Ein paar Emotionen zu viel: Alemannias nächste Heimenttäuschung

Von: Klaus Schmidt
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Ratlos wegen der Kölner Aggressivität: Alemannia-Kapitän Timo Staffeldt. Links Joy-Lance Mickels, der den Pfosten traf. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Fuat Kilic wollte auch am Tag danach „kein Riesending draus machen“ und es erst recht nicht als Teilbegründung für die Niederlage heranziehen. Doch über das Verhalten von Viktoria Köln im Rahmen des 1:0 auf dem Tivoli gegen Alemannia Aachen musste natürlich noch einmal gesprochen werden.

„Da wurden vehement Karten gegen unsere Spieler gefordert. Die gegnerischen Trainer waren mehr mit unserer Bank beschäftigt als mit dem Spiel, haben unsere Jungs beleidigt“, berichtete Aachens Chefcoach, der versucht hatte, die Emotionen einzudämmen mit den Worten an den Kollegen Marco Antwerpen, er solle endlich mal die Klappe halten. Anstatt souverän mit dem Erfolg umzugehen, setzte Viktoria nach dem Abpfiff vor nur 5600 Zuschauern noch einen drauf: Aus dem Lautsprecher im Kabinengang dröhnte ohrenbetäubend der offensichtlich zum Kölner Selbstverständnis gehörende Refrain „Auswärts sind wir asozial“.

Zweite Heimniederlage

Im Gegensatz zum ebenfalls heißen Spiel in Wuppertal, „wo wir uns hinterher die Hand gegeben und in die Augen geschaut haben“ (Kilic), herrschte Eiseskälte nach Alemannias zweiter Heimniederlage. „Wir haben leider durch eine Unachtsamkeit verloren“, sagte der Cheftrainer. „Aber ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat bravourös gespielt, Einsatzwillen gezeigt.“

Das Pendel in der Frage nach dem Ersatz für den gesperrten Necirwan Khalil Mohammad war zu Gunsten von David Pütz ausgeschlagen. In den Stunden vor dem Anpfiff muss dann am Tivoli aber ein Wunderheiler unterwegs gewesen sein: Kilic, der beharrlich bezweifelt hatte, dass es überhaupt zu einem Kaderplatz reichen würde, schickte den lange verletzten Joy-Lance Mickels erstmals ins Pflichtprogramm. Mit dem Schalker Zugang nutzte Alemannia den ersten Kölner Ballverlust zum Konter, Florian Rüter passte auf Philipp Gödde, der seinen Schuss jedoch etwas zu hoch ansetzte. Da war gerade mal eine Minute gespielt.

Es entwickelte sich eine muntere Partie mit Offensivszenen auf beiden Seiten. Alemannia-Keeper Pascal Nagel musste bei einem tückischen Distanzschuss von Viktoria-Kapitän Mike Wunderlich nachfassen (5.), sechs Minuten später zielte Dominik Ernst nach der ersten Ecke knapp am Pfosten vorbei. Und Mickels? Der wartete noch darauf, seine Schnelligkeit gewinnbringend einsetzen zu können. Der Schwung des Spiels nahm etwas ab, beide Abwehrreihen machten es den Offensiven schwer, in die wirklich gefährlichen Zonen vorzustoßen.

Bis zur 32. Minute passierte – nichts. „Beide Mannschaften haben sich neutralisiert“, sagte Kilic. Erst dann zog Wunderlich von der Strafraumgrenze ab, der Ball zischte über die Latte. Sieben Minuten vor der Pause folgte die Quittung für die nächste Unkonzentriertheit: Nach einem Einwurf stand Wunderlich blank und schob aus kurzer Distanz zur Kölner Führung ein. Erst kurz vor der Pause kam Dennis Dowidat in Position, die energische Rettungstat von Florian Heister reichte dem konsequent inkonsequent pfeifenden Schiedsrichter Alexander Busse allerdings nicht für einen Foulelfmeter.

56 Minuten dauerte es bis zum ersten bemerkenswerten Auftritt von Mickels, dessen Schuss abgefälscht und von Kölns Keeper Philipp Kühn spektakulär übers Tor gelenkt wurde. „Leider hat uns das Quäntchen Glück gefehlt“, sagte der Debütant. „Nach der Roten Karte hatten wir das Spiel komplett unter Kontrolle. Schade, dass wir so verlieren.“

Alemannias Hoffnung war gewachsen, David Jansen sah nach einer Stunde für seinen rustikalen Einstieg gegen Timo Staffeldt glatt Rot. „Man sieht jeden Stollenabdruck auf Timos Knie“, berichtete Kilic, auch Dominik Ernst und Dennis Dowidat trugen Spuren aus dem Spiel davon (Prellungen).

Mickels drehte jetzt auf, traf nur den Pfosten (66.), sein Tor wurde wegen Foulspiels nicht gegeben. „Wir haben in der zweiten Halbzeit alles gegeben und hätten den Sieg verdient gehabt“, sagte der starke Nils Winter. Doch wieder kostete eine Unachtsamkeit Punkte. Aus dem oberen Tabellendrittel hat sich Alemannia zunächst einmal verabschiedet.

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