Florian Müller muss Karriere beenden

Von: pa
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Aachen. Die Befürchtung war schon länger in ihm hochgestiegen. „Der Verdacht kam bereits in der Vorrunde auf, als das Knie auf die Belastung regelmäßig reagierte“, sagt Florian Müller. Alemannias Mittelfeldspieler hat jetzt seine Karriere nach zwei Kreuzbandverletzungen und einem Knorpelschaden im Knie beendet – im besten Fußballer-Alter von 26 Jahren.

Am 2. Februar 2013 war er bei Alemannias Gastspiel in Offenbach letztmals als Profi unterwegs. Die Karriere des sympathischen Profis ist eine unvollendete, was den Schmerz kaum lindert. Als bester U19-Spieler des Jahres 2005 wurde Müller (damals noch beim FC Bayern) vom DFB mit der goldenen Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet. Er verwies Manuel Neuer und Eugen Polanski auf die weiteren Ränge.

Das große Versprechen konnte Müller nicht einlösen, der Körper spielte nicht mit. „Das erste Jahr in Aachen war noch das beste“, sagt er. Platz 4 unter Jürgen Seeberger im alten Tivoli, verletzungsfrei – die Ausbeute war gut für das Talent.

Dann begann eine große Leidenstour - wie es sie kaum noch einmal in der Branche gab. Müller musste viele Täler durchschreiten, für den sensiblen Spieler war es eine harte Zeit. Der Kontakt zum Klub verflüchtigt sich naturgemäß, Langzeitpatienten sind Einzelkämpfer. Müller kam wieder zurück, aber das Knie hielt den Anforderungen des Profisports nicht mehr aus.

Nach vier Jahren, elf Monaten und 16 Tagen schließt er traurig das Kapitel. „Es gibt keine positiven Aspekte, die man aus dieser Zeit ziehen kann. Das ist bitter.“ Langsam hat er sich mit dem Gedanken ans viel zu frühe Karriereende gewohnt.

Der Flachs der Mitspieler, das Adrenalin bei den Spielen, die gemeinsame Freude über Erfolge, die Begeisterung der Fans – es war nicht einfach loszulassen. Er hatte keine Wahl, weil sein Knie noch lange nicht beschwerdefrei ist.

Ende des Monats wird er mit seiner Freundin Aachen verlassen und nach Berlin gehen, wo er aufgewachsen ist. Die Pläne sind noch nicht ausgereift, ein Studium wahrscheinlich. Der physiotherapeutische und osteopathische Bereich reizt ihn. Vielleicht ist das der einzige kleine positive Nebeneffekt: Er hat sich unfreiwillig in der Medizinerwelt intensiv umgucken können.

„Ich bin erst 26 Jahre, das hat auch Vorteile“, sagt Müller. Er wird die Tür zur Fußball-Welt erst einmal abschließen, will Abstand gewinnen, will eine Weile auch keine Spiele mehr gucken, er braucht die Distanz. Er wird die Branche wechseln und sich irgendwo anders durchbeißen. „Kämpfen habe ich wirklich gelernt.“

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