Auer: „Wir sind verpflichtet, oben mitzuspielen”

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Alemannia Aachen / Benjamin Auer
Fußballer ohne Ball: Benjamin Auer ist derzeit in der Warteschleife. Vermutlich wird der angeschlagene Torjäger auch am Sonntag beim Tivoli-Abschied gegen Werder Bremen fehlen. Foto: Eibner

Aachen. „Hey, que pasa, hombre?”, fragt Erik Meijer im Vorübergehen, als Mittelstürmer Benny Auer am Rande des Trainingsplatz mit Physiotherapeut Oliver Dipper ein gymnastisches Programm abspult. Was ist passiert? Eine Überlastung hatte zu einer Ansammlung von Flüssigkeit geführt und die Bewegungsmöglichkeiten stark eingeschränkt.

„Zum Schluss konnte ich mir nicht mehr die Schuhe binden, aber es wird von Tag zu Tag besser. Und ich bin froh, wenn ich bald wieder ins Training einsteigen kann. Mir tut schon der Hintern weh vom Radfahren”, schildert der 28-Jährige seine momentane Lage.

Alemannia wird auch in der anstehenden Saison auf seine Tore angewiesen sein, 16 Treffer, acht Vorlagen sprechen eine deutliche Sprache. „Dabei hatte ich eigentlich keine großen Erwartungen mehr, als ich nach Aachen gewechselt bin. Meine Zeit in Bochum war eine einzige große Enttäuschung, und ich will Spaß haben beim Fußball”, denkt Auer zurück.

Die Entscheidung, den Abzweig Aachen zu nehmen, fiel exakt zwischen Hochzeitsnacht und Kambodscha. Samstags geheiratet, sonntags ein Gespräch mit Jürgen Seeberger in Mannheim, montags in die Flitterwochen. „Diese Entscheidung habe ich aus dem Bauch heraus getroffen, nur mit meiner Frau habe ich darüber geredet