Flo Müllers Tagebuch, Teil 2: Geburtstag im Reha-Zentrum

Von: pa
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Florian Müller
Ein Bild aus gesunden Zeiten: Florian Müller (rechts) im Zweikampf mit dem Karlsruher Lars Stindel. Foto: dpa

Aachen. Heute ist ein besonderer Tag für Florian Müller. Alemannias verletzter Profi wird 24 Jahre alt an diesem vorletzten Tag 2010. Heute ist aber auch ein normaler Tag im Leben des verletzten Profis. Auch an seinem Geburtstag ist er wieder auf dem Weg zum Reha-Zentrum nach Köln.

Gesunde Spieler erholen sich ein paar Stunden um die Feiertage herum, verletzte Spieler kämpfen ständig um den Anschluss. Ein paar Tage hat der 24-Jährige freibekommen, ist zur Familie nach Eisenhüttenstadt gefahren. Die Freundin war der Chauffeur, Müller schont lieber das Knie, dessen Kreuzbänder am 24. Oktober zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit gerissen sind.

So richtig ausgespannt hat Müller natürlich auch im Osten nicht, die Termine bei den Physiotherapeuten waren so selbstverständlich wie die Christbaumkugeln.

Die Reha läuft nur schleppend an, das Knie hat sich die zweite schwere Verletzung gemerkt, reagiert ausgesprochen gereizt. Und auch der Patient reagiert gereizt, weil er sich die erste schwere Verletzung gemerkt hat. „Damals war ich zu diesem Zeitpunkt schon weiter.”

Strenggenommen ist die eigentliche Rehabilitation noch nicht angelaufen, es sind immer noch Behandlungen, um das noch leicht geschwollene Knie zu beruhigen. Viermal ist Müller seit diesem Unglückstag schon punktiert worden, Flüssigkeit wurde aus dem Gelenk gezogen. Vor Weihnachten brachte eine Magnetresonanztomographie immerhin Gewissheit: Die Bänder und der Knorpel im Knie sind in Ordnung.

Das ist ein kleiner Trost, auch wenn die Linderung noch ausbleibt. „Teilweise ist es sehr deprimierend”, sagt Müller. „Ich will Fortschritte sehen, will mit der Reha starten.” Tempo war eine Stärke des gesunden Profis, Langsamkeit akzeptieren ist die größte Herausforderung des invaliden Profis.

Der Verein hilft ihm weiter, hat vor dem letzten Saisonspiel gegen Frankfurt seinen Vertrag um ein Jahr verlängert, danach können beide Vertragspartner eine Option ziehen. „Es ist für verletzte Spieler gut zu wissen, dass der Klub noch an sie glaubt”, sagt Müller. Es waren faire Verhandlungen sagt Müller, der Verein nutzte die Notsituation des angeschlagenen Spielers nicht aus. „Ich möchte das Vertrauen des Klubs mit Leistung zurückzahlen.” Wann das sein wird? Müller nennt keinen konkreten Zeitpunkt, bei der Schwere der Verletzung kommt es auf eine Woche nicht an. Am liebsten würde er im Sommer mit in die Vorbereitung gehen, aber Prognosen über den Heilungsverlauf gibt es nicht.

Diese letzte Partie des Jahres, der fulminante Pokalsieg über Eintracht Frankfurt, hat Müller auf der Tribüne verfolgt. Nach dem Spiel war er in der Kabine, hat ein bisschen mit den Pokalhelden gefeiert. Alemannias Patienten, die natürlich keine Pokalprämie erhalten, waren alle da.

Müller hat den Sieg genossen, aber auch wehmütig beobachtet. „Die Wehmut wurde mit dem Los FC Bayern nicht kleiner”, sagt er. „Ich hoffe, dass ich solche großen Spiele auch noch mitmachen kann.” Er ist ja erst 24 Jahre alt.

Die Redaktion wird Florian Müller in den nächsten Monaten regelmäßig begleiten, um von seinen Erfolgen, Rückschlägen, Hoffnungen und Zweifeln zu berichten.
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