Berlin - Ein Heimspiel? Oder doch ein Auswärtsspiel?

Ein Heimspiel? Oder doch ein Auswärtsspiel?

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Bärenstark: Alemannias Innenverteidiger Thomas Stehle (links) räumt hier gegen den Berliner Raffael ab. Foto: dapd

Berlin. Am Morgen danach tropfte aus den Berliner Tageszeitungen zum ersten Mal in dieser Saison Kritik an Hertha BSC heraus. „Am stärksten waren die neuen Lautsprecher”, unkte der „Tagesspiegel”.

Die in die 2. Liga strafversetzten Berliner kamen nicht sonderlich gut weg, nachdem sie erstmals ein Heimspiel nicht gewonnen haben, auch wenn sie trotz des 0:0 gegen Alemannia Tabellenführer bleiben. Die Berliner Medien reagiert verwundert auf Aachens mutigen Auftritt im altehrwürdigen Stadion. „Die Alemannia entpuppte sich als gelbe Gefahr”, beobachtete die Berliner Zeitung aus der Ferne. „Aachen war richtig gut aufgestellt”, beobachtete Herthas Verteidiger Christian Lell aus der Nähe.

Die Gäste hatten den selbstbewussten Tönen vor der Partie Taten folgen lassen. Erfreulicherweise macht das Team keinen Unterschied zwischen Tivoli- und Auswärtspartien. So sind nicht viele Teams in der 2. Liga unterwegs.

Den nächsten spielstarken Auftritt bekamen dank der Montagsbühne diesmal ein paar Zuschauer mehr mit. Und prompt musste sich Peter Hyballa am Ende des gerade einmal 7. Spieltags fragen lassen, wie denn sein weiterer eigener Karriereplan aussehe. Der mit Vorliebe selbstbewusste Trainer nahm den unerwünschten Steilpass nicht auf und verzichtete darauf, auf sich aufmerksam zu machen.

Wütende Haushunde

Das macht gerade seine Mannschaft in durchaus überzeugender Art und Weise. Diese Gruppe mit dem „kleinsten Trainerteam der Liga” (Hyballa) ist erst seit gut drei Monaten zusammen. In kurzer Zeit hat sie eine Idee erarbeitet, an der sie auch bei größeren Herausforderungen festhält. „Ich will, dass die Leute über uns reden”, sagt Hyballa.

In Berlin stürzten sich seine Spieler auf den Gegner wie der wütende Haushund auf den Postboten - jederzeit bereit zuzuschnappen. Hertha kam mit der Aggressivität nicht klar, gab ihre Spielidee schnell auf und versuchte alsbald nur noch das Mittelfeld mit langen Bällen zu überwinden.

„Aachen hat uns permanent wehgetan”, urteilte Herthas Trainer Markus Babbel am Ende des Abends, „und deswegen bin auch einmal mit nur einem Punkt zufrieden.” Sein Starensemble hatte keine fußballerischen Antworten gegen Alemannias Bubis parat. Nervosität hatte sich vor dem bislang größten Spiel der meisten Profis nicht in der Kabine eingenistet. „Die Vorfreude hat dominiert, wir wollten gegen die vermeintlich stärkste Mannschaft der Liga weiterhin unbekümmert auftreten”, analysierte Innenverteidiger Thomas Stehle, der ohne jedes Foul auskam und dessen fünfte Gelbe Karte noch warten muss.

Aachens Aufwand war auch diesmal groß und gemessen daran, war der Ertrag eher unbefriedigend. „Uns fehlt vorne die Durchschlagskraft”, beobachtete Keeper David Hohs aus weiter Ferne, der seit 200 Minuten nicht mehr überwunden wurde. Ein gutes Dutzend scharfer Flanken fanden keinen Abnehmer. Aachen holte sich auch diesmal die mögliche größere Belohnung nicht ab, so dass Manager Erik Meijer bilanzierte: „Ein Punkt ist zu wenig.”

Seine Mannschaft muss sich die Tore erarbeiten, die prominenter besetzten Teams mit deutlich höherem Etat leichter fallen. Und doch war das Remis eine weitere Bestätigung für den in der Not eingeschlagenen Weg.

„Das Spiel war Werbung für unseren Kartoffelkäferklub”, sagte Hyballa und grinste dabei, als habe er soeben im Bauch des riesigen Olympiastadions einen Heiratsantrag erhalten. „Unsere kleinen Pitbulls haben leidenschaftlichen Offensivfußball gezeigt. Darauf bin ich stolz.”

Aachen ist mit einer Mannschaft unterwegs, die auch in der Ferne beklatscht wird. Nun hofft Erik Meijer, dass in der Heimat wieder ein paar Fans mehr das junge Team begleiten. „Die Mannschaft zeigt einen Fußball zum Angucken. Das gab es ja nicht immer in den letzten Jahren.”
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