Karlsruhe - Der „Klenkes” feiert sein Comeback

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Der „Klenkes” feiert sein Comeback

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Boy Waterman kugelt sich den k
Boy Waterman kugelt sich den kleinen Finger aus: Die Verletzung „reparierte” Aachens Keeper selbst - und bewahrte später seine Mannschaft vor einem drohenden Gegentreffer. Foto: GES.

Karlsruhe. Der „Klenkes” ist in der Region ziemlich aus der Mode gekommen. Als es noch Nadelfabrikgen gab, wurden mit dem kleinen Finger der rechten Hand fehlerhafte Nadeln aussortiert, sprich „ausgeklinkt”. Am Samstagnachmittag gegen 14.30 Uhr feierte der „Klenkes” ein schönes, wenn auch fast unbemerktes Comeback in Karlsruhe.

Bei einer missglückten Faustabwehr hatte sich Boy Waterman den kleinen Finger ausgekugelt. Der Keeper renkte den „Klenkes” selbst wieder ein, um danach sein Team mit einer phantastischen Parade in der Spur zu halten. Auch seine Mannschaft ist dabei, ein paar Dinge wieder einzurenken.

Beim Karlsruher SC gelang ein 2:0-Erfolg, am vorletzten Spieltag der Hinrunde ein erster Coup der Aachener. „Das war ein Weckruf für alle Menschen, denen Alemannia am Herzen liegt”, ordnete Trainer Friedhelm Funkel ein. Zwei Heimspiele (gegen 1860 München und Aue) folgen nun, das Team hat sich fest verabredet, das verkorkste Fußballjahr mit Siegen noch aufzuhübschen.

Am Anfang steht ein Fehlpass

Eine Frage war unbeantwortet geblieben vor dem Spiel: Wie hat Boy Waterman seine Pannen-Partie der Vorwoche verkraftet? Die Antwort des Keepers fiel beim Ausflug zum Karlsruher SC sportlich eindrucksvoll aus. Und auch verbal hielt er für alle Zweifler eine Antwort von nahezu fernöstlicher Klarheit bereit: „Ich bin doch Boy.” Kann man es schöner sagen? Im kleingedruckten Anhang bedeutet das wohl, dass ein so erfahrener Keeper sich von solchen Patzern nicht aus der Spur bringen lässt.

All die guten Vorsätze wären in Karlsruhe schon nach 150 Sekunden fast wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Tobias Feisthammel spielte einen unfassbaren Rückpass auf seinen Torwart, den KSC-Stürmer Klemen Lavric mühelos abfing. Der Slowene machte die Großchance mit einer fehlerhaften Ballannahme zunichte, ließ sich abdrängen, so dass Waterman den frühen Rückstand verhindern konnte. „Diese Dinge dürfen einfach nicht passieren”, tobte Funkel am Spielfeldrand.

Nach dieser frühen Eselei zog wieder die Unsicherheit auf. Die KSC-Führung lag schnell in der Luft, Aachen zog sich mutlos zurück. Sebastian Schiek schlug ein gullydeckelgroßes Luftloch im Fünfmeterraum (4.), dann vergab der Mittelfeldspieler volley vom Elfmeterpunkt aus (16.). Alemannia spielte mit dem Feuer, kassierte viele Freistöße, die fast immer mit Gefahr verbunden waren, weil die Zuordnung eher flüchtig war. Waterman musste einen Kopfball von Dennis Kempe abwehren (21.), dann knallte Steffen Haas einen Rückpass am Tor vorbei (23.).

11.818 Zuschauer beobachteten zwei Teams im Land der Fehler. Vermutlich wäre es die bessere Idee gewesen, die Gastgeber unter Druck zu setzen. Schon bei ersten zaghaften Ausflügen führte die hölzerne KSC-Abwehr vor, zu welchen Kapriolen sie im Stande ist.

Alemannia arbeitete sich mit Verspätung in die Partie. „Wir haben inzwischen eine sehr erfahrene Mannschaft, die mit Druck umgehen kann”, resümierte Sergiu Radu. Die Zuversicht stieg, als KSC-Keeper Luis Robles eine Ecke von Timo Achenbach präzise vor die eigene Torlatte faustete (31.). Die Belohnung kam dann aber unverhofft. Nach einer Hereingabe von Kim Falkenberg staubte Sergiu Radu zum 1:0 ab (36.). „Ich habe das gemacht, was zu machen war”, stellte er später fest. Sätze, die man auch schon von John Wayne gehört hat. Es war sein dritter Treffer im dritten Spiel in Serie.

Die Mannschaft des neuen Trainer Jörn Andersen verlor die Ordnung, gewann keine zweiten Bälle mehr, lief der Musik hinterher. Aachen hätte schnell den Stecker ziehen können, aber die Mannschaft schluderte mit ihren Möglichkeiten und ihren Freiräumen.

Auer setzte einen Kopfball knapp neben das Tor (56.), Yabo traf nach einem Solo nur das Außennetz (61.). Die Partie blieb unnötig spannend, so dass Waterman noch zum Mann des Spiels wurde. In der entscheidenden Phase rettete er mit zwei prächtigen Paraden gegen Hoheneder (76.) und Fink (81.) die Führung.

Die letzten Minuten zogen auf, und die Blicke gingen zur Stadionuhr. „Die letzten Minuten vergingen so furchtbar langsam”, argwöhnte nicht nur Kim Falkenberg. Zu oft hat sich Alemannia in dieser Phase die Beute entreißen lassen. Diesmal hatte die Geschichte ein Happyend. Nach einem Konter über den eingewechselten Odonkor staubte Benny Auer ab zum 2:0 (86.). „Endlich haben wir mal den Matchball verwandelt”, freute sich Manager Erik Meijer. Seine Mannschaft hat schon deutlich besser auswärts gespielt - und verloren.

„Und da macht sogar Busfahren wieder Spaß”, grinste der energische Verteidiger Kim Falkenberg nach dem ersten Auswärtssieg der Saison. Vermutlich war es eine gute Idee, während der vier Stunden die Tabelle auf den Bildschirmen im Bus zu zeigen: Erstmals seit Monaten weist sie Alemannia als 15. aus: ein erstes Schrittchen aus dem Tabellenkeller.
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