Dank Löhe: Aachens Null steht

Von: Christoph Pauli
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Starker Rückhalt: Frederic Löhe verhindert den Ausgleich gegen Christian Kuehlwetter. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit der Sorgfalt eines Goldschmieds hat sich Frederic Löhe den Ball zurecht gelegt. Noch ein paar Drehungen, die Grashalme weggezupft, vier Schritte zurück – und tief durchatmen. Aachens Keeper konzentrierte sich, lange, sehr lange. Die Vorbereitung eines WM-Elfmeterschützen hätte nicht präziser sein können.

Leider fand die Vorbereitung Löhes aber in der 95. Minute eines Regionalliga-Spiels tief im Westen statt, und Löhe zelebrierte wie ein Zen-Meister einen Freistoß tief in der eigenen Hälfte. Und so eilte der Schiedsrichter aufgeregt mit der Gelben Karte wedelnd herbei. Der 26-Jährige ertrug die Vorstrafe wegen Zeitschindens gelassen, denn Sekunden später war Feierabend.

Auf Löhe stürzten zwei kantige Gratulanten zu, die sich als seine Innenverteidiger Peter Hackenberg und Marcus Hoffmann entpuppten. Alemannia besiegte den 1. FC Köln II – und Löhe war der Matchwinner, dem vermutlich die obligatorische Strafe wegen der Gelben Karte erlassen werden wird. „Wir haben Aachen einen tollen Fight geliefert, hatten die besseren Chancen, aber nicht das Glück des Spitzenreiters“, resümierte Kölns Trainer Stephan Engels, der beim Abpfiff drei A-Jugendliche auf dem Feld hatte.

Alemannia bleibt in diesem Jahr ohne Gegentreffer und Verlustpunkt. Der Erfolg gegen Kölns Zweitbesetzung versprühte allerdings keinen Glanz. Es war ein Erfolg in der Unterkategorie „dreckiger Arbeitssieg“, wie Aimen Demai zufrieden feststellte. „Auch dafür gibt es drei Punkte.“

Die Anzeigetafel hätte nicht verändert werden müssen, auch das nächste Heimspiel nach dem Spiel gegen RW Essen gewann Alemannia mit 1:0, Torschütze auch diesmal: Kevin Behrens. Abweichungen gab es nur bei der Zuschauerzahl. Die angestrebten 10 000 Fans wurden knapp verfehlt, 9800 Zuschauer bildeten aber immer noch die zweitgrößte Tivoli-Kulisse in dieser Spielzeit.

Die Mannschaft übernahm schnell die Kontrolle gegen den spielstarken Nachwuchs des Bundesligisten. Möglichkeiten blieben aber so rar wie Sonnenstrahlen an diesem Nachmittag. Auch ein Dutzend ruhender Bälle gaben der Mannschaft in der ersten Halbzeit wenig Rückenwind. Die große Schärfe und Entschlossenheit fehlte den Aachenern.

Die einzige Schmuckurkunde an diesem Tag bekam Kevin Behrens. Sein Sturmpartner Viktor Maier war auf den rechten Flügel ausgewichen, ein kurzer Blick, eine präzise Flanke – und dann flog Behrens heran. Der Angreifer löste sich geschickt aus dem Windschatten von Jannis Nikolaou, und wie schon gegen Essen war sein Kopfball nicht zu parieren.

Sein Team führte nach 24 Minuten mit 1:0. Aachen ließ Ball und Gegner weiter laufen, aber das Spiel in die Tiefe war nicht so gut an diesem Tag, die Angreifer blieben weitgehend anonym. Das Fehlen von Tim Jerat, der sich kurzfristig mit einer Rückenblockade abgemeldet hatte, machte sich bemerkbar.

„In der ersten Halbzeit haben wir noch recht ordentlich auf den Ball achtgegeben“, analysierte Trainer Peter Schubert am Ende des Tages. „Das haben wir im zweiten Durchgang nicht mehr gemacht.“ Seine Mannschaft schluderte im Spielaufbau, vertändelte viele Bälle leichtfertig. Das Team wirkte zunehmend müder. „Wir trainieren seit Wochen auf tiefen Böden, es fehlt ein bisschen die Frische“, gab Kapitän Demai zu Protokoll.

Der Vorwärtsgang klemmte, also zog sich die Mannschaft zurück, um den knappen Erfolg zu verteidigen. Es schlug die Zeit für Frederic Löhe, der die ersten 70 Minuten auch bei seinen Freunden auf der Tribüne ohne Auswirkung hätte verbringen können. „Für einen Torwart sind das die schwierigsten Spiele“, zitierte der Keeper später Oliver Kahn.

Die Phase der Arbeitslosigkeit endete spektakulär. Löhe lenkte einen Kopfball von Marius Laux prächtig über das Tor (71.). Es war nicht die einzige „parade de luxe“ des Schlussmanns. Fünf Minuten später schnellte er den rechten Fuß nach einem Schuss von Christian Kuehlwetter heraus, den Nachschuss knallte Andre Wallenborn ins Fangnetz.

Die beste Abwehr der Liga taumelte, aber sie fiel nicht. „Wir haben alles reingeworfen, was wir hatten“, berichtete Dominik Ernst von schweren, langen letzten Minuten. „Wir können in dieser engen Liga nicht jeden Gegner mit 4:0 aus dem Stadion pöhlen. Wir haben gewonnen, wieder keinen Gegentreffer kassiert. Alles gut“, sprach Matchwinner Löhe das Schlusswort.

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