Aachen - Der Spitzenreiter zeigt der Alemannia die Grenzen auf

Der Spitzenreiter zeigt der Alemannia die Grenzen auf

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
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Auf dem Weg 0:2: Gladbachs Kwame Yeboah (links) allein vor Aachens Keeper Pascal Nagel. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. „Schon beim Anstoß, als zwei meiner Spieler sich fast gegenseitig behinderten, habe ich gemerkt, dass einige in der Mannschaft wibbelig sind.“ Fuat Kilics Befürchtungen sollten sich Sekunden später bewahrheiten.

Minute 1 – und die Alemannia lag zurück, 0:3 stand es am Ende einer blutleeren ersten Hälfte. „Danach hat meine Mannschaft aber Charakter gezeigt“, war die 2:4 (0:3)-Niederlage gegen den ungeschlagenen Regionalliga-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach II fast versöhnlich.

Es war das Duell der – neben dem BVB II – besten Defensiven, davon war aber auf Aachens Seite wenig zu sehen: Anstoß durch die Alemannia, Ballverlust, die Borussia kontert, Michel Lieder setzt sich rechts durch, flankt, und Kwame Yeboah erzielt per Kopf freistehend aus fünf Metern das 1:0. Die Aachener reagierten geschockt, agierten fortan wie das Kaninchen vor der Schlange. Freistehend kam Jerome Propheter (7.) nach einer Ecke von Dennis Dowidat nicht an den Ball, der folgende Distanzschuss von Dominik Ernst ging weit übers Gehäuse – das war es mit Aachens Offensivaktionen bis kurz vor dem Pausenpfiff. Mönchengladbach dagegen drängte, wirkte locker wie in einem Testspiel. Zumindest an diesem grauen Nachmittag war der Spitzenreiter eine Klasse zu stark für die Schwarz-Gelben, die ihre Grenzen aufgezeigt bekamen.

Das unterstrich auch das 2:0 (16.): Yeboah konterte, Aachens Keeper Pascal Nagel, der weit herausgekommen war, stoppte den Ball noch, doch der Abpraller rollte Yeboah vor die Füße, der lässig ins leere Tor schoss. Noch übler sah das 0:3 sieben Minuten später aus: Rechts hatte sich Thomas Kraus durchgesetzt, sein präziser Pass fand Mike Feigenspan, der aus der Drehung erhöhte. Ohne jegliche Gegenwehr, Aachens Defensive wirkte wie Statisten im eigenen Strafraum. Und selbst Nagel bewegte sich nicht.

Die Gäste hielten den Ball zunehmend in den eigenen Reihen – und die Aachener schienen nur auf Schadenbegrenzung aus zu sein. Allein Mergim Fejzullahu (39.), der auf der linken Seite den Vorzug vor Tobias Mohr bekommen hatte, versuchte es mit einem schnellen Konter über rechts, doch Florian Rüter – statt wie zuletzt Ryo Suzuki zentraler Stürmer in Aachens 4-2-3-1-System – kam bei seiner Flanke um Zentimeter zu spät.

„Die erste Hälfte war eine Katastrophe“, gab Jerome Propheter später offen zu. Sein Coach reagierte, wechselte offensiv, für Necirwan Khalil Mohammad kam nach der Pause Philipp Gödde, für Jannik Löhden Tobias Mohr. Und das brachte Schwung ins Spiel der Aachener, die nun endlich die Zweikämpfe suchten und zunehmend mehr Aggressivität auf den Platz brachten. Der Spitzenreiter zog sich dagegen zurück, verlegte sich aufs Kontern. „In der zweiten Hälfte konnten wir das Tempo nicht mehr so hoch halten und die langen Bälle von Aachen nicht mehr verhindern“, so Gladbachs Trainer Arie van Lent.

Nun hatten die Gastgeber mehr Räume und nutzten sie. Nach einer Ecke von Dennis Dowidat verkürzte Gödde (57.) per Kopf. Und nur fünf Minuten später brachte die Gladbacher Defensive einen Freistoß von Dowidat nicht aus dem Strafraum – Rüter (62.) knallte den Ball unter die Latte: nur noch 2:3. Nun lag sogar der Ausgleich in der Luft, doch dann umkurvte Feigenspan (67.) unbedrängt die Aachener, die in Überzahl waren, wie Slalomstangen und schob zum 4:2 ein. Die Luft war raus – und doch hätte Aachen noch verkürzen können. Mohr spielte sich auf links frei, schoss präzise auf Rüter, doch der eingewechselte Daniel Hammel setzte den Ball mit der Fußspitze vorbei.

„Nach den ersten 45 Minuten muss man über das 2:4 fast glücklich sein. Ich will es nicht ,Arbeitsverweigerung‘ nennen, aber das ist schon eine Qualitätsfrage“, beschönigte Kapitän Timo Staffeldt nichts. „Wir hätten die Räume früher zustellen müssen, mussten präsenter sein, mehr Zugriff haben, so wie in der zweiten Hälfte“, zählte Kilic die Fehler auf. „Wir hatten die Chance zum Ausgleich. Mönchengladbach war brutal effektiv, machte aus vier Chancen vier Tore.“

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