Ehemaliger Insolvenzverwalter: „Lieber ein starker regionaler Partner“

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Mann der deutlichen Worte: Rolf-Dieter Mönning hat eine klare Meinung zur Entwicklung von Alemannia Aachen.

Aachen. Vor gut zwei Jahren ist Rolf-Dieter Mönning als Alemannias Insolvenzverwalter vom Hof gegangen. Fan ist er geblieben, und eine pointierte Meinung über die weitere Entwicklung des Vereins und einen möglichen Einstieg von Investoren hat er ohnehin.

Sind Sie noch Alemannia-Fan?

Mönning: Ich bin jetzt Privat-Mann und unverändert Fan.

Sie haben am Ende des Verfahrens angedeutet, dass Sie sich die Mitarbeit in einem Gremium vorstellen können. Was wurde aus dem Angebot?

Mönning: Darauf ist man nicht zurückgekommen. Das ist der Alltag, dass man den ehemaligen Insolvenzverwalter nicht mehr gerne sieht. Viele Mitarbeiter haben eine emotionale Bindung und schwärmen vom Zusammenhalt in der Insolvenzzeit. Das finden die neuen Geschäftsführer selten toll.

Am Ende der Insolvenz tauchte bereits das strukturelle sechsstellige Defizit auf, das inzwischen einen gewissen Berühmtheitsgrad besitzt. Warum hat man diese Unterdeckung nicht in der Insolvenzzeit ausgeglichen?

Mönning: Ein „strukturelles Defizit“ ist betriebswirtschaftlicher Unfug. Schließlich entscheide ich selbst mit meinen Planzahlen wie es läuft. Wenn ich den Begriff dafür verwende, dass ich den Haushalt nicht gedeckt bekomme, hat das nichts mit der Struktur zu tun. Wenn die Einnahmen nicht so wie gedacht sind, muss ich die Einnahmen und meinen Plan entsprechend anpassen.

Es bleibt aber dabei, dass die Verantwortlichen einen Fehlbetrag von einigen hunderttausend Euro übernommen haben, die sie bis heute nicht ausgleichen können.

Mönning: Ich kenne die Zahlen nur aus der Zeitung. Und das klingt mehr nach operativen Verlusten. Ich habe da eine Handhabe, könnte Gehälter kürzen, das Nachwuchsleistungszentrum schließen oder preiswertere Spieler holen.

War Ihr Mandat aus Ihrer Sicht damals beendet oder wurden Sie gedrängt, möglichst schnell vom Hof zu gehen?

Mönning: Im Rückblick: Alemannia war im Insolvenzplanverfahren. Wir wollten das Verfahren mit einem Sanierungsplan bis zum Saisonende abschließen. Diese Planung sollte einen Wiederaufstieg zu besseren Zeiten ermöglichen, davon hatte ich mein Mandat auch abhängig gemacht. Es gab einen Fünfjahresplan, nach dem spätestens 2017/18 Alemannia ein ernsthafter Aufstiegsaspirant sein sollte.

Bis 2020 sollte gar die 2. Liga angepeilt werden. Das musste damals aus eigener Kraft geschultert werden. Die Planung führte zu einer Unterdeckung von 350.000 Euro. Ich habe die Gläubigerversammlung von dieser Planung überzeugen können. Am Ende der Saison wäre das Defizit dann aus den Mitteln der Insolvenzmasse ausgeglichen worden.

Warum kam es anders?

Mönning: Alemannia hatte das Glück, dass der Vermarkter Infront bereit war, 1,4 Millionen Euro Sponsoreneinnahmen zu garantieren. Das war ein Pfund. Das Geld war an Bedingungen geknüpft. Infront wollte so schnell wie möglich raus aus dem Insolvenzverfahren. Andernfalls hatte das Unternehmen ein Rücktrittsrecht zum 1. April 2014.

