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Epidemie am Tivoli: Spiel in Erfurt abgesagt

Von: Klaus Schmidt und Christoph Pauli
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Robert Wilschrey
Aachens Robert Wilschrey liegt am Boden und hält sich den Bauch. Foto: dpa

Aachen. Die planmäßige Abfahrt ins 444 Kilometer entfernte Erfurt war für 13.30 Uhr vorgesehen. Der Bus stand da, nur die Besatzung fehlte am Freitag. Der grassierende Virus hatte natürlich auch nicht halt gemacht vor dem Kader von Alemannia Aachen.

Am Morgen hatten sich neun Spieler vergrippt abgemeldet. Schon zu Wochenbeginn war Aachens Kapitän Sascha Herröder leicht erkrankt, doch von schwerwiegender Natur schien das zunächst nicht zu sein. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag meldete sich die Grippe dann aber in allen Mannschaftsteilen. Manager Uwe Scherr reagierte mit Galgenhumor: „Der Kapitän reißt alle mit – im wahren Sinne des Wortes.“

Schon das Abschlusstraining war eine Farce, weil kaum jemand den erstaunlich munteren Trainern zur Verfügung stand. Der Klub reichte kurzfristig einen Antrag beim DFB ein, damit das Drittliga-Spiel am Samstag bei Rot-Weiß Erfurt abgesetzt werden sollte. Der Paragraph 15 der Durchführungsbestimmungen „Absetzung wegen Erkrankung von Spielern“ wurde der „Mitarbeiter des Tages“.

Geregelt ist hier, dass „dem Antrag nicht stattzugeben ist, wenn mehr als 13 spielberechtigte Lizenzspieler und /oder in der Lizenzspieler-Mannschaft spielberechtigte Amateurspieler zur Verfügung stehen“. Das musste der Verband prüfen. Am Tivoli wurde Attest auf Attest ausgestellt, im Laufe des Tages meldeten sich weitere vier Profis ab. Am Ende blieben nur die beiden Torhüter Tim Krumpen und Mark Flekken sowie eine gute Handvoll Feldspieler verschont.

Die Nachricht von der Epidemie schnappte schnell rüber nach Thüringen, in der Mittagszeit vermeldete der Gastgeber einen „problemlos zu bespielenden Rasen“. Kein Grund für eine Absage.

„Wir würden gerne spielen, aber wenn Alemannia nicht kann, dann kann sie nicht“, sagte Erfurts Pressesprecher Wilfried Mohren gegenüber unserer Zeitung. Man hätte sich eine frühzeitige Information über den Krankenstand am Tivoli gewünscht, monierte der gebürtige Geilenkirchener. „Wenn es denn so ist, würde vielleicht ja auch unsere Mannschaft gefährdet.“

Der Ball lag beim DFB in Frankfurt, in Aachen wurden alternative Pläne geschmiedet. Das Hotel in Erfurt wurde storniert, die Abfahrt auf Samstagmorgen, 7 Uhr, verlegt. Vermutlich hätte statt des Busses dann ein Großraum-Taxi ausgereicht. „Es wäre mitgefahren, wer es zum Treffpunkt geschafft hätte“, berichtete Scherr. Spieler aus der U 23 wurden vorsorglich informiert, dass kurzfristig ein Profi-Debüt anstehen könnte.

Natürlich gab es weitere Turbulenzen an diesem Tag, der DFB akzeptierte die Atteste der Vereinsärzte nicht, so dass Erfurt bereits auf der Homepage vermeldete: „Antrag abgelehnt. Es wird auf jeden Fall gespielt.“ Die Nachricht wurde etwas voreilig kolportiert. Der DFB verlangte das Bulletin von unabhängigen Ärzten, und so wurden die kranken Kicker wieder zusammengetrommelt. Gegen 17 Uhr bestätigte ein Vertreter des Gesundheitsamts den Befund. So hatte auch der Verband schnell ein Einsehen und sagte die sinnfreie Veranstaltung kurz nach 18 Uhr am Freitag ab. Ein Nachholtermin ist noch offen.

„Eine turbulente Woche geht zu Ende“, bilanzierte Scherr am späten Abend. Am Anfang der Woche stand die DFB-Frist, die Liquidität bis zum Saisonende nachweisen zu können. Es folgte eine enorm kurzfristige Absage der Partie in Burghausen, als das Team sich fast schon aufwärmte. Der Dreiklang endete mit der allerdings herbeigesehnten Absage in Erfurt. „Ich muss sagen, man erlebt in Aachen sehr viel“, schnaubte Scherr durch. Der sportliche Leiter ist erst seit dem Sommer am Tivoli angestellt und erlebt im Zeitraffer einen Crash-Kurs, was der Profi-Fußball an manchen Standorten bietet.

Wie es weitergeht mit der maladen Mannschaft? Bis Montag herrscht „Stubenarrest“, die Profis sollen sich getrennt auskurieren. Dann wird wieder durchgezählt im Kader. „Wir möchten gerne die Partie am Mittwoch gegen Windeck und Samstag gegen die Stuttgarter Kickers austragen“, sagt Scherr. Das letzte Wort dürften nächste Woche die Ärzte haben.

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