„Die meinen, mit 21 die Größten zu sein”

Von: Klaus Schmidt
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Keiner steht so für Alemannia
Keiner steht so für Alemannia und Zweite Liga wie er: Jo Montanes, hier als Kapitän in einer Szene im November 1984. Foto: imago/Kicker/Liedel

Aachen. Am Sonntagmittag ist er - „auf dem Tivoli!” Zwar besitzt Jo Montanes mittlerweile eine Dauer-Ehrenkarte, der Verein hat ihn sogar in den Ältestenrat berufen, doch diesmal folgt der 58-Jährige einer besonderen Einladung aus gegebenem Anlass.

Zum 1000. Mal tritt Alemannia Aachen, als erster Klub, in der Zweiten Liga an. Montanes stand in nahezu der Hälfte dieser Spiele, 479 mal, als kompromissloser Verteidiger auf dem Platz. Ein Gespräch mit dem gebürtigen Spanier über Gestern und Heute.

Wie war das damals, 1974, als die Regionalliga abgeschafft und die Zweite Liga eingeführt wurde?

Montanes: Da spielten bessere Mannschaften. Es war ein gewaltiger Unterschied in der Qualität, und er wurde noch größer, als 1981 die eingleisige Zweite Liga kam. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, ich habe alles miterlebt - den Klassenerhalt am letzten Spieltag 1978 in Herford und den Aufstiegskampf.

Sie standen 17 Jahre lang bei Alemannia unter Vertrag. Wollten Sie nie weg?

Montanes: Ende der Siebziger Jahre war ich zum Probetraining bei Betis Sevilla. Der Wechsel platzte, weil Geschäftsführer Bert Schütt 200.000 Mark Ablöse forderte. Und bei Fortuna Köln war ich mal, bei Jean Löring. Da ging es nicht ums Geld. Für mich war entscheidend, lieber vor 20.000 als vor 3000 Zuschauern zu spielen. Gut, dass es so gekommen ist. Auf meine Bilanz kann ich stolz sein.

Die wird wohl kaum jemand mehr erreichen.

Montanes: Heute gibt es eine andere Einstellung. Es geht ums Geld, jeder Spieler hat einen Berater - und der will alle zwei Jahre an einem Transfer verdienen.

Was war Ihr bestes Spiel?

Montanes: Beim 4:1 gegen den SC Herford. Da habe ich aus 20 Metern ein wunderbares Tor geschossen. Den Schlusspfiff habe ich allerdings nicht mehr auf dem Platz erlebt. Mein Gegenspieler hatte mit dem Ellenbogen geschlagen, da musste ich mich mal kurz umdrehen . . .

Ihr unangenehmster Gegenspieler?

Montanes: Frank Mill - wenn wir bei Rot-Weiß Essen gespielt haben. Der hat mich immer verarscht. Aber auf dem Tivoli war ich dann der Gewinner.

Der „schrägste Vogel” unter den Mannschaftskollegen?

Montanes: Rolf Kucharski war einer für sich. Wir spielten mal dienstags oder mittwochs in Dortmund, alle suchten „Rolli”. Nach drei, vier Tagen war er wieder da. Leider ist er schon verstorben.

Wer war Ihr bester Trainer?

Montanes: Werner Fuchs und vor allem mein erster Trainer 1972, Barthel Thomas. Der arbeitete gerne mit jungen Spielern, da habe ich unheimlich viel gelernt.

Und welcher Trainer war der schlechteste?

Montanes: Da könnte ich fünf, sechs nennen. Aber das lasse ich sein.

Sie sind nie aufgestiegen . . .

Montanes: . . . leider . . .

. . . aber auch nie abgestiegen. 1990, ein Jahr nach Ihrem Karriereende, verschwand Alemannia dann erst mal zu den Amateuren.

Montanes: Da kann man sehen, wie wertvoll ich für die Mannschaft war . . .

Warum haben Sie vor fünf Jahren auch als Trainer aufgehört?

Montanes: Wegen der Einstellung der Spieler. Die meinen, mit 21 die Größten zu sein. Da bin ich fehl am Platze. Ob Profi- oder Kreisliga: Das ist mit Arbeit verbunden, da mache ich für den Verein alles. So war ich früher, das werde ich wohl mit ins Grab nehmen.

Wären Sie gerne in der heutigen Zeit Fußballprofi?

Montanes: Ja klar! Etwas Schöneres gibt es nicht, du hast Beruf und Hobby in einem. Super Stadion, super Trainingsmöglichkeiten, super Fans - was brauchst du mehr?

Schafft Alemannia den Klassenerhalt?

Montanes: Ja, davon bin ich überzeugt. Die Mannschaft hat zwar in Bochum leider einen Punkt vergeben. Aber sie ist auf dem richtigen Weg.
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