Die neuen Verantwortlichen mussten diesen Zielkonflikt lösen. Wenn ich ein Verfahren mitten in der Saison beende, muss ich Kasse machen und die Gläubiger bedienen. Aachen musste das letzte Viertel der Saison also neu planen, und aus dieser Phase taucht der Begriff auf, der mit der Struktur überhaupt nichts zu tun hat.

Nach Ihrer Schilderung waren die Folgen des vorzeitigen Insolvenz-endes keine Überraschung?

Mönning: Nein sicher nicht. Intern ist das besprochen worden. Es war ja auch nachvollziehbar, dass die Handelnden nicht den Ausstieg von Infront riskieren wollte. Man hat damals auch darauf gesetzt, dass einige vollmundige Versprechungen eingelöst würden von Leuten, die sich nach einem Ende der Insolvenz angeblich sofort wieder engagieren wollten. Das Verfahren zum 31. März zu beenden, war eine Sturzgeburt, die das Amtsgericht erst auch nicht wollte. Wir haben etwas gegen unsere Überzeugung gehandelt.

Ist Alemannias Entwicklung ein üblicher Werdegang nach einem Verfahren?

Mönning: Das ist schwer zu sagen. Natürlich gab es damals die Annahme, dass es aufwärts geht, wenn erstmal die Insolvenzleute vom Hof sind. Sanierungsprofis wissen, dass es anders ist: Die Anwesenheit sollte zur Konsolidierung unter Insolvenzbedingungen genutzt werden.

Sind Sie zufrieden, was aus Ihrem Verein wurde?

Mönning: Als Fan sage ich, dass wir doch überraschend in der Saison unter Peter Schubert plötzlich aufsteigen konnten. Mir war aber klar, was passiert, als man ihm Alexander Klitzpera vor die Nase gesetzt hat.

Sie haben neulich bei der Fan IG erzählt, dass Klitzpera sich auch zu Ihrer Zeit ins Gespräch gebracht hat.

Mönning: Er hatte sich vorgestellt, aber es gab keine Verwendung. Außerdem war bekannt, dass das Verhältnis zwischen Klitzpera und dem damaligen Co-Trainer Reiner Plaßhenrich sehr kompliziert war. Ich bin auch später nicht mehr gefragt worden, als er eingestellt wurde. Mir war aber klar, dass das schief geht.

Haben Sie noch irgendeine Ambition bei Alemannia?

Mönning: Das geht nicht, auch wenn Leo Führen mich jahrelang darum gebeten hat. Mein Beruf ist konfliktträchtig, ich bin ziemlich vielen Leuten berufsbedingt auf die Füße getreten.

Würden Sie als Insolvenzverwalter noch einmal zur Verfügung stehen?

Mönning: Man sollte den Fall mit aller Kraft in Aachen verhindern. Da sind wirklich alle aufgefordert, die Aachen nicht zur Sportprovinz verkommen lassen wollen. Ich habe damals angeregt, eine Partnerschaft mit der Wissenschaft zu begründen. Es gab die erfolgversprechende Verbindung zu Street Scooter und Professor Schuh.

Derzeit gilt als letzter Rettungsanker der Einstieg von externen Sponsoren.

Mönning: Ich würde differenziert antworten wollen. Eine Investorenlösung ist nicht per se schlecht. 1986 ist Egon Münzenberg mit 12 Millionen Mark bei Alemannia eingestiegen. Als er wirtschaftliche Probleme bekam, schlugen die auf den Verein durch. Mir würde für Alemannia ein starker regionaler Partner vorschweben. Alles andere halte ich für eher problematisch.

Haben Sie den Eindruck, dass es hier nicht viel verbrannte Erde gibt?

Mönning: In der Saison unter Peter Schubert gab es plötzlich so einen Aufbruch. Er ist leider genauso schnell wieder versandet, weil das Publikum immer wieder enttäuscht wird. Ich kenne aber ein paar Leute, die wieder dabei wären, wenn sie eine Linie erkennen könnten.

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