Balljunge „hilft” Aue beim 1:1 gegen Aachen

Von: Christoph Pauli
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Alemannia Aue
Auer trifft wieder: Alemannias Kapitän (rechts) erzielt seinen vierten Saisontreffer, zum Sieg reichte es nicht. Foto: imago/Picture Point

Aachen. Vor dem Anpfiff hielten die Zuschauer gelbschwarze Plakate in die Luft: „Aachen = Alemannia = Aachen”. Der Hinweis ging in Richtung Rathaus, wo der Retter des Vereins wieder einmal vermutet wird. Quantitativ hätte das Bekenntnis opulenter ausfallen können, nur 14.378 Zuschauer besuchten die Partie gegen Erzgebirge Aue.

Auch sportlich hätte das Bekenntnis zum Liga-Standort Aachen eindrucksvoller ausfallen können. Das 1:1 bringt Alemannia kaum voran. Beim Rückrundenstart schaffte das Team zwar Platz 14, die beste Platzierung seitdem die Saison freigegeben wurde, glückliche Mienen gab es deswegen nicht. „Wir haben zwei Spieltage hintereinander die Vorlagen der Konkurrenz nicht genutzt”, resümierte Linksverteidiger Timo Achenbach. „Wir können nicht zufrieden sein.”

In der Vorwoche beim furchtbaren 0:6 in Bochum waren die Auer viermal ausgekontert worden. Die Prügel am eigenen Leib hatten schnell zu einer anderen Herangehensweise geführt. Die Gäste kamen diesmal mit Kelle, Spaten und Spitzhacke auf den Platz. Und so entwickelte sich kein ansehnliches Spiel am Tivoli.

Nur selten fanden die Aachener einen Zugang in die Festung. Die größte Möglichkeit, den Beton zu durchbrechen, ergab sich an den Außenmauern: Falkenbergs präzise Vorlage köpfte Auer übers Gehäuse (17.), von der anderen Seite passte Achenbach vors Tor, halb Aachen verpasste die Führung (39.).

Erst nach 25 Minuten entdeckten die Gäste, dass es noch eine andere Hälfte gibt. Prompt prüfte Tobias Kempe Aachens Keeper Boy Waterman mit einem Fernschuss (28.). Die Partie war nicht ganz unerwartet so zäh wie ein Weihnachtsferienstau auf der Autobahn München-Salzburg.

Die geduldigere und bessere Mannschaft wurde belohnt. Benny Auer stand am Ende einer schönen Produktionskette: Achenbach legte auf für Radu, der passte zum Kollegen. Für Aachens Kapitän war es der 54. Treffer für Aachen in der 2. Liga, und kurz darauf wäre er mit einem Drehschuss fast an Alemannias Torjäger aus dem letzten Jahrtausend, Bübbes Kehr, vorbeigezogen (56.).

Die Partie hätte ihren verdienten Sieger gefunden, „wenn wir uns nicht so dämlich angestellt hätten”, schüttelte Kim Falkenberg noch Minuten nach der Partie den Kopf.

Aues Ausgleich hatte einen durchaus überraschenden Vorbereiter. Nach einem Befreiungsschlag ins Seitenaus war der Ball noch in der Luft, als ein Balljunge durchaus eilfertig ein Spielgerät an die Gäste weiterreichte.

Drei Sekunden und zwei Zweikämpfe später erzielte Kempe gegen die unsortierte Abwehr unbedrängt den Ausgleich (64.). „Das habe ich so in vielen Jahren auch noch nicht erlebt”, staunte Trainer Friedhelm Funkel, der am Samstag 58 Jahre alt wurde. „Als Balljunge einer Heimmannschaft, die führt, muss man das Spiel verzögern.”

Denkbar ist, dass der Zwölfjährige an der Seitenlinie nun durch einen 42-Jährigen ersetzt wird - schließlich setzt Aachens Trainer gerade stark auf Routine... Funkel hatte zum dritten Mal in Folge das identische Personal aufgeboten.

Der Rückschlag hätte noch größer ausfallen können: Kocers Kopfball wurde in letzter Sekunde von Falkenberg geblockt (67.). Aachen schaltete noch einmal hoch, Feisthammel scheiterte nach einem Freistoß von Demai an Martin Männel (71.). Der Gästekeeper rettete den Punkt endgültig in der vorletzten Minute, als er Auers präzisen Drehschuss am Tor vorbeilenkte.

So blieb es beim Ergebnis, das wenig Begeisterung auslöste. Nicht so gut spielen, aber trotzdem zu gewinnen ist keine Aachener Disziplin in 2011 geworden. „Wir müssen unsere Erfolge mehr erzwingen”, forderte Achenbach ein. Aus den angestrebten „mindestens vier Punkten” aus den letzten beiden Heimspielen wurde nur die halbe Ausbeute.

Der erhoffte kleine Durchbruch blieb am Ende eines unbefriedigenden Jahres aus. Und doch sieht der Trainer sein Team auf dem richtigen Weg. „Wir entwickeln uns peu a peu, wir sind stabiler geworden.”

Randale vor der Halbzeit: Der Feind im eigenen Fan-Lager, Teil 2

Kurz vor der Halbzeit gab es eine üble Schlägerei im Block der Aachener Ultras. Die Fangruppe ist vor der Saison räumlich von anderen Gruppierungen wie zum Beispiel der „Karlsbande” getrennt worden. Etwa 20 bis 30 Menschen drangen nach Vereinsangaben in den Block ein, dessen Zugang nicht gesondert geschützt ist. Ein paar Dutzend Ordner und Polizei verhinderten, dass es Verletzte gab.

Geschäftsführer Frithjof Kraemer, Augenzeuge der Attacke, wollte die Angreifer vorerst nicht einer Gruppierung zuordnen. Klar ist: „Sie kommen aus den eigenen Fan-Reihen.”

Vor vier Wochen hatten sich Ultras und Karlsbande bereits in Dresden während des Spiels geprügelt. Für den Verein entsteht die absurde Situation, dass er verfeindete Gruppen in der heterogenen Fanszene voreinander schützen muss.

„Das ist ein Irrsinn”, meint Kraemer. „Wir werden jetzt nicht zur Tagesordnung zurückkehren. Es kann nicht sein, dass jemand ein Heimspiel besucht und Angst um seine Gesundheit haben muss.”

Jedem identifizierten Täter droht neben einem Strafverfahren ein Stadionverbot, kündigte Kraemer nach Spielende an. „Jetzt sind alle Fans, die Klubs und die IG gefragt, den Umgang miteinander zu besprechen.”
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