Alemannia beklagt Fehlbetrag von 65.000 Euro.

Finanzielle Altlasten: Alemannia und die teuren chinesischen Strohhalme

Von: Christoph Pauli
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Belastendes Erbe: Alemannias Schatzmeister Björn Jansen plagt sich mit finanziellen Altlasten herum. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Anfang des Jahres nahm die Panik zu in Alemannias Gremien. Die Liquidität verringerte sich, eine Einigung mit interessierten Investoren rückte in weite Ferne, das Schreckgespenst der nächsten drohenden Insolvenz flatterte wieder am Tivoli. Aachens Funktionäre versuchten die aufziehende Zahlungsunfähigkeit mit allerlei Aktivitäten zu verhindern.

Ende des Jahres steht nun fest: Im März musste dennoch Insolvenz angemeldet werden, und am Ende des Jahres weist auch der Mutterverein TSV Alemannia einen beträchtlichen Fehlbetrag auf.

Um die Sport-Gesellschaft zu retten, hatte der gemeinnützige Verein noch einige Rettungsanker geworfen. Es ging darum, Anteile zu verkaufen und auch Mitglieder zu werben. Ebenfalls steht fest: Genutzt haben die Initiativen nichts mehr. „Im Frühjahr hat man jeden Strohhalm ergriffen, um die Insolvenz zu vermeiden“, sagt der heutige Präsident Martin Fröhlich. „Das war schon nachvollziehbar.“ Alle Aktivitäten waren mit dem Aufsichtsrat abgestimmt, zu dessen Sitzungen auch Fröhlich als damaliger Vorsitzender des Verwaltungsrats geladen war. Initiator dieser Maßnahmen war häufig Horst Reimig, der frühere Schatzmeister des Vereins, der die nächste Insolvenz mit allen Mitteln verhindern wollte.

Im Februar warb der Verein unter dem Motto „meine Herzensangelegenheit“ um lebenslange Mitgliedschaften. Für 1900 Euro gab es einige Vorteile. Im Begrüßungspaket landete nicht nur ein „exklusiver Sonder-Mitgliedsausweis“, auch ein Sonder-Trikot und eine VIP-Einladung zu einem Heimspiel und ein Namens-Eintrag auf einer Ehrentafel am Tivoli wurden ausgelobt. „Die Kampagne soll wieder Vertrauen in der Region schaffen. Wenn wir 100 neue Mitglieder für 1900 Euro bekommen, dann ist das schon eine große Summe, die dem Verein hilft“, sagte Reimig bei der Präsentation.

Zur Bewerbung der Kampagne wurden in Aachen und der Städteregion rund 120 City-Light-Plakate platziert. Begleitet wurde das Projekt vom ehemaligen Geschäftsführer des 1. FC Köln, Claus Horstmann, der inzwischen Vereine oder Verbände berät. Der 52-Jährige bekam sein Gehalt in fünfstelliger Höhe, die Kampagne blieb defizitär, obwohl immerhin 27 Fans eine lebenslange Mitgliedschaft unterschrieben.

Ein anderer Kostenfaktor resultierte noch aus den Überlegungen, Investoren an Bord zu holen. Anwälte und Wirtschaftsprüfer bereiteten einen Einstieg vor. Auch deren Rechnungen mussten bezahlt werden.

Den weitaus größten Posten verschlang nach Recherchen unserer Zeitung ein Vorhaben, das öffentlich nicht bekannt wurde. Der Investmentbanker Volker Heun, durchaus eine Größe in der Branche, wurde beauftragt, nach möglichen Partnern für den Viertligisten im chinesischen Raum zu suchen. Vereinbart wurde für mehrere Monate ein fixes Beratungsgehalt, zudem eine signifikante Erfolgsprämie, sagt der heutige Präsident Martin Fröhlich.

Heun hat ein Buch geschrieben über die „Assetklasse Fußball“. In dem Werk spricht er über die „Chancen und Risiken für Investoren im Fußball“. In dem Fall wurde das Risiko nicht belohnt. „Herausgekommen ist nichts“, sagt Fröhlich. Vergeblich habe man ihn aufgefordert, seine Kontakte und Initiativen zu belegen. Initiator dieser Kampagne war Horst Reimig. Er hat keine Zweifel an der Seriosität des Vermittlers. „Es ist eher so, dass wir zu spät angefangen haben mit dem Projekt.“ Letztlich fand sich kein Interessent für einen Viertligisten, der auch noch ins Insolvenzverfahren abgerutscht war.

„Nicht existenzgefährdend“

Für den neuen Schatzmeister Björn Jansen, der die Bücher erst nach seiner Neuwahl im September übernahm, ist das eine schwierige Situation. „Wir verstehen, dass man damals jeden Strohhalm ergreifen wollte. Aber die Auswirkungen der Aktionen fallen uns nun vor die Füße.“ Nach dem dritten Quartal hat sich ein Fehlbetrag von etwa 65.000 Euro aufgetürmt. „Unsere Situation ist dennoch in keiner Weise existenzgefährdend, der Verein ist gesund“, sagt Jansen. Am Jahresende werde der Klub noch Rücklagen von etwa 55.000 Euro besitzen, ehe ab Januar die Jahresbeiträge der Mitglieder die Kassen füllen.

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