Ein Puzzle-Spiel aus 32.900 Einzelteilen

Von: Hans-Peter Leisten
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Probesitzen auf dem Beton: Rolf Hohnen, Leiter des Ticketings bei Alemannia Aachen, kennt zumindest am Computer jeden einzelnen Platz im neuen Stadion persönlich. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Rolf Hohnen strahlt eine bemerkenswerte Ruhe aus. Eine Grundvoraussetzung, um turbulente Zeiten zu meistern. Hohnen ist Leiter des Ticketings bei Alemannia Aachen. Das bedeutet zurzeit eine enorme Doppelbelastung: Seit FreitagAbend stehen noch acht Spiele auf dem alten Tivoli an, für die Hohnen und sein Team Karten an den Fan bringen. Parallel steht eine Mammutaufgabe an: die Verteilung der 32.900 Tickets für das neue Stadion.

Ob das der Quadratur des Kreises gleichkommt und welche Bedeutung der Servicegedanke hat, erzählt er im Samstagsinterview.

Waren Sie mit dem Ticketverkauf am Freitagabend zufrieden? Schließlich waren im neuntletzten Spiel im alten Stadion noch 3500 Karten zu bekommen?

Hohnen: Ich bin mit der Zuschauerzahl sehr zufrieden, schließlich hatte Alemannia das letzte Spiel verloren und Rostock steht in der Tabelle unten. Da haben wir keinen Grund zu meckern.

Merken Sie grundsätzlich am Ticket-Verkauf, dass die Spieltage des alten Tivoli gezählt sind?

Hohnen: In der Tat. Vor allem für das letzte Spiel gegen Augsburg ist die Nachfrage enorm. Wer sicher sein will, sollte nicht mehr allzu lange warten. Wir verkaufen die Tickets ja bereits für die komplette Rückrunde.

Wie groß ist das Interesse an Karten fürs neue Stadion?

Hohnen: Das ist ebenfalls riesig. Zurzeit läuft ja die Frist, innerhalb derer sich alle eine Kaufoption sichern können, die noch keine Dauerkarte besitzen. Man bekommt so eine Garantie, im gewünschten Block zu sitzen. Bislang haben 750 Neukunden davon Gebrauch gemacht. Wir haben 1000 neue Dauerkarten kalkuliert, und die werden in den verbleibenden fünf Wochen bis zum Ende der Optionsaktion auch verkauft.

Klappt das Puzzle, dass jeder seinen Wunschplatz erhalten soll?

Hohnen: Es ist natürlich schwer und sehr viel Arbeit. Und im Extremfall kann es theoretisch auch passieren, dass jemand nicht seinen Wunschplatz bekommt. Bei uns ist aber der Servicegedanke das Leitmotiv. Wenn man jemandem seinen Primärwunsch nicht erfüllen kann, werden wir mit ihm im direkten Gespräch eine Lösung suchen.

Sie versuchen also nicht die Quadratur des Kreises?

Hohnen: Noch halte ich die Aufgabe für überschaubar und lösbar.

Glauben Sie, dass vor allem die Interessen der Hardcore-Fans befriedigt werden können?

Hohnen: Der bisherige S-Block wird im künftigen Block S3 stehen, die bisherigen Blöcke T und M im künftigen S4 auf der Südtribüne. So versuchen wir, diese Fans adäquat unterzubringen. Für diese neuen Blöcke können wir allerdings keine Wünsche mehr annehmen.

Gibt es im neuen Stadion noch so etwas wie die bisherige Familienkarte?

Hohnen: Es gibt keine Familienkarte im bisherigen Sinn mehr. Dafür aber einen Familienblock. Hierfür können zwei Erwachsene mit mindestens einem Kind bis 14 Jahre Karten kaufen. Das Ticket für Kinder ist deutlich günstiger. Natürlich sind die Karten insgesamt teurer, aber es handelt sich um Sitzplätze und die Sicht ist erheblich besser als bisher.

An uns wurde die Frage gerichtet, ob der Nebenmann mit einem einverstanden sein muss...

Hohnen: Jede Frage ist legitim, die ganze Sache ist ja auch für die Fans neu. Aber so etwas wird natürlich nicht abgefragt. Wer eine Kaufoption oder eine Dauerkarte hat, hat von uns eine Liste bekommen, in die man Wunschnachbarn eintragen kann. Die müssen aber davon wissen. Man kann nicht einfach eine Frau eintragen, die man nett findet...

Wie sieht es denn inzwischen an der Beschwerdefront in Sachen Tickets aus?

Hohnen: Beschwerden halten sich sehr in Grenzen. Wie gesagt: Wir halten den Service-Gedanken hoch. Wir haben keine Beschränkungen bei den ermäßigten Karten, die gibt es für Berechtigte in allen Kategorien. Und wir haben das Hoffenheimer Modell abgelehnt: Dort bekommt man einen Platz angeboten. Den kann man annehmen oder ablehnen, und dann war´s das.

Wie muss man die Preisstaffelung im Vergleich zu wirklich vergleichbaren Klubs einordnen?

Hohnen: Es gibt kaum vergleichbare Parameter. Wir haben einen sehr hohen Stehplatzanteil. Und zum Schluss ist dann auch noch der Tivoli-Groschen dazu gekommen - eine Aachener Besonderheit zum Erhalt des traditionsreichen Stadion-Namens.

Ein Modell: Drei Fans aus Block M und zwei aus Block X wollen künftig nebeneinander stehen. Ist so etwas zu managen?

Hohnen: Das ist eine Frage der Kapazitäten. Die Fans können natürlich auch diesen Wunsch angeben. Und wenn genug Fans zum Beispiel in Sitzplatzbereiche wechseln, könnten auch solche Konstellationen funktionieren. Hier gibt es aber keine Kaufoptionen, wir müssen erst mal abwarten.

Wie sind die weiteren Abläufe?

Hohnen: Noch bis Samstag, 28. Februar, kann man eine Kaufoption für neue Sitzplätze erwerben. Die bisherigen Dauerkartenbesitzer sind ebenfalls alle angeschrieben worden. Anschließend versuchen wir, alle diese Wünsche umzusetzen. Im Frühjahr - wohl nicht vor Mitte April - starten wir dann den Verkauf für unsere Mitglieder. Sie sind die Ersten, die platzbezogene Karten kaufen können.

Gibt es künftig so etwas wie den Junior-Block für Aleminnis?

Hohnen: Der bisherige Juniorblock geht im Familienblock auf. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre können hierfür auch ohne Eltern Karten kaufen. Sie können natürlich auch verbilligte Einzelkarten für die anderen Blocks erwerben.

Ist die Einführung einer Tivoli-Card geplant?

Hohnen: In jedem Fall, sie wird aber voraussichtlich Alemannia-Card heißen. Auf seine Dauerkarte kann man dann auch Geld speichern, um sein Würstchen zu bezahlen. Wer ein Einzelticket für ein Spiel kauft, braucht dann eine separate Card für seine Einkäufe. Die gilt nicht für die Gäste-Fans, die auch mit Bargeld bezahlen können.

Wie funktioniert im neuen Tivoli die Eingangskontrolle?

Hohnen: Elektronisch. Die Tageskarten laufen mit Strichcode über einen Scanner, die Dauerkarten bekommen einen Chip, der von einem Lesegerät automatisch erkannt wird.

Wer wird denn die erste Karte fürs neue Stadion bekommen?

Hohnen: Das ist immer noch offen - es gibt aber schon verschiedene Vorschläge.

Und die wären?Hohnen: Abwarten...
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