„Eine große Leistung” eines runderneuerten Teams

Von: Klaus Schmidt
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Nicht zu bremsen: Manuel Junglas (rechts) gegen den Münchner Radhouane Felhi. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, und was am letzten Spieltag noch für den einen Klub galt, ist eine Woche später aktuell beim anderen. „Dazu gibt´s nicht viel zu sagen”, „unwürdig für Profifußball”: Das war zuletzt im Zusammenhang mit Alemannia Aachen zu hören.

Nun sprach am Sonntag Ewald Lienen diese Worte, der Trainer von 1860 München hatte auf dem Tivoli sein „Oberhausen” erlebt. 0:2 gegen runderneuerte Schwarz-Gelbe am Ende einer „anstrengenden Woche” (Manuel Junglas), jetzt wird´s ungemütlich im Süden der Republik, weil Lienen verspricht: „Ich mach´s jetzt so wie Willi.”

Der Aachener Interimscoach Kronhardt beendet seinen vorübergehenden Aufstieg mit der wundersamen Wandlung eines Teams. „Das war eine große Leistung der ganzen Mannschaft”, sagte Aimen Demai, einer von fünf Neuen in der Startaufstellung. Hinzu kam eine sechste Änderung: Alemannia probierte sich im 4-2-3-1. „Und so, wie wir die ganze Woche trainiert haben”, sagte Torhüter Thorsten Stuckmann, „so haben wir heute auch gespielt.”

Nach dem Grundsatz modernen Fußballs: in der Offensive das Feld weit, in der Defensive eng machen. Besonders in der ersten Halbzeit ging Aachen hohes Tempo, presste und erzielte eine Minute vor der Pause, längst überfällig, das 1:0. Müller, Junglas, Auer, drin war der Ball.

„Über weite Strecken haben wir das umgesetzt, was wir einstudiert und erarbeitet hatten”: Willi Kronhardts Auftrag lautete, die Zuschauer zurückzugewinnen. Knapp 25.000 hatten Vertrauensvorschuss gegeben, sie wurden nicht betrogen.

Als Manuel Junglas in der 83. Minute unter tosendem Applaus ausgewechselt wurde, verabschiedete er sich mit Handschlag von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. „Sie hatte zu mir gesagt: ,Wenn ich schneller bin als Du, dann zeige ich Dir die Gelbe Karte.´

Da habe ich geantwortet: ,Okay, bevor ich in die Mannschaftskasse zahlen muss, gehe ich jetzt ein bisschen schneller vom Platz.´”

Die Stimmung war längst gelöst, auch wenn die Entscheidung erst in der Schlussminute durch den vierten Saisontreffer von Benny Auer fiel. Bis kurz vor dem Aufwärmen hatte Kronhardt gewartet, ehe er der Mannschaft die Aufstellung mitteilte.

„Natürlich hat jeder gezittert”, Junglas - der bereits vor knapp fünf Jahren als 16-Jähriger mit den Profis im Trainingslager war - musste nicht ernsthaft um einen Einsatz fürchten. Unter all den überzeugenden Kollegen verdiente sich der neue Partner von Cristian Fiel in der „Doppel-Sechs” noch einen Stern mehr.

„Ich habe die Position ja schon bei Herrn van der Luer gespielt”, so spricht der einstige U23-Kicker respektvoll über seinen ehemaligen Trainer. Und nun, nach diesem formidablen Spiel gegen „Sechzig”, stellte Junglas fest: „Willi Kronhardt hat alles richtig gemacht.”

Als in der Mixed Zone schon wieder eine kritische Frage aufkam, dass der Sack schon früher hätte zugemacht werden können, da musste Thorsten Stuckmann sich beherrschen. „Das regt mich auf, immer nur das Negative zu suchen. Es gab kein Manko heute.”

Außerdem, so gab der Torhüter zu bedenken: „Wenn wir nach 70 Minuten 5:0 führen, dann gehen doch die Leute nach Hause.” Diese Gefahr war allerdings gering nach der Aachener Magerkost an den ersten fünf Spieltagen.
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