Chronische Abschlussschwäche: Alemannia trifft Tor nicht

Von: Christoph Pauli
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Glücklos: Philipp Gödde ließ einige Möglichkeiten für sein erstes Saisontor aus. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Für Philipp Gödde war es ein Tag zum Umtauschen, sofern die Garantie noch nicht abgelaufen war. Alemannias Stürmer hatte einen schönen Überblick darüber gegeben, welche Formen erstklassiger Torchancen man binnen 90 Minuten versieben kann. 0:0 endete die Partie gegen Aufsteiger Sprockhövel. Wieder kein Tor am Tivoli, wieder kein Sieg.

Das fühlte sich nicht gut an, weil sich die Aachener für ihren gewaltigen Aufwand in der zweiten Halbzeit nicht belohnten. Gödde stand da ein bisschen symbolisch für das Remis, das sich wie eine Niederlage anfühlte. Kaum ein Spieler ist so emsig und laufstark unterwegs, errackert sich so viele Gelegenheiten. Aber Aufwand und Ertrag stehen bislang in keinem guten Verhältnis. Aachens Defensive ist in dieser Saison bislang eine sehr stabile Veranstaltung, Aachens Offensive dagegen bestätigt den Trend der letzten Wochen.Toreschießen schwer gemacht.

Das Ergebnis gab nicht den Spielverlauf wieder. Sprockhövels Trainer Andrius Balaika hätte an seinem Geburtstag auch klaglos ein mögliches 0:3 akzeptiert.

Sein Kollege Fuat Kilic hatte seine Formation auf vier Positionen im Vergleich zum Auswärtsspiel in Oberhausen verändert. Daniel Hammel stand zum ersten Mal in der Anfangsformation, Kapitän Timo Staffeldt stand zum ersten Mal nicht in der Startformation.

Der neu formierten Mannschaft ging es darum, die desolaten Eindrücke des Auftaktsspiels gegen Wattenscheid zu korrigieren. Die Passquote war deutlich besser, die Aachener dominierten, ohne dass sich das in vielen Abschlüssen bemerkbar machte. Dafür war das Aachener Spiel in der roten Zone nicht zielstrebig und präzise genug gegen die akkurat verteidigenden Gäste. Als Necirwan Mohammad eine Lücke im Abwehrgestrüpp erspähte, bekam Gödde die erste Großchance. Das letzte Hindernis für den Mittelstürmer war der Gästekeeper. Er hatte ein paar Optionen für den ersten Saisontreffer, entschied sich für einen Heber, der sein Ziel verfehlte (28.).

Der Aufsteiger entschloss sich erst nach einer halben Stunde, sich auch mal in der anderen Spielhälfte umzuschauen. Herauskam ein Fernschuss von Adrian Wasilewksi, der auf die Latte fiel (35.).

Bislang hat Alemannia alle drei Saisontore in der zweiten Halbzeit erzielt, und auch diesmal zogen sie das Tempo rasant an. Ernst spielte Gödde vor dem Tor frei, der den Ball nicht gut verwertete (46.). Die Gastgeber zogen das Spiel in die Breite. Die nächste Flanke wischte Daniel Hammel knapp mit dem Kopf vorbei (51.). Als nächster wurde Florian Rüter bei der Torsuche gesichtet, freistehend zog der flinke Rechtsaußen am Tor vorbei (54.).

Chancen ergaben sich im Minutentakt. Vor allen nach ruhenden Bällen machte sich der Größenunterschied bemerkbar. Die „Riesen“ Propheter, Hammel, Gödde und Löhden bekamen ihre Kopfball-Gelegenheiten – um sie nicht zu nutzen. Und auch Gästekeeper Robin Benz machte ein vorzügliches Spiel, lenkte einen Flachschuss von Fejzullahu am Pfosten vorbei (58.).

Dann flog eine präzise Flanke von Tobias Mohr heran, und Philipp Gödde versemmelte aus drei Metern (71.). „Den muss ich machen“, war der emsige Angreifer enttäuscht am Ende des Tages. „Haste Scheiße am Fuß, dann haste du Scheiße am Fuß“, bemühte er den Fußballphilosophen Andreas Brehme.

Und doch war sein Auftritt eine Entwicklung. Im Vergleich zu früheren Jahren fiel er nicht in eine etwa 60-minütige Grübelphase nach verpasster Gelegenheit. „Ich habe weitergemacht, und noch die zweite, dritte, vierte und fünfte Chance gehabt.“ Sein Elan wurde nicht belohnt. Und als der Ball nach vielen Anläufen dann endlich ins Netz kullerte, pfiff Schiedsrichter Florian Heien den Treffer zurück, weil er ein gefährliches Spiel von Daniel Hammel gegen den Gästekeeper registriert hatte (78.). Eine vertretbare Entscheidung.

Es war eine einseitige Partie vor nur noch 5300 Zuschauern, die am Ende noch kurioser hätte enden können. Denn bei zwei Kontern in der Schlussphase hätten die Gäste auch noch das Siegtor erzielen können. „Wir sind zwar Alemannia Aachen, aber wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass wir irgendeine Mannschaft im Vorbeigehen schlagen“, wehrte sich Kilic gegen überzogene Ansprüche. „In dieser Liga kann jeder jeden schlagen.“

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