Aachen - „Das 2:2 fühlt sich an wie eine Niederlage”

„Das 2:2 fühlt sich an wie eine Niederlage”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Alemannia Aachen - SpVgg Greuther Fürth
Der Aachener Torschütze Babacar Gueye jubelt. Foto: dpa

Aachen. Nicht einmal mehr die TV-Reporter schafften es in den sonnigen Westen, sie kommentierten aus einer Kabine in München. Sie beobachteten mit 18.429 Zuschauern eine merkwürdige Partie.

2:2 endete der Vergleich zwischen Alemannia Aachen und Greuther Fürth. Die Lage blieb auch nach dem Schlusspfiff unübersichtlich, denn die Beteiligten wussten ihre Emotionen nicht so recht einzuordnen. Sollen wir uns freuen über den einen Punkt, sollen wir uns ärgern über die zwei verlorene Punkte? „Diese Partie hätte genauso 3:2 wie 2:3 enden können„”, bilanzierte Fürths Trainer Mike Büskens am Ende.

Für Aachen ist das Remis wohl eher zu wenig. „Das ist wirklich bitter”, urteilte Manager Erik Meijer. Der ersehnte einstellige Tabellenplatz, verbunden mit der Finanzspritze des Hauptsponsors, rückt wieder mehr in die Ferne.

Kaum etwas wies im ersten Spieldrittel auf das turbulente Ende hin. Nach Chancen deutete sich die Aachener Führung frühzeitig an. Mit seinem ersten Schuss scheiterte Babacar Gueye noch am vorzüglichen Gästekeeper Max Grün (19.), ein zweiter zischte ins Fangnetz (30.).

Im dritten Anlauf versuchte es der Afrikaner einmal mit rechts. Grün ließ seinen Schuss abprallen, mundgerecht vor die Füße von Benny Auer. Der ist Sturmführer, verwandelt solche Gelegenheiten vermutlich auch noch nach einem Marathonlauf. Vorfreude brandete auf, vermutlich wurde das Torjingle schon von der Stadionregie eingelegt. Doch der wohl scheidende Torjäger verweigerte die Führung. Er traf nur den auf dem Boden liegenden Gästekeeper. Mehr Chance geht fast nicht.

Die frühlingshafte Partie blieb einseitig, Herzig schmetterte einen Kopfball vor die Fäuste von Grün (44.). Die Radioreporter kürten den Keeper schon als Mann des Tages. Doch einen letzten Freistoß musste Grün vor der Halbzeit noch ertragen.

Flanke Fiel und Abdul Özgen schnellte heran. Kurzes Nicken und der Türke köpfte zum überaus verdienten 1:0 ein. Der erste Saisontreffer und eine überzeugende Leistung waren durchaus gute Argumente für eine Vertragsverlängerung.

In der Pause brach ein Vulkan aus, allerdings nur mit regionaler Bedeutung. Büskens nahm sich sein zurückhaltendes Team zur Brust. „Man kann seine Ziele nicht mit weniger als 100 Prozent erreichen.”

Die Laune verbesserte sich so schnell nicht, der agile Gueye nutzte eine seiner vielen Möglichkeiten schnell zum 2:0 (48.). Der Torschütze warf sich ins Gras, und eine komplette Mannschaft fiel über ihn her. „Das war eine große Geste, weil die Jungens gespürt haben, wie sehr Gueye nach schwierigen Wochen das Erfolgserlebnis gebraucht hat”, beobachtete Meijer.

So hätte es ein schöner Nachmittag werden können, wenn sich die übermütigen Hausherren nicht entschieden hätten, die chancenlosen Besucher noch einmal einzuladen. Innerhalb einer Minute ließ sich Alemannia zwei Mal im eigenen Stadion auskontern.

Erst missglückte ein Doppelpass zwischen Fiel und Auer deutlich. Sami Allagui sauste davon, und weil das Umkehrspiel keine Aachener Spezialität ist, vollendete der Fürther Torjäger, der einst in Aachens A-Jugend stürmte, zum 2:1 (54.).

„Die Tempoprobleme„”, die Manager Meijer nicht erst in diesem Spiel ausmachte, waren auch ein paar Sekunden später zu beobachten. Ein einsamer Nicolai Müller spritzte unaufhaltsam davon, sein eher harmloser Schuss wurde von Nico Herzig zum Ausgleich abgefälscht (55.).

„Diese Szenen haben mir das Wochenende nachhaltig verhagelt. Mir ist es unbegreiflich, dass man sich so amateurhaft auskontern lässt”, wütete nun auch Aachens Trainer Michael Krüger.

Der Spielverlauf sprang wild hin und her. Özgen traf bei seinem Drop-Kick nur die Fäuste von Gäste-Keeper Grün (62.). Auf der anderen Seite peilte Müller den Pfosten an (78.). Und in letzter Sekunde knäuelten sich die Spieler in Aachens Fünfmeterraum, Demai verhinderte die durchaus mögliche Heimniederlage.

„Dieses 2:2 fühlt sich an wie eine Niederlage”, sagt der ermattete Meijer, der gute Nachrichten so dringend braucht. Eine gute Nachricht: Nach 16 Monaten feierte Thomas Stehle sein Comeback. In der 42. Minute ersetzte er Seyi Olajengbesi, der sich eine Bänderverletzung im linken Fuß zugezogen hatte. Wenigstens Stehle erzielte einen kleinen Sieg über seinen Körper nach langer Auszeit. „”Ich habe gemerkt, dass ich die Belastung aushalte.„” Der kernige Verteidiger blieb der einzige Sieger an diesem Nachmittag.
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