„Beim 5 gegen 2 klappt das noch ganz gut”

Von: Lars Brepols
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Der Reha- und Athletiktrainer von Alemannia Aachen, Matthias Schiffers (Bildmitte), führt mit den Profis eine intensive Dehn- und Erholungsphase durch. Foto: Lars Brepols

Aachen. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Sportstudium einmal im Profibereich zu arbeiten, davon träumen viele. Ein gebürtiger Aachener hat es geschafft: Matthias „Mätti” Schiffers ist als Reha- und Athletiktrainer bei Alemannia Aachen angestellt.

Der 27-Jährige unterstützt den Chefcoach bei der täglichen Trainingsarbeit und kümmert sich schwerpunktmäßig um den Ausdauer- und Fitnessbereich. Dabei stützt sich Schiffers auf seine theoretischen und praktischen Grundlagen, die er während seines Studiums an der Deutschen Sporthochschule Köln erworben hat. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät er auch, wie sein Verhältnis zu den Profis ist und ob er als ehemaliger Oberligaspieler in den Trainingsspielchen mithalten kann.

Was war für dich der bewegendste Moment, seitdem du bei der Alemannia bist?
Matthias Schiffers: Der Umzug ins neue Stadion gehört sicherlich dazu. Da ich schon als Kind oft bei den Alemannia-Spielen auf dem alten Tivoli war, zählt das letzte Spiel in dem alt-ehrwürdigen Stadion für mich zu einem ganz besonderen emotionalen Ereignis.

Seit Anfang der Saison bist du offiziell als Reha- und Athletiktrainer bei der Alemannia angestellt. Wie bist du an den Job gekommen?
Schiffers: Ich bin seit 2007 für die Alemannia tätig. Im Rahmen meiner DFB Trainer A-Lizenz habe ich zuerst ein einmonatiges Praktikum absolviert. Anschließend habe ich neben dem Studium im Scouting- und später dann im Nachwuchsbereich als Koordinations- und Athletiktrainer für die Alemannia gearbeitet. Außerdem habe ich damals, noch unter Guido Buchwald, verletzte Lizenzspieler in der Reha in Köln besucht und sie wieder langsam, fußballspezifisch an das Mannschaftstraining herangeführt.

Und so bist du zum Reha- und Athletiktrainer bei den Profis geworden?
Schiffers: Gewissermaßen. Gemeinsam mit Dr. Jörg Jacobs habe ich in der vergangenen Saison das so genannte Spiel-Ersatz-Training eingeführt. Bei Auswärtsspielen habe ich die Spieler betreut, die nicht im Kader standen. Nachdem ich dann mit meinem Sportstudium fertig war, hat mir die Alemannia den Job als Reha- und Athletiktrainer angeboten.

Wo liegen die Schwerpunkte deiner Tätigkeit?
Schiffers: Jürgen Seeberger hat sehr viel Wert auf den Kraftbereich gelegt. Mindestens einmal wöchentlich habe ich eine komplette Krafteinheit mit den Jungs absolviert. Außerdem unterstütze ich den Coach bei der täglichen Trainingsarbeit, Trainingsdokumentation sowie Trainingssteuerung und kümmere mich da schwerpunktmäßig um den Ausdauer- und Fitnessbereich. Ich organisiere die gesamte Leistungsdiagnostik, also Sprint, Ausdauer- und Laktattests und werte die Ergebnisse entsprechend aus.

Wie ist dein Verhältnis zu den Profis?
Schiffers: Das ist für mich schwer zu beurteilen, aber aus meiner Sicht denke ich: Ich pflege zu allen Spielern ein gutes Verhältnis. Gerade beim Krafttraining merken die Jungs auch sehr schnell: Das bringt mich weiter. Einige beschäftigen sich auch privat mit sportwissenschaftlichen Themen.

Beim Sommer-Trainingslager hat man dich während der Ausdauereinheiten mit einem Laptop an Spielfeldrand sitzen sehen. Was hast du da genau beobachtet?
Schiffers: Wir haben in Österreich zum ersten Mal das neue Polar-Team-System eingesetzt. Per Bluetooth wird die Herzfrequenz der einzelnen Spieler während des Trainings in Echtzeit auf den Laptop übertragen. So können wir den Leistungsstand der einzelnen Spieler exakt bestimmen. Wir erhalten dadurch beispielsweise genaue Informationen darüber, wie sich zum Beispiel ein Benny Auer bewegt oder wie ein Herve Oussalé anläuft.

Wir sind somit in der Lage, jede Einheit zu kontrollieren, dokumentieren und gezielt auszuwerten. Langfristig erhoffen wir uns, dass es uns gelingt, Spiel- und Passformen mit einer ähnlichen Frequenz trainieren zu können, wie sie beispielsweise beim Waldlauf vorkommen. Langfristig muss unser Ziel sein, die Ausdauerleistung über den Ball zu steuern.

Du hast den Schwerpunkt Reha und Prävention an der Sporthochschule studiert. Eine gute Grundlage für deinen jetzigen Job?
Schiffers: Das Studium an sich, mit seiner enormen Vielfalt, hat mir immer Spaß gemacht und mich auch weitergebracht. Und die pädagogischen Lehrinhalte, die an der SpoHo immer groß geschrieben werden, helfen mir jetzt natürlich tagtäglich bei meinen Einheiten mit der Mannschaft. Besonders die vielfältigen Möglichkeiten, andere Sportarten und Trainingsmethoden kennenzulernen haben mich, auch auf das Fußballtraining bezogen, durchaus weiter gebracht.

Du hast selber mal in der Oberliga, bei Fortuna Köln, gespielt und bist immer noch ab und zu bei Rhenania Richterich aktiv. Kannst du auch bei den Profis mithalten?
Schiffers: Beim Spiel 5 gegen 2 klappt das noch ganz gut. Beim Spiel 7 gegen 7, mit nur einem Kontakt, wird es dann aber schon schwierig. Das Tempo ist einfach zu hoch. Wenn die Jungs dich dann, nach einer meiner intensiven Krafteinheiten, auf dem Kieker haben, können sie dich schonmal ganz schön alt aussehen lassen. Dann heißt es oft: Spielt über den Schiffers. Und wenn dann beispielsweise ein Milchraum auf dich zugesprintet kommt, siehst du ganz schön blöd aus (lacht).

Wie informierst du dich eigentlich über neue Trends im Trainingsbereich?
Schiffers: Ich halte weiterhin engen Kontakt zu meinen ehemaligen Kommilitonen, die jetzt im Rehabereich und Fitnessbereich tätig sind. Außerdem bin ich in ständigem Austausch mit Profis aus anderen Sportarten und versuche so, neue Übungen für den Fußball zu kreieren.

Ich arbeite auch eng mit unserer medizinischen Abteilung zusammen. Die Jungs sind mir in medizinischen Fragen natürlich weit voraus, da kann ich noch viel lernen

Hast du deinen Traumberuf schon gefunden oder strebst du später mal eine Tätigkeit als Cheftrainer an?
Schiffers: Als Cheftrainer hast du selten die Gelegenheit, wirklich langfristig zu arbeiten. Wenn es nicht läuft, ist er meist der erste, der gehen muss. Mein Ziel ist es natürlich, möglichst langfristig arbeiten zu können, weil meine Arbeit sonst wenig Sinn macht. Als gebürtiger Aachener möchte ich hier zu einer Art Institution werden. Die Leute sollen sagen: Der macht das gut, da brauchen wir uns nicht um externen Ersatz zu bemühen.
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