Bitterer Rückblick: Alemannia braucht Ziele

Von: Klaus Schmidt
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Mark Flekken am Boden, ein symbolträchtiges Bild für den gesamten Verein. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Auch das haben sie dann nicht mehr hinbekommen, die traurigste Saison der Klubgeschichte wenigstens mit einem Smiley zu beenden. Seit Wochen ankerte nur noch dieses eine Spiel als Boje in der aufgewühlten Alemannia-See, und was passiert?

Am Tag vor dem finalen Finale fliegt ein schon mehrfach verhaltensauffällig gewordener Profi (Oguzhan Kefkir) aus dem Kader, weil er sich mit einem Kollegen (Kristoffer Andersen) gezofft hat.

Der Interims-Geschäftsführer (Michael Mönig) informiert humorlos-rechtlich-korrekt mal eben den Trainerstab, dass am 31. Mai Schicht ist, sorgt für Proteste des Spielerrats und schließlich der ganzen Mannschaft, die auch um ihre Juni-Gehälter fürchtet, nicht mehr gegen Fortuna Köln antreten will und erst von den Trainern wieder eingefangen werden kann.

Am Spieltag meldet sich einer, der tags zuvor noch ohne erkennbare Probleme trainiert hatte (Timmy Thiele), wegen seines Knöchels ab; er wolle da nichts riskieren vor dem Wechsel zu einem anderen Verein. Der 17er-Kader strandet im Stau vor Bonn, läuft in der ersten Halbzeit neben der Spur und legt sich am Ende die Niederlage wieder einmal selbst ins Nest. Um das Repertoire abzurunden, sorgt Aachener Mob noch einmal für Beschäftigung der Polizei. Das letzte Bild dieser Saison, von der auch die Spieler genug hatten: Das Abschiedstreffen am Donnerstag wurde abgesagt. „Jeder geht jetzt seinen Weg. Und ich gehe nicht fröhlich“, sagt René van Eck. „Aber das hat nicht nur mit dem letzten Spiel zu tun.“ Der scheidende Chefcoach kümmert sich erst mal um seine Kinder.

Und Uwe Koschinat weiter um Fortuna Köln. Eine Nacht nach dem Triumph im FVM-Pokal hatte der Trainer Gewissheit, dass Investor Michael Schwetje an Bord bleibt – wenn Koschinat seinen Vertrag bis 2014 erfüllt. Der zählt Alemannia „zu den 20 Top-Adressen in Deutschland, auch wenn der Verein in den letzten vier, fünf Jahren einen Nackenschlag nach dem anderen einstecken musste“. Natürlich hätte es ihn „wahnsinnig gereizt, Alemannia sportlich wiederzubeleben“. Doch warum von einem Vizemeister mit Planungssicherheit und gewachsener Mannschaft zu einem zerzausten Absteiger in der Insolvenz wechseln? „Ja“, sagt Koschinat, das wäre zu hoch gepokert.

Ins Risiko gegangen ist Uwe Scherr – und hat wertvolle Zeit verzockt, vor allem die wichtigste Personalie zu klären. Einen Umschlag B mit der Alternative zum Wunschkandidaten hatte der Manager offensichtlich nicht vorbereitet, dabei würden auch Spieler wie Sascha Marquet und Robert Leipertz gerne wissen, wer demnächst das Training leitet, bevor sie sich weiter an den Verein binden.

„Die Fans brauchen nicht unruhig zu werden“, sagt Scherr und will nun „bis Anfang, Mitte nächster Woche in der Trainerfrage entscheiden. Es zeichnet sich eine deutliche Tendenz ab, mehr will ich dazu nicht sagen“, keine Namen kommentieren wie Heiko Scholz oder Christian Titz (FC Homburg), Alemannias ehemaligen A-Junioren-Coach.

Präpariert für die Zukunft war indes so mancher Spieler. Kefkir und Thiele sind jetzt als Zugänge bei Dortmund II bestätigt und Mark Flekken bei Greuther Fürth. Der Torhüter hatte seinen Einsatz gegen Köln mit einer schweren Gehirnerschütterung bezahlt, „Blödsinn“, dass er von Aachener Hooligans zusammengeschlagen worden sei.

Kristoffer Andersen, mit dem Scherr inzwischen über eine Vertragsverlängerung gesprochen hat (trotz reeller Vorstellungen des Spielers sei man da aber „auf die Hilfe von Sponsoren angewiesen“), musste die Lippe genäht werden. Die letzten physischen Folgen einer Saison, die Alemannias neuen Tiefpunkt markiert. Entschlossenheit und vor allem ein erkennbarer Plan für die Zukunft wären jetzt mal nicht schlecht.

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