nach außen kommuniziert wurde, auf 600.000 Euro gekürzt werden. Uns läuft die Zeit etwas davon, ein möglicher Investoreneinstieg würde sich schätzungsweise bis mindestens Mai hinziehen.

Sie sind auch der Kaderplaner bis zum Sommer. Welche Weichen kann man jetzt stellen?

Kilic: Ich konnte bislang weder Gespräche führen noch Verträge abschließen. Daran ändert sich nichts, bis man mir konkrete Zahlen an die Hand gibt.

Wie haben die Spieler beziehungsweise deren Berater Ihre Entscheidung aufgenommen?

Kilic: Einige Berater laufen schon länger Amok. Sie wollen Gesprächstermine, wollen erfahren, wie unsere Planungen sind. Wir stellen die Spieler und Berater schon seit Wochen darauf ein, dass die Situation noch länger nicht geklärt werden kann und sie sich gedulden müssen.

Was werden Sie ab dem Sommer machen. Gibt es lose Anfragen?

Kilic: Nein, ich habe diesen Entschluss unabhängig von anderen Angeboten getroffen. Ich werde abwarten, ob eine Aufgabe zu mir passt. Ich habe aber auch den Verantwortlichen bei Alemannia Aachen signalisiert, dass wir uns im Sommer noch einmal austauschen können, wenn der Verein eine finanzielle oder strukturelle Perspektive hat. Wenn ich bis dahin noch keine passende Alternative gefunden habe, werden wir uns noch einmal austauschen.

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