Larnaca/Aachen - Der besondere Tag im Leben von Olajengbesi

Der besondere Tag im Leben von Olajengbesi

Von: Roman Sobierajski
Letzte Aktualisierung:
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Spaßvogel: Seyi Olajengbesi. Der Nigerianer hat als Alemannias Abwehrchef eine überragende Hinrunde gespielt. Foto: Peter Aswendt

Larnaca/Aachen. Der 1. Februar wird ein ganz besonderer Tag werden im Leben von Seyi Olajengbesi - und das gleich in zweifacher Hinsicht. Der 28-Jährige wird seine Frau und seinen zweijährigen Sohn in die Arme nehmen können. Ihnen das gemeinsame Haus in Aachen zeigen und mit seiner Familie, die endlich aus Afrika nachkommt, wieder zusammen sein.

Dass der Innenverteidiger überhaupt Zeit hat dafür, kennzeichnet die zweite Besonderheit dieses 1. Februar: „Ola”, wie er im Mannschaftskreis nicht nur gerufen wird, wenn es auf schnelle Verständigung ankommt, ist gelb-gesperrt und wird das erste Rückrunden-Spiel der Alemannia beim SV Wehen Wiesbaden nicht mitmachen dürfen. Erstmals seit dem 14. März 2008 steht der Nigerianer nicht in der Startformation bei einem Meisterschaftsspiel, 30 Einsätze, Pokal inklusive, in Folge - nur ein einziges Mal wurde er ausgewechselt.

Doch der Reihe nach: Die Zusammenführung der Familie ist wohl das einzige Mittel gegen die „afrikanische Krankheit”, die so manchen Spieler vom Schwarzen Kontinent schon befallen hat. Tausende Kilometer von zuhause entfernt, fremde Kost, ungewohnte Temperaturen, allein in einem zunächst unbekannten Land, getrennt von den Freunden und der Familie - Melancholie. „In den ersten zwei Wochen in Freiburg habe ich fünf Kilo abgenommen”, erinnert sich die 1,92 Meter große „Tanne” an den schweren Start in Deutschland.

Doch auch die wechselvolle sportliche Karriere beim SC Freiburg machte dem Abwehr-Recken zu schaffen: Nach den Anlaufschwierigkeiten spielte Olajengbesi zunächst eine gute Saison im Breisgau, wurde dann durch einen Kreuzbandriss zurückgeworfen, kämpfte sich wieder heran, wurde unter dem neuen Trainer Robin Dutt im ersten Saisonspiel nach 58 Minuten ausgewechselt - und nie wieder aufgestellt. „Der Trainer hatte mir erklärt, dass er mit anderem Muster spielen will und ich nicht dazu gehöre”, beschreibt der 28-Jährige seine „Ausmusterung” beim Sportclub.

Ein Anruf bei Volker Finke genügte: Der Ex-Trainer setzte sich mit Jörg Schmadtke in Verbindung, Alemannia Aachen lieh den Nigerianer zunächst aus und verpflichtete ihn dann endgültig mit einem Vertrag bis 2010. Ein Schritt, den Olajengbesi nicht bereut hat: „Mit Aachen habe ich die große Chance, in der kommenden Saison, wenn das neue Stadion fertig ist, in der Bundesliga zu spielen. Jeder Fußballer möchte das, mein großer Traum ist es auch”, meint „Ola”, der in die Führungsrolle in der zentralen Defensive hineingewachsen ist.

Wobei zwei Mal pro Woche Deutsch-Unterricht sicher auch geholfen haben, wenn klare Kommandos von dem stillen Spieler gefragt sind. Denn am zweiten Rückrunden-Spieltag wird der Nigerianer wieder das Kommando im Abwehrzentrum übernehmen, entweder an der Seite von Lukasz Szukala, mit dem er bereits die größte Innenverteidigung der Zweiten Liga bildete, oder neben Hrvoje Vukovic. „Ich habe bereits mit beiden gespielt, damit habe ich keine Probleme.”

Keine Probleme hat er auch mit der neuen Rolle, die ihm Trainer Jürgen Seeberger abverlangt. Das Hin- und Hergeschiebe durch die Abwehrreihe, das noch zu Saisonbeginn den Spielaufbau der Alemannia extrem langsam gemacht hatte, soll der Vergangenheit angehören, stattdessen der Ball schnell und vertikal zu Matthias Lehmann oder Cristian Fiel gespielt werden, um das Umschalten zu beginnen. „Das haben wir im Training immer wieder geübt, ich fühle mich wohl damit”, erklärt der vierfache Nationalspieler, bei dem die Verbandelung zwischen Freiburg und Aachen nicht abzureißen scheint. Der Wechsel von Andreas Bornemann auf die Position des Sportdirektors in Aachen war nur das nächste Steinchen.

Das neue Stadion, die Beantwortung der neugierigen Frage nach dem Aufstieg, die einen Blick provoziert, der keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Prognose lässt, und die Punktejagd in der Rückrunde liegen noch weit in der Zukunft. Viel weiter jedenfalls als die Ankunft der kleinen Familie am 1. Februar.

„Den Vorsprung müssen wir über die Zeit bringen”

In allerletzter Minute musste Alemannia beim Auftaktspiel zum „Love Cyprus Cup” gegen Erstligist Energie Cottbus den Ausgleich zum 2:2 hinnehmen. Stiven Rivic verwandelte einen strittigen Foulelfmeter in der Nachspielzeit. Zuvor hatte sich die Alemannia vor allem im ersten Durchgang durch schnelle Kombinationen als das bessere Team gezeigt, und Szilard Nemeth hatte Aachen folgerichtig nach Vorarbeit von Benny Auer, der am Sonntag seinen 28. Geburtstag feierte, mit 1:0 in Führung gebracht (27.).

Im zweiten Durchgang nahmen die Schwarz-Gelben zunächst ihre bekannte Auszeit, so dass Ivica Iliev (56.) für Cottbus ausgleichen konnte, bevor Markus Daun mit seinem Treffer in der 66. Minute den alten Abstand wieder herstellen konnte.

„Den Vorsprung müssen wir über die Zeit bringen”, ärgerte sich Trainer Jürgen Seeberger, nachdem den Cottbusern kurz vor dem Schlusspfiff noch der Ausgleich gelungen war. Gastspieler Hervé Oussalé bekam in der letzten Viertelstunde seine ersten Einsatzminuten.

Am Montagabend (18.35/DSF) absolviert die Alemannia ihr zweites Gruppenspiel gegen Omonia Nikosia.

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