Aachen - Erstklassig in der Liga der Vereinszeitungen

Erstklassig in der Liga der Vereinszeitungen

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Es geht rund in der Fußballwelt anno 1908: Andreas Düspohl (links), Leiter des Zeitungsmuseums, und Dr. René Rohrkamp, Leiter des Aachener Stadtarchivs, präsentieren die Archivalie des Monats Februar 2018. Foto: Stadt Aachen/Andreas Herrmann
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Im Januar 1908 feierte das „Nachrichtenblatt der Aachener Fußballvereine“ Premiere. Foto: Stadt Aachen/Andreas Herrmann

Aachen. Am 12. Januar 1908 schrieb der 27-jährige Kurt Pfeiffer, seines Zeichens Eisenbahnpraktikant und Vorsitzender des FC Alemannia, an das Königliche Polizeipräsidium in Aachen und zeigte an, dass die bisher allein den Vereinsmitgliedern vorbehaltene Vereinszeitung, das „Nachrichtenblatt des F. C. Alemannia“, von nun an unter dem Titel „Nachrichtenblatt der Aachener Fußballvereine“ alle 14 Tage als öffentliche Zeitung erscheinen würde.

Hierzu wurde die Zeitung nicht in anderer Form aufgelegt; vielmehr wurde um die Vereinszeitung lediglich ein Mantel mit dem allgemeineren Zeitungstitel und vielen Werbeanzeigen gelegt. Wer das Nachrichtenblatt aufschlug, bekam die Titelseite der Alemannia-Vereinszeitung zu sehen. Dies alles belegt die aktuelle „Archivalie des Monats“.

Ausführliche Spielberichte

Nichtsdestoweniger war die Vereinszeitung auch für Nicht-Alemannen interessant, druckte sie doch regelmäßig ausführliche Spielberichte der Alemannia ab, die damals – wie heute leider auch – vor allem gegen lokale und regionale Gegner spielte. Zudem gab es Kurzinformationen aus anderen Vereinen und Sportberichterstattung aus dem Gebiet des Westdeutschen Spielverbands, zu dem die Alemannia gehörte.

Pfeiffer hatte dem Polizeipräsidium ein Exemplar zukommen lassen, weil das Gesetz über die Presse vom 7. Mai 1874 Verlegern vorschrieb, beim Beginn des öffentlichen Vertriebs von Druckschriften der Polizeibehörde am Ausgabeort ein Exemplar zu überlassen. Die Polizei prüfte in jeder Ausgabe nun die Inhalte, aber auch die Inserate. Dies nicht zuletzt deshalb, weil das Gesetz die Möglichkeit zu Gegendarstellungen und der Überwachung bestimmter Inhalte an die Hand gab.

Die Aachener Polizei stieß zudem die gesetzliche vorgeschriebene Überprüfung des auch als Schriftleiter fungierenden Kurt Pfeiffer sowie des Verlegers Heinrich Kutsch an. Die eingeholte amtliche Auskunft ergab aber nichts Nachteiliges, so dass dem Vertrieb der Zeitung nichts im Wege stand. Von nun an musste von jeder erschienenen Ausgabe eine Zeitung bei der Aachener Polizei abgegeben werden.

Alemannia-Zeitung bereits 1905

Eine Vereinszeitung hatte die Alemannia bereits seit 1905. Der Zeitungskopf war durch Zeichnungen eines Mitglieds aufwendig gestaltetet worden, die Berichterstattung war ausführlich. So gab das „Nachrichtenblatt“ den vornehmlich von den Aachener Gymnasien stammenden Mitgliedern ein Medium an die Hand, um in gut geschriebenen Texten über ihr sportliches Treiben, aber auch über das intensive kulturelle Leben im Verein – es gab zum Beispiel ein Orchester und eine Bibliothek – zu berichten.

Die Vereinszeitung der Alemannia erschien mit nur kleinen kriegsbedingten Unterbrechungen bis Juni 1975. Parallel erscheint seit 1952 eine Stadionzeitschrift, die zunächst „Und heute“ und dann „Tivoli-Sportvorschau“ hieß, und seit Dezember 1976 als „Tivoli-Echo“ erscheint.

Weitere Infos zur Ausstellung und zur Archivalie

Im Internationalen Zeitungsmuseum, Pontstraße 13, ist noch bis einschließlich Sonntag, 4. März, die Ausstellung „Alemannia 1933 – 1945. Fußball zwischen Sport und Politik“ zu sehen. Entlang der Lebenswege von Reinhold Münzenberg und Max Salomon entfaltet die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Fan-IG der Alemannia Aachen im IZM gezeigt wird, in Schlaglichtern die Atmosphäre, die Ereignisse und Entwicklungen bei Alemannia Aachen von 1933 bis 1945.

Die Ausstellung stützt sich vor allem auf die als „Archivalie des Monats“ beschriebene Vereinszeitung, zahlreiche historische Quellen und Fotos.

Die Archivalie mit einem kurzen Begleittext wird entsprechend in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert.

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