Bonn - Blamage in Bonn: Alemannia verpasst erneut den DFB-Pokal

Blamage in Bonn: Alemannia verpasst erneut den DFB-Pokal

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Die Alemannia hat in Bonn gepatzt: Aachen unterlag am Samstag dem Fünftligisten Bonner SC.

Bonn. Am Ende blinkte die Anzeigentafel aufgeregt wie der Flipperautomat beim unerwarteten Zusatzspiel. Ein bisschen dürfte sich der Bonner SC auch so gefühlt haben. Der Fußball-Fünftligist erreichte mit dem 2:1-Sieg über Alemannia das Pokalfinale auf Mittelrheinebene auf eigenem Platz und trifft auf Viktoria oder Fortuna Köln.

„Es ist richtig sch…, dass wir hier Geld liegen lassen“, fasste Frederic Löhe den tristen Nachmittag zusammen. Der Torhüter war der einzige Alemanne, der eine gute Form mitgebracht hatte. Gründe für die Blamage gab es einige.

Schon bei der Anreise musste improvisiert werden, weil der Mannschaftsbus nicht kam. Die etatmäßigen Innenverteidiger Marcus Hoffmann und Peter Hackenberg (beide werden heute im Training erwartet) mussten kurzfristig durch Marvin Brauweiler und Kris Thackray ersetzt werden, auch Dennis Dowidat (Untersuchung heute) musste mit einer Knöchelverletzung passen. Die Partie fand auf einem Untergrund statt, den jede Kuh mit ein bisschen Stil nicht freiwillig betreten hätte. Und die seit Wochen schwelenden Dissonanzen zwischen dem neuen Manager und Trainer sowie Spielern, die in dieser Woche öffentlich wurden, waren nicht zwingend eine große Motivationshilfe. „Das war völlig unnötig und sollte schleunigst beendet werden, das passt auch nicht zu unserer guten Saison“, urteilte Tim Jerat.

Die Niederlage in Bonn jedenfalls war überaus verdient. „Das war einfach zu wenig“, war Aachens Coach Peter Schubert enttäuscht. „Der absolute Wille hat bei dem ein oder anderen gefehlt.“ Die Gruppe wählte einen denkbar schlechten Zeitpunkt für ihre zweite Saisonniederlage. Zum ersten Mal machte sie sich angreifbar, weil sie sich nicht entschlossen genug wehrte.

Die Bonner hätten früh in Führung gehen können. Brauweilers Rückpass landete nicht bei seinem Torwart, sondern bei Lucas Musculus. Dessen Vorlage wollte Rachid Eckert aus zehn Metern locker einschieben. Er scheiterte an Löhe (14.). Ein paar Sekunden später trabte Bastian Müller durchs Mittelfeld. Angegriffen wurde er nicht, und so schoss er vom Strafraumeck aufs Tor. Bonns Torwart Martin Michel versuchte den Ball eher telepathisch an seinem Gehäuse vorbeizulenken. Und weil das nicht klappte, führte Aachen nach 15 Minuten mit 1:0. Die Führung beruhigte die Partie nicht, auf der schlechten Wiese gab es ein Fehlpass-Festival. Die Gäste verzichteten darauf, die Hausherren früher zu attackieren, obwohl die Probleme im Spielaufbau eklatant waren. Sie zogen sich zurück, verwalteten das 1:0, anstatt für klare Verhältnisse zu sorgen.

Chancen waren rar wie Sonnenstrahlen an diesem Nachmittag im maroden Nordpark. Der Mittelrheinligist profitierte von Staffelungsproblemen in der neu sortierten Abwehr. Thackray und Brauweiler prallten gegeneinander, der Ball hoppelte zu Musculus, der noch von Michael Lejan gebremst wurde (31.). Die Abwehr musste weiter umgebaut werden, zur Halbzeit blieb der platzverweis-gefährdete Ernst in der Kabine.

Bonn drehte auf, Daniel Somuah scheiterte knapp mit einem Heber (47.). Aachen bekam auf dem Bolzplatz keine Struktur ins Spiel, die Mannschaft beschränkte sich aufs Verteidigen. Der Ausgleich fiel nach 65 Minuten, als Kelvin Lunga drei Meter vor dem Tor unbedrängt einen Eckball einköpfen durfte. Ein paar Minuten überstanden die Aachener dank Löhe noch ohne Blessuren. Beim Führungstreffer war Aachens Bester chancenlos, wieder traf Lunga aus 14 Metern (74.).

Erst jetzt, als das Pokal-Aus Konturen bekam, schalteten die Aachener aus dem Leerlauf in einen höheren Gang. Und mit dem eingewechselten Kevin Behrens kam mehr Schärfe ins Angriffsspiel. Es reichte nicht mehr, weil Keeper Michel glänzend gegen Demai (78.) rettete und auch die Kopfbälle von Maier (79.) und Behrens (80.) am Tor vorbeilenkte.

Sang- und klanglos verabschiedete sich Alemannia aus dem Wettbewerb. Das eine Finale ist verpasst, es folgen noch weitere. „Wir haben jetzt in der Regionalliga sieben Endspiele vor uns, da wollen wir die maximale Ausbeute“, sagt Schubert, der das Team nach der schlechtesten Saisonleistung nicht verdammen wollte. Im dritten Jahr in Folge startet der DFB-Pokal ohne Alemannia-Beteiligung, fahrlässig zerrissen die Aachener die Aussicht auf einen 140.000-Euro-Scheck, der allein schon für das Erreichen der ersten Runde ausgestellt wird.

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