Ex-Alemanne Ugur Inceman: Mehr Einsatzzeiten, „dann wär´s perfekt”

Von: Klaus Schmidt
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Da geht noch was: Ugur Inceman (hier enteilt er Yalcin Ayhan im Spiel gegen Antalyaspor) kommt bislang auf 17 Einsätze für Besiktas in 28 Erstliga-Partien. Foto: imago/Seskim

Istanbul. Zur Sicherheit ist der Mannschaftsbus am Sonntag etwas früher losgefahren am Trainingskomplex im asiatischen Teil der Stadt. Der Trip über die Brücke zum Heimspiel davor gegen Kayserispor war chaotisch abgelaufen. „Für die letzten zwei Kilometer zum Stadion haben wir eine Stunde gebraucht”, erinnert sich Ugur Inceman.

„Da brannten bengalische Feuer, die Fans standen auf den Straßen, es gab kein Durchkommen. Das war Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie gesehen.”

Die Fußballer von Besiktas Istanbul kamen so spät im Inönü-Stadion gleich am Bosporus an, „uns blieben nur noch 15 Minuten zum Aufwärmen”. Zwölf Spiele sind die „schwarzen Adler” nun ungeschlagen, die erste türkische Meisterschaft seit sechs Jahren ist auch nach dem 0:0 gegen Bursaspor zum Greifen nah - Besiktas liegt nur einen Punkt hinter dem Überraschungs-Team aus Sivas.

Zwei Abstiege in Folge

Seit dieser Saison steht Ugur Inceman bei Besiktas unter Vertrag. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die so nicht geplant war. „Ich wollte eigentlich immer in der Bundesliga spielen”, deshalb wechselte er vor knapp acht Jahren zum FC St. Pauli, Alemannia Aachen kassierte 2,75 Millionen Mark, die bis heute höchste Ablösesumme.

Die Zeit am Millerntor hatte für Inceman leider zwei Abstiege in Folge vorgesehen, ablösefrei holte ihn dann Eugen Hach zur SpVgg Greuther Fürth. Bei seinem Entdecker wollte der defensive Mittelfeldspieler „wieder auf die Beine kommen”, doch mit der Entlassung des Trainers „wurde auch ich auf die Seite gestellt”.

In der Winterpause 2003/04 folgte der Wechsel zu Vestel Manisaspor. Trainer dort: Mustafa Denizli, der „türkische Beckenbauer”, maßgeblich beteiligt an Alemannias Abstieg in die Amateurliga vor 19 Jahren. 2005 stieg der Klub aus dem Westen Anatoliens, Nahe Izmir, in die „Süper Lig” auf.

Ugur Inceman, von einer schweren Verletzung (Kreuzband-, Innenband- und Außenmeniskus-Riss) genesen, führte mit dem Neuling lange die Klasse an, Manisa behauptete sich auch in der zweiten Saison - und stieg nach der dritten mit seinem Kapitän ab.

Diesmal klappte der Wechsel zu Besiktas - ein paar Jahre zuvor war ein Vorvertrag noch geplatzt. Vestel machte klare Ansagen: „Es hat seinen Preis, wenn Du gehen willst. Es gab ein Hickhack”, wochenlang, letztlich löste Istanbul den Umworbenen mit einer Million Euro plus zwei Spielern aus.

Eine andere Ebene

Ugur Inceman hatte einen Vorteil, als er vor fünf Jahren in die Heimat seiner Eltern auszog. „Türken, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, gelten hier zunächst als Ausländer. Ich hatte aber schon zu meiner Aachener Zeit in der U21-Nationalelf gespielt und kannte das Land, die Mentalität. Das war nichts Fremdes für mich.”
Nun das Trikot von Besiktas zu tragen, „das ist etwas Besonderes”. Ohne seine bisherigen Klubs „klein machen zu wollen - das hier ist nicht zu vergleichen, eine andere Ebene”.

Als er gleich zu Saisonbeginn ein Tor schoss in der Uefa-Cup-Qualifikation, waren die kritischen Beobachter überzeugt, „ich hatte meine Note bei den Fans”. Doch aus dem Stammspieler wurde nach der schnellen Entlassung von Trainer Ertugrul Saglam ein Edel-Joker. „Das fragt mich jeder, ob ich mit Mustafa Denizli ein Problem habe, aber es gibt keins”, sagt Inceman.

Unter dem Coach, der ihn in die Türkei holte, bekommt der bald 28-Jährige seine Einsatzzeiten überwiegend im Pokal. Und da steht Besiktas heute nach einem 3:1 im Hinspiel gegen Ankaraspor vor dem Final-Einzug.

Die winterliche Vier-Millionen-Euro-Verpflichtung des Schalkers Fabian Ernst hat Incemans Position nicht unbedingt gestärkt. Aber der „Sechser” mit der Rückennummer 8, der im Februar 2004 gegen Dänemark (0:1) sein bislang einziges Länderspiel absolvierte, schiebt keinen Frust.

„Mit Fabian verstehe ich mich sehr gut, auch wenn er mein Konkurrent ist. Wir haben einen echt guten Kader. Ich bin professionell, trainiere gut, mache Extra-Schichten in meiner Freizeit und warte auf meine Chance.”

Der Vertrag läuft bis 2010 (plus Option), Ugur Inceman sagt: „Ich fühle mich wohl hier. Wenn ich öfter spielen würde, dann wäre es perfekt. Dafür kämpfe ich.” Und Kämpfer mögen sie bei Besiktas.
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