„Das ist für Erik sicherlich keine leichte Situation”

Von: Mischa Wyboris
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„Das wird am Samstag alles ab
„Das wird am Samstag alles abgeschaltet”: Sascha Rösler will mit seiner Fortuna Düsseldorf am Tivoli drei Punkte holen - und seine Verbindungen zu Aachen und der Alemannia ausblenden. Foto: imago/Uwe Kraft

Aachen. Eigentlich müsste Sascha Rösler schwindelig sein. Aufstieg und Abstieg - in zwei Saisons als Stürmer der Ale­mannia hat er bei­de Ex­treme in kürzester Zeit erlebt. Und es scheint, als könne er kaum anders.

Beim SSV Ulm, wo er sei­ne Karriere begann, wechselte Rösler in vier Jahren viermal zwischen den Ligen: rauf in Liga 2, rauf in Liga 1, runter in die 2. Bundesliga, runter in die Regionalliga. 2008 feierte er in Mönchengladbach seinen dritten Aufstieg in die Königsklasse - nur, um dann von Borussia-Trainer Hans Meyer aus dem Profikader geworfen zu werden. Diesmal kein kollektiver, sondern ein ganz persönlicher Abstieg. Mittlerweile zählt Sascha Rösler 33 Lenze und erlebt in Düsseldorf so etwas wie seinen zweiten Frühling. Am Samstag trifft er mit der noch ungeschlagenen Fortuna um 13 Uhr am Tivoli auf seinen alten Verein Alemannia Aachen.

Im ersten Saisonspiel haben Sie das Tor des Monats geschossen, Ihre Fortuna mischt nach fünf Spielen oben mit, und daheim hat der Verein seit 17 Spielen keine Pleite mehr kassiert. Wissen Sie eigentlich noch, wie sich Verlieren anfühlt?

Rösler: (lacht) Ja, auf jeden Fall. Es ist ja nicht so, dass wir alles in Grund und Boden gespielt hätten. Da gab es schon viele hart erkämpfte Siege. Wir sind gut aus den Startlöchern gekommen, aber ich denke, wir sollten das bodenständig betrachten.

Was macht die Fortuna in Ihren Augen momentan so erfolgreich?

Rösler: Es weiß einfach jeder, worauf es ankommt: Wenn wir nicht 100 Prozent Gas geben, können wir gegen jeden Gegner verlieren. Jeder ist voll da.

Aachen hat derzeit weniger Glück. Sie haben selbst zwei emotionale Saisons am Tivoli erlebt. Geht es Ihnen nahe, was derzeit sportlich mit der Alemannia passiert?

Rösler: Ja klar, da hänge ich schon noch ein bisschen dran, und ich verfolge das aus einer gewissen Nähe - ich wohne ja nicht weit vom Tivoli entfernt. Und durch meinen besten Kumpel Thomas Stehle kriege ich sowieso viel mit. Aber im Fußball geht alles ziemlich schnell. Deshalb sollte man das ganze in Aachen nicht so schwarz sehen.

Düsseldorf hat zum Auftakt der vergangenen Saison sogar sechs Mal in Folge verloren. Da gehörten Sie noch nicht zum Team. Trotzdem: Wie bekommt man als Spieler den Kopf wieder frei und die nötige Lockerheit zurück?

Rösler: Das ist nicht einfach. Ich weiß, dass das in Düsseldorf zu der Zeit eine ganz schwere Phase war. Was den Verein ausgezeichnet hat, war aber die Tatsache, dass Vorstand, Manager und Trainer die Ruhe bewahrt haben und somit alle konzentriert weiterarbeiten konnten.

Apropos: Bei einigen Aachener Fans wächst die Kritik an Trainer Peter Hyballa. Können Sie das nach diesem Start in die Saison nachvollziehen?

Rösler: Das ist ja fast zwangsläufig so, das sind die Mechanismen in dem Geschäft. Wenn du eine Wei­le kei­ne Spiele gewinnst, stehst du in der Kritik. Dass man - wie Düsseldorf im vergangenen Jahr - am Trainer festhält, ist natürlich nicht immer und überall so. Das ist für Erik sicherlich keine leichte Situation.

Eine Statistik besagt, dass Bundesliga-Trainer heutzutage oft schon nach vier Niederlagen in Folge damit rechnen müssen, gefeuert zu werden. Ist das angemessen?

Rösler: Nein, ich denke, es ist wichtig, dass es eine gewisse Beständigkeit im Verein gibt. Als ich damals nach Gladbach gewechselt bin, hatte Christian Ziege versprochen, Kontinuität in den Klub zu bringen. Als wir dann aufgestiegen waren, war es damit aber auch schon wieder vorbei: Da haben wir die ersten Bundesligaspiele verloren, und plötzlich waren der Manager und der Trainer wieder weg. Ich finde, man muss einem Trainer über einen längeren Zeitraum hinweg einfach eine Chance geben.

Sie gehören trotz Ihrer bald 34 Jah­re zur Stamm-Elf der Fortuna. Nach nicht ganz so beständigen Zeiten in Gladbach und bei 1860 München: Haben Sie in Düsseldorf Ihr Glück gefunden?

Rösler: So schlecht lief es in Gladbach ja nicht. Ich hatte einfach Pech, dass mich Hans Meyer rausgeschmissen hat. In München hat­te ich daran psychisch noch zu knabbern. Mit 33 dann in Düsseldorf überhaupt noch mal eine Chance zu bekommen, war ja auch nicht selbstverständlich. Am Ende war es für beide Seiten ein Glücksfall: für mich, dass ich auf dem Niveau zeigen kann, dass ich noch nicht zu alt bin, und für Düsseldorf, dass ich der Mannschaft mit meiner Spielweise helfen kann. Fortu­na ist ein Glücksfall für mich.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie denn als Ex-Alemanne und als guter Freund von Thomas Stehle in die Partie am Tivoli?

Rösler: Das wird am Samstag alles abgeschaltet. Ich will das Spiel mit der Fortuna gewinnen und werde mich nur darauf fokussieren. Ich kann zum Glück ganz gut ausblenden, dass der Schwiegervater in spe Alemannia-Fan ist, ein paar Freunde auf der Tribüne sitzen, die Aachen die Daumen drücken, und dass mein bester Kumpel für die Alemannia spielt. Ich will die Partie unbedingt gewinnen, und alles andere zählt in diesem Moment nicht.

Mal angenommen, es gibt auch beim kommenden Spiel am Tivoli für die Fortuna einen Elfmeter. Würden Sie ihn wieder schießen?

Rösler: Bei uns ist es abgesprochen, dass Jens Langeneke der Elfmeterschütze ist. Einen Tag vor dem Spiel gegen 1860 am vergangenen Freitag hatte er sich das Knie leicht verdreht und sich nicht sicher gefühlt, deshalb habe ich ihn geschossen. Wenn Jens noch mal sagt, er fühlt sich nicht so sicher, dann würde ich den Elfer auch in Aachen schießen, das ist doch keine Frage!

22.000 Zuschauer beim Derby erwartet

Bis Mittwoch Mittag hat Alemannia Aachen für das rheinische Derby in der Zweiten Liga 19.300 Eintrittskarten abgesetzt. 3500 davon wurden kostenlos an Dauerkartenbesitzer abgegeben.

Die Kartennachfrage der Fortuna-Fans ist dagegen enorm. Sämtliche 3200 zur Verfügung stehenden Gästekarten sind bereits vergriffen, ein Kontingent von 500 weiteren wurde nachgefragt. Insgesamt erwartet die Alemannia am Samstag bis zu 22.000 Zuschauer.

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