Ein letztes Feuerwerk zum Tivoli-Abschied

Von: Christoph Pauli
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Doppel-Pack: Alemannias Mirko Casper und Werder-Profi Naldo (vorn) beim Versuch, Halt(ung) zu bewahren. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Um kurz vor 21 Uhr wurden 16,056 Wunderkerzen angezündet. So war es 1957, als am Tivoli die Flutlichtanlage gegen Espanyol Barcelona eingeweiht wurde. An diesem Abend stand nun der allerletzte Abschied an, das alte Gemäuer hat nach 2216 Spielen für die Profis ausgedient. An diesem stimmungsvollen Abend erlebte der alte Kasten den 1300. Sieg.

Aachen besiegt Werder Bremen mit 3:2. Das Flutlicht ist an, das Fernsehen da, der Gegner prominent - aus diesen Zutaten hat der Zweitligist schon immer viel gemacht.

Der Bundesligist, der in der Startformation ausnahmslos Nationalspieler aufgeboten hatte, erlebte ein kleines gelb-schwarzes Wunder. Die Aachener nehmen ausreichend Rückenwind mit in die neue Saison und die neue Spielstätte.

Ein Ex-Aachener fiel als erster auf. Bremens zotteliger Anführer Torsten Frings, der seine Karriere hier begonnen hat, prüfte Thorsten Stuckmann aus der Ferne. Keine große Herausforderung für Aachens Keeper.

Kollege Tim Wieses patzte dagegen eindrucksvoll bei seinem ersten Einsatz, eine Flanke von Achenbach legte er mit dem Fäustchen Szilard Nemeth vor. 16 Meter, leeres Tor, solche Gelegenheiten nutzt der agile Slowake auch mit Augenklappe.

Der Pokalsieger reagierte mit Weitschüssen. Nicht immer stimmte die Defensiv-Staffelung der Aachener, doch Bremens Beute war gering. Özil traf lediglich den Pfosten (22.).

Alemannia war der Herausforderung gewachsen. Die jungen Männer sind alle etwas müde in dieser Phase der Vorbereitung, da bietet sich an, lieber den Ball laufen zu lassen. Also legte Milchraum den enorm fordernden Thorsten Burkhardt auf. Der einzige Neuzugang in der Startformation scheiterte an Tim Wiese (31.).

Der alte Tivoli bekam aber noch ausreichend Anlass zum Schmunzeln. Florian Müller schlängelte sich an Naldo vorbei, und wieder war Wiese geschlagen: 2:0 nach 44 Minuten. Eine Minute später wurde die Blamage größer. Auer schlenzte den Ball aus 16 Meter in den Winkel.

Noch ein Abschied stand an, Millionenjunge Lewis Holtby bekam in der Pause einen letzten Blumengruß vom Ex-Verein überreicht. Sein eingewechselter „Zwilling” Marko Marin erzielte nach 52 Minuten das 3:1, Kollege Sanogo verkürzte nach 83 Minuten zum 3:2. Es war Treffer Nummer 8732, ein historischer. Der letzte.

„Es ist schade, dass es solche Arenen nicht mehr gibt”, sagte Bremens kaum verärgerter Trainer Thomas Schaaf, der hier als Spieler schon manche Schlacht erlebt hat. „Aber hier entsteht wieder etwas sehr Neues, und vielleicht kann man die Atmosphäre mit hinübernehmen.”

Sein Kapitän Thorsten Frings kam als Letzter aus der vertrauten Kabine. „Hier ist alles noch so eng wie früher”, grinste er. Der 32-Jährige packte noch ein paar Erinnerungen mit ein. „Hier hat alles für mich begonnen.”

Der Rest war Abschied: „Auf Wiedersehen am 17. August”, diese Botschaft trug die Mannschaft auf ihrer letzten Ehrenrunde durchs Stadion. „Ab jetzt steigt die Vorfreude”, sagte Aachens Trainer Jürgen Seeberger.

Aachen: Stuckmann - Casper (71. Junglas), Szukala, Olajengbesi, Achenbach - Müller, Fiel, Burkhardt (84. Kratz), Milchraum (71. Lasnik) - Nemeth (84. Özgen), Auer (60. Oussalé)
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