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Fuat Kilic: „Vermitteln und Überzeugen liegt mir“

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Noch ist er alleine in der Kabine: Am Montag begrüßt Fuat Kilic hier seine neue Mannschaft. Foto: Christoph Pauli

Aachen. Furat Kilic wird der Nachfolger von Christian Benbennek bei Alemannia. Der 42-Jährige unterschrieb bis Mitte 2017, Christian Mollocher wird wie auch in Saarbrücken sein Assistent. Ein erstes Gespräch mit dem neuen Cheftrainer.

Wie wird man Trainer von Alemannia? Bewirbt man sich, kettet man sich am Tivoli an, wird man gefragt?

Kilic: Der Kontakt wurde über einen Bekannten hergestellt. So hat man mich kennenlernen wollen. Bei den Kontakten haben wir gemerkt, dass es passen kann. Als junger Trainer ist Alemannia eine ideale Plattform für den nächsten beruflichen Schritt. In erster Linie sollte man etwas vorweisen können, wenn man den Wunsch hat, Trainer bei Alemannia zu werden. Mit meiner Vita habe ich bewiesen, dass ich mir über Jahre einiges erarbeitet habe. Für mich ist es eine große Herausforderung und Motivation, bei so einem Verein mit solch einer Geschichte und Fankultur arbeiten zu dürfen.

In den wenigen Interviews, die es von Ihnen gibt, taucht oft die Formulierung auf, dass sie sich Dinge „erarbeitet haben“. Gehört das zu Ihrer Biographie, dass Ihnen die Erfolge nicht zufliegen, sondern hart erkämpft werden?

Kilic: Definitiv ist das so. Wenn man nicht 100 Länderspiele gemacht hat, ist es schwer im Profibereich. Ich habe hier in Deutschland nur bis zur Oberliga, in der Türkei nur kurz 2. Liga gespielt. Das schafft kein überragendes Netzwerk. Also habe ich Sport studiert, parallel als F-Jugendtrainer angefangen und mich hochgearbeitet zum Sportlichen Leiter der 1. Jugend-Fußball-Schule Köln, und dann als Dozent an der Kölner Sporthochschule gearbeitet.

Als erster türkischer Dozent der Geschichte.

Kilic: Das ist kein Aspekt für mich, den will ich nicht bedienen. Ich bin türkischstämmiger Deutscher.

Warum haben Sie 2008 einen sicheren Posten aufgegeben, um sich in das Abenteuer Profi-Fussball zu stürzen?

Kilic: Der sichere Posten war damals die Aufgabe im Fußball-Internat, nicht an der SpoHo. Mich fasziniert der Sport, deswegen habe ich studiert. Als Spieler habe ich es nicht nach oben geschafft, also geht es über die Ausbildung und – wieder – harte Arbeit. Milan Sasic habe ich beim Lehrgang für den Fußballlehrer kennengelernt. Ihn hat imponiert, dass ich trotz des Lehrgangs weiterhin abends im Internat tätig und auch noch als Dozent unterwegs war. Als er in Kaiserslautern angefangen hat, hat er mir das Angebot als Co-Trainer gemacht. Da habe ich nicht lange überlegt.

Sie sind ihm später nach Duisburg und Saarbrücken gefolgt. War es ein Plan, sich dann irgendwann als Cheftrainer zu etablieren?

Kilic: Zwischendurch war ich noch Co-Trainer beim türkischen Erstligisten Kasimpasa. Viele Dinge ergeben sich einfach in dieser Branche, ich hatte keinen konkreten zeitlichen Plan, Cheftrainer zu werden. Aber ich war überzeugt, dass das irgendwann passieren wird.

Sie haben im Frühsommer unglücklich im Elfmeterschießen gegen Würzburg den Aufstieg mit Saarbrücken in die 3. Liga verpasst. Warum haben Sie dann dort aufgehört?

