Aachen - Ein Schild aus uralten Tagen: „Tivoli ausverkauft!“

Ein Schild aus uralten Tagen: „Tivoli ausverkauft!“

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Mehr als 30.000 Zuschauer werden den Schlager gegen RW Essen verfolgen. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Im Herbst letzten Jahres wurde in Alemannias Aufsichtsrat diskutiert, wie man das Publikumsinteresse beim Auftaktspiel gegen Rot Weiß Essen anschieben könne. Das Projekt wurde dann später nicht mehr sonderlich intensiv verfolgt, ein bisschen Kinowerbung, aber mehr Marketing war dann nicht nötig. Die Dinge haben sich auch so großartig für den Verein entwickelt.

Die Partie am 7. Februar wird in die Rekordbücher eingehen, längst entdecken auch überregionale Medien, dass es positive Schlagzeilen am Tivoli gibt. Der Tivoli wird mit etwa 30.100 Zuschauern ausverkauft sein beim alten Westschlager. In den nächsten Tagen wird noch einmal genau nachgeschaut, so dass sich die Zahl noch leicht erhöhen könnte. Drei Stunden reichten am Montag aus, dann waren auch die letzten begehrten Tickets vergriffen. So wurde ein lang vergessenes, verstaubtes Schild aus der Asservatenkammer geholt: „Tivoli ausverkauft!“

Nur: so richtig erklären lässt sich der Hype der letzten Tage nicht. Die Nachfrage hat in diesem Jahr mächtig angezogen, ohne dass es spektakuläre sportliche Nachrichten gibt. Dieser Verein ist ein soziokulturelles Phänomen. So richtig kalt lässt Alemannia wenige, doch zuletzt dominiert die hausgemachte Ablehnung nach chaotischen Jahren. Der Klub bewegt sich zwischen extremen Polen und erfährt gerade eine unerwartet große Zuneigung.

Der Ticketzähler

Dr. Christian Steinborn versucht die imposante Nachfrage der letzten Tage zu erklären. „Zum einen haben viele Menschen erst in der langen Pause realisiert, wie sportlich eindrucksvoll die Hinrunde verlaufen ist,“ sagt der Marketing-Experte und Vorsitzende des Aufsichtsrats. Zum einen kündete der Ticketzähler auf der Homepage von immer neuen Rekorden.

„Da ist dann der Eindruck entstanden, dass es ein großes Event am Tivoli gibt, das man nicht verpassen sollte.“ Dem Verein hilft dieser Spieltag enorm, das strukturelle Defizit zu verringern. Der ausgeglichene Haushalt rückt näher, zumal noch weitere sportlich attraktive Heimspiele anstehen. Dann wird übrigens jeweils wieder der putzige Ticketzähler aktiviert.

Dieses ausverkaufte Spiel gegen RW Essen erleichert auch den Trainern die Arbeit in der zuweilen ungeliebten Vorbereitungszeit. „Es ist eine zusätzliche Motivation, wenn man auf dieses Ziel, auf diese Rekordkulisse hinarbeiten kann“, sagt Peter Schubert. Der Aufschwung am Tivoli ist natürlich eng mit den Trainern verbunden. Deren Verträge laufen im Sommer aus. Die sportliche Leitung soll an Bord bleiben.

„Natürlich haben wir nicht die Idee, etwas zu verändern. Wir wollen mit den Trainern weiterarbeiten“, sagt Thomas Deutz, der Aufsichtsrat, der sich um den Sport kümmert.“ Es kann wirklich keinen Zweifel daran geben, dass die Trainer sehr gute Arbeit in den letzten Monaten geleistet haben.

Eine andere Wahrnehmung kann es gar nicht geben. Unsere Wertschätzung kennen sie aber schon länger. Wir werden uns zeitnah mit ihnen zusammensetzen. Wichtig ist, dass als erstes diese Personalien besprochen werden, damit die Spieler wissen, wie es im Sommer mit Alemannia weitergeht.“

Holt Trier Abedin Krasniqi?

Die Vertragsverlängerung von Schubert und seinem Co-Trainer Rainer Plaßhenrich ist gewollt, in einem anderem Fall könnten sich die Wege trennen. Der „Trierische Volksfreund“ berichtet, dass die dortige Eintracht sich kurzfristig mit Abedin Krasniqi verstärken möchte. Der Angreifer kam in der Hinrunde aufgrund einer hartnäckigen Verletzung überhaupt nicht zum Einsatz.

Von dem vermeintlichen Interesse haben die Aachener bislang auch nur aus der Zeitung erfahren, direkte Gespräche gab es noch nicht. „Ein fitter Abedin ist für jedes Team eine Verstärkung“, sagt Schubert. Der Trainer sagt aber auch, dass man dem Stürmer „keine Steine in den Weg legen werde“, falls er die Klubfarben wechseln wolle.

Ein Ersatzkandidat könnte schnell gefunden sein. Viktor Maier, Torschützenkönig der Westfalenliga und Oberliga in den letzten Jahren beim SV Lippstadt, hat in der Hinrunde beim SC Paderborn nicht Fuß fassen können. Der 25-Jährige stand nie im Kader. Bereits im Sommer war er in Aachen im Gespräch. „Das ist ein guter Junge“, sagt Peter Schubert. „Wenn es eine Möglichkeit gibt, ihn zu holen, wären wir nicht abgeneigt.“

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