Einbrüche in die „Bank of Scotland”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Karlsruher SC - Alemannia Aachen
Der Karlsruher Macauley Chrisantus (rechts) freut sich über seinen Treffer zum 2:0. Links ist der Aachener Torwart David Hohs zu sehen. Foto: dpa

Karlsruhe. In der Kabine war es mucksmäuschenstill. 45 Minuten waren erst gespielt, und Alemannia lag bereits 0:3 beim Karlsruher SC zurück, was nach Lage der Dinge ausreichend geschmeichelt war. Es hätte genügend Anlass für eine deftige Ansprache von Peter Hyballa gegeben, doch Aachens junger Trainer blieb ruhig.

„Die Jungs brauchten Hilfe, wir mussten sie aufbauen.” Die zerzauste Gruppe bekam mentale Aufbauhilfe.

Diese erste Halbzeit war wie ein Tsunami über seine Mannschaft gekommen. Ohne Vorwarnung. „Das junge Team macht Fehler, heute waren es viel zu viele.” So endete diese einseitige Partie mit 3:0, und den Gästen blieb nur das fade Lob, ein Debakel verhindert zu haben.

Aber dieser erste Durchgang in Karlsruhe erschreckte die etwa 300 Aachener Zuschauer dann doch, weil die bisherige Vorbereitung keine Hinweise für ein solches Scheitern gegeben hatte.

Die Trainer haben in der Vorbereitung immer von einem „Crashkurs” gesprochen, den sie mit den Profis gemacht haben. In Karlsruhe mussten sie zum ersten Mal feststellen, dass die Lektionen noch nicht gut sitzen.

Das Glückskonto der Aachener war schon nach sieben Minuten strapaziert. Bis dahin hatten schon zweimal Keeper David Hohs und zweimal Pfosten und Latte gerettet, nach acht Minuten war der Widerstand gebrochen. Timo Staffeldt entwischte Alper Uludag und vollendete aus kurzer Entfernung.

Die Profis schauten so verdutzt, als sei gerade eine Horde Elefanten durch den Strafraum getrampelt. Die junge Mannschaft (Durchschnittsalter: 22,8 Jahre) geriet völlig aus der Spur. Sie wurde nervös, traf viele falsche Entscheidungen, traute den eigenen Fähigkeiten nicht mehr und verlor bedenklich die Ordnung. Selbst Pässe über zehn Meter streuten so stark, als habe die halbe Mannschaft die Kontaktlinsen vergessen. „Sie wollte zu viel, sie war zu ungestüm”, urteilte Manager Erik Meijer.

Die angenehm überraschten Gastgeber legten fröhlich nach. Macauley Chrisantus, der an diesem Tag zu stark für Aachens Innenverteidiger war, erhöhte nach einem Arslan-Fehlpass auf 2:0 (18.). Dem Treffer ging allerdings eine Abseitsstellung voraus. Dem wuchtigen Angreifer gelang noch das regelkonforme 3:0 (34.), nachdem er kurz vorher nur die Latte getroffen hatte.

Das war eine eher kümmerliche Ausbeute für den KSC in den ersten 45 Minuten. „Das war die beste Halbzeit, die ich hier in anderthalb Jahren erlebt habe”, jubelte KSC-Keeper Kristian Nicht.

Eher unverhofft ist ein Problem bei Alemannia aufgetaucht, das in der letzten Woche noch von einer chronischen Schussschwäche überlagert wurde. Alemannias Abwehr schwächelt, der Mannschaftsteil mit der größten Erfahrung (Ausnahme: Feisthammel) war stabil wie ein Wackelpeter. Weder Abstände noch Abstimmung stimmten.

„Da hinten sollte die Bank of Scotland eigentlich stehen”, wunderte sich Erik Meijer. Dort gab es allerdings zahlreiche „Einbrüche”. Die Abwehrkette wurde mit lustvollem Kombinationsfußball auseinandergesprengt. „Wir waren zu hampelig in der Abwehr”, wunderte sich Hyballa nach seiner ersten Niederlage in einem Pflichtspiel.

Die Karlsruher beruhigten sich, die nächste Halbzeit trudelte ohne Ereignisse aus, Aachen fand wieder in sein System zurück, ohne sonderlich gefährlich zu werden. Die einzigen erwähnenswerten Möglichkeiten hatte Babacar Gueye fahrlässig kurz vor der Halbzeit vergeben. Aachen war diesmal keine sonderlich torgefährliche Mannschaft, aber das größere Thema waren die Abwehrschwächen.

Das harte Urteil des Managers: „Heute war nicht ein Spieler auf dem Platz, der eine ordentliche Leistung gebracht hat.”
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