Kilic: Es gab persönliche Gründe, ich wollte wieder näher bei meiner Familie sein. Ich wollte eine neue Herausforderung. Wenn ich mich für etwas entscheide, ziehe ich dass dann konsequent durch. In den letzten Monaten habe ich viel hospitiert in Köln und Leverkusen, um neue Ideen und Impulse zu bekommen. Parallel habe ich sehr viel gelesen und Videos geschaut. Ich habe eine Analyse gemacht, wohin entwickelt sich der Fußball gerade? Was ändert sich? Wie passt das zu den eigenen Ideen? Die Zeit hat mir gut getan, aber inzwischen gibt es wieder die Sehnsucht, auf dem Platz zu stehen, zu arbeiten und was weiterzugeben.

Sie haben in der Hinrunde viele Spiele am Tivoli gesehen. Könnten wir jetzt einzelne Spieler durchgehen?

Kilic: Hundertprozentig.

Sie übernehmen eine Mannschaft, die sich nahezu geschlossen gegen Ihren Vorgänger ausgesprochen hat. War das für Sie ein Aspekt bei der Jobprüfung?

Kilic: Ich werde nicht die Arbeit des Kollegen bewerten. Es geht bei Null los. Ich werde die Vergangenheit auch nicht im Team thematisieren. Ich habe meine Art, meine Vorstellungen, bin sehr kommunikativ und fordernd. Entscheidend ist, dass wir als Einheit auftreten und nicht, dass wir Sachen diskutieren, die Energie kosten.

Sie haben am „Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten“ gearbeitet. Hilft das?

Kilic (lacht): Ganz sicher. Ich habe schon von klein an vor Gruppen gestanden. Das Vermitteln und Überzeugen liegt mir.

Was haben Sie für einen sportlichen Eindruck von diesem Team gewonnen? Was kann es, was fehlt?

Kilic: Ich habe das intern ausführlich mit Alexander Klitzpera besprochen. Da bleibt die Analyse auch. Fakt ist: Die Mannschaft hat sehr gut angefangen. Das Spiel in Oberhausen hat mich sehr fasziniert. Sie hat gepresst, gejagt, war überragend bei Standards. Das hat mir sehr imponiert, deswegen habe ich den Weg der Mannschaft weiter verfolgt. Ich habe viele in–teressante Spieler gesehen, die ich mir für spätere Aufgaben gemerkt habe. Die Gruppe hat dann nachgelassen, was mich überrascht hat. Aber sie hat es drin. Wenn man an den richtigen Stellschrauben in Bezug auf Einstellung und Mentalität dreht, kann sie es wieder zeigen. Sie kann es, deswegen kann man es verlangen. Diese Gier, diese Leidenschaft, dieses Jagen, das schnelle Umschalten nach Ballgewinnen – das will ich sehen. Das setzt Kondition und Trainingsarbeit voraus, und damit fangen wir am Montag sofort an. Die Aufgabe reizt mich. Wir geben jetzt zusammen Gas und gucken, wie die Saison weiter verläuft. Und darauf bauen wir weiter auf.

Bringen Sie wieder Christian Mollocher mit, mit dem Sie bereits in Duisburg und Saarbrücken gearbeitet haben?

Kilic: Wir kennen uns über Jahre. Er hat an der SpoHo studiert, später im Internat mitgearbeitet. Er ist sehr kompetent, bringt frischen Wind mit, ist mit seinen 34 Jahren noch näher an der Spielergeneration. Wir sind sportlich fast verheiratet.

Gibt es bei Ihnen ein Leben neben dem Fußball?

Kilic: (lacht). Kaum. Die Familie ist da, mein einziges Hobby ist Kino. Da kann ich abschalten.

Sie wirken so, als wenn Sie den Auftakt am Tivoli gar nicht erwarten können. Bleibt es beim 4. Januar?

Kilic: Von meiner Seite kann es gleich losgehen. Aber ich will die Spieler nicht schocken. Am Montag geht es los. Gemeinsam wollen wir etwas erarbeiten.

Alemannia hat gerade drei Spieler suspendiert. Werden Sie an der Entscheidung rütteln?

Kilic: Das war eine Entscheidung des Klubs, die ich so kommentarlos hinnehme.

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