Ende der Party: Aachen leistet sich Debakel

Von: Christoph Pauli
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Der Anfang vom Ende: Ex-Alemanne Marius Ebbers staubt gegen den sich vergeblich streckenden Thorsten Stuckmann zum 1:0 ein. Foto: Fishin4

Aachen. Vor dem Spiel sah man tausende Besucher, die noch die Züge von Glück und Entspanntheit im Gesicht trugen, wie sie typisch sind für Männer, die gerade von der Entbindungsstation kommen. Alemannia hat ein prächtiges neues Stadion, und der Nachwuchs ist wunderbar gelungen.

Unglücklicherweise - das galt zumindest an diesem Abend - wurde das schmucke Bauwerk nicht nur mit vielen Worten, sondern auch mit einem Fußballspiel der 2. Liga eingeweiht. Alemannia leistete sich bei der Premierenbegegnung ein Desaster, 0:5 endete die Partie gegen den FC St. Pauli, der sich als richtiger Spielverderber entpuppte. Beim Premierenball traten sich die Aachener mächtig auf die Schleppe.

Eine Viertelstunde tasteten sich die Gastgeber an ihr neues Zuhause heran. Sie versuchten, die Ordnung zu halten, nur nicht zu viel Gas geben. Heraus kamen zwei richtig gute Gelegenheiten. Nemeth scheiterte nach einer Burkhardt-Flanke an Paulis Keeper Mathias Hain (13.). Der 36-Jährige klärte kurz darauf gekonnt auch gegen Thorsten Burkhardt, der freie Schussbahn hatte.

Die prächtige Südkurve feierte, St. Pauli hielt sich zurück, die Dinge schienen sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Doch die Mannschaft hatte an diesem Abend andere Pläne, sie fiel grausig auseinander - und niemand war da, der die Gruppe noch zusammenhielt. Die 20 Minuten vor der Pause gehören zu den desolatesten in der Historie. Keine gute Begrüßung für das neue Stadion.

Nach 24 Minuten kurvte der Ex-Aachener Florian Bruns aufs Tor zu, auch diesmal entschied sich Neuzugang Daniel Adlung für einen liebevollen Begleitschutz. Bruns´ Schüsschen ließ Aachens Keeper Thorsten Stuckmann abprallen, und da lauerte wie gewohnt Marius Ebbers. Der Ex-Aachener traf auch diesmal gegen seine alten Kollegen zum 0:1.

Und der zweite Streich folgte sogleich, diesmal fehlte jeglicher Widerstand in der Innenverteidigung - 0:2 (28.). Zumindest dort hat der Verein noch eine weitere Alternative gefunden. Nico Herzig wurde vor der Partie von Arminia Bielefeld zurück gekauft, erhält einen Zwei-Jahresvertrag.

Von der Tribüne aus sah der Heimkehrer, wie seine Kollegen ohne große Gegenwehr untergingen. Die Mannschaft wurde zerpflückt wie ein Rudel Regenwürmer von einer gierigen Amsel.

Deniz Naki hätte nach einer Begegnung mit Thorsten Stuckmann einen Elfmeter erhalten können (31.). Der Angreifer aus Düren, der im Sommer gerne an den Tivoli gewechselt wäre, rächte sich umgehend. Sein leichtes 0:3 (35.) war noch nicht das letzte Wort an diesem Abend.

Ebbers entwischte Olajengbesi, und der fahrige Innenverteidiger korrigierte den Irrtum mit einem Foul im Strafraum. Florian Bruns verwandelte zum 0:4. Das Stadion war da gerade einmal 39 Minuten alt und erlebte sein erstes gellendes Pfeifkonzert.

Seitenwechsel, Alemannia durfte erstmals auf die imposante Südtribüne anspielen. Mehr zu sehen gab es auf der Gegenseite, Ebbers verpasste ein sicheres 0:5 nach 50 Minuten. Und der quicklebendige Naki steuerte den Pfosten an (63.).

Aachens Trainer Jürgen Seeberger wechselte seine komplette Offensive aus, erst Milchraum, dann Gueye und Oussale erlebten ihre ersten Stadionminuten. Zum Ehrentreffer reichte es nicht mehr.

Stattdessen setzte der Gast den Schlusspunkt: Hennings durfte unbehelligt das 0:5 erzielen (86.). Für Statistik-Freunde: So endete auch das erste Heimspiel der Saison 1947/48 in der Oberliga West gegen die SpVgg Erkenschwick, es war die höchste Heimniederlage bis dahin.

Enttäuscht verließen tausende den neuen Fußball-Tempel. Das Lächeln war verschwunden.
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