Aachen - Auszubildender im Mittelfeld

Auszubildender im Mittelfeld

Von: Christoph Pauli
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Ruhender Pol im defensiven Mittelfeld: Mike Kühnel. Foto: Jerome Gras

Aachen. Vor ein paar Wochen ist Meik Kühnel zum ersten Mal in seinem Leben um ein Autogramm gebeten worden. Es war ein bisschen ungewohnt, so wie damals der erste Bartwuchs. Aber im Grunde genommen hat er es ja immer so gewollt.

Ein Leben für den Sport, die Hoffnung auf eine Karriere als Fußball-Profi. Kühnel hat dann seinen Namen in ein Heft geschrieben.  Bis vor zwei Monaten war er noch der unbekannte Kapitän der U 21, jetzt wächst er heran als Alemannias neue Ordnungskraft im defensiven Mittelfeld. Er hat sich erstaunlich schnell eingewöhnt, sein Spiel ist schnörkellos und ziemlich ballsicher.

Vor jedem Spiel geht er mit seinem Hund Sam ein bisschen spazieren, lenkt sich ab, geht die anstehenden Aufgaben noch einmal durch. Nach seinem ersten Vertragsabschluss hat er sich Kopfhörer gegönnt, die vermutlich wie die Fußballschuhe zur Standardausrüstung für jeden Profi gehören. Vor den Spielen bringen ihn Hip-Hop-Klänge auf Touren.

Einen enormen Verschleiß an Trainern hat der junge Mann erlebt. In seinen ersten drei Spielen erlebte er jeweils neue Fußball-Lehrer in der Kabine. Seine Premiere feierte er unter Christian Benbennek, danach setzte auch das Duo Demai/Schaffrath auf ihn, und auch beim Einstand von Fuat Kilic stand er in der Startformation. Die Dinge haben sich beruhigt, Kilic stand auch beim vierten und bislang letzten Spiel an der Linie. Kühnel konnte das ziemlich genau beobachten, denn er saß lange Zeit hinter ihm auf der Ersatzbank. Das kam ein bisschen überraschend, denn in der Partie zuvor hatte der 21-Jährige nicht nur seinen ersten Treffer erzielt. Er war auch mit einer ziemlichen Coolness unterwegs. „Auf dieser Position darfst du keinen Stress mit dem Ball haben“, findet er. Kühnel war ein bisschen der Eisblock in einem hitzigen Spiel. Das Talent wird auch am Sonntag beim Spiel gegen Dortmund II erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Er muss an den beiden erfahrensten Spielern im Team vorbeikommen. „Aimen Demai und Timo Staffeldt sind Konkurrenten, aber ich kann mir unheimlich viel von ihnen abgucken“, findet er. „Das sind Vorbilder für mich.“

Auf dem Platz ist Kühnel noch ein Auszubildender. „Er ist ein sehr interessanter Spieler, der eine rasante Entwicklung genommen hat“, sagt Kilic über den Profi, der vor zwei Jahren noch Ersatz in der Oberligamannschaft war. „Er hat noch viel Potenzial, hat keine Angst, er muss jetzt einfach dran bleiben.“ Auf dem Lehrplan stehen „Zug zum Tor, taktische Schulung“.

Kühnel wuchs in Würselen auf, ging zunächst für Sparta auf Torejagd. Mit neun Jahren stand der erste Vereinswechsel an, er schaute sich mehrere Trainings an – und entschied sich mit seinem Vater  für Roda Kerkrade,  „weil mir die taktische Schulung besser gefiel“. Zwei Jahre lang kutschierten ihn seine Eltern über die Grenze, dann hatte der junge Mann genug davon, es gab Sprachprobleme. Kühnel kehrte zurück, bestand das Probetraining in der U 10 am Tivoli, und seit diesem Winter im Jahre 2004 durchlief er alle Mannschaften. Und nebenbei war er Balljunge bei Alemannias großen Flutlichtpokal-Spielen unter Peter Hyballa. Frankfurt, Mainz, Bayern waren die Gegner. „Die Bayern mag ich nicht, ist wollte sie leiden sehen“, sagt der ehemalige Balljunge. Selbst wenn der Wunsch (0:4) nicht in Erfüllung ging – auch diese stimmungsvollen Abende im ausverkauften Tivoli haben den Ehrgeiz weiter angestachelt. Eines Tages wollte Kühnel dabei sein.

Der Tag ist unerwartet früh gekommen. Alemannia ordnet sich wieder einmal neu mitten auf hoher See. Es gibt viele Verlierer und einige Gewinner wie Meik Kühnel. Anfang Januar unterschrieb er seinen ersten Profivertrag. Zwei Wochen später schaffte er den Abschluss als Groß- und Außenhandelskaufmann. In den letzten Tagen des Jahres 2015 war die Zuversicht gewachsen, dass er es schaffen kann. „Es hätte nicht besser laufen können“, sagt er im Rückblick. Die Dinge haben sich schneller als erhofft entwickelt, bis Mitte 2016 wollte er den Durchbruch schaffen. Wenn die Tür nach oben sich nicht geöffnet hätte, wäre er jetzt ein berufstätiger junger Mann, der in seiner Freizeit mit dem Ball unterwegs ist. So ist er ein junger Mann, dessen Beruf das Leben mit dem Ball ist. Kühnel hat nach absolvierter Ausbildung beschlossen, alle Energie dem Projekt Fußball-Karriere zu widmen.

Er plant in kleinen Schritten, Stammspieler will er werden, mit dem Verein weiterkommen. „In der Regionalliga sollte nicht Schluss sein.“ Das gilt für Alemannia – aber auch für ihn.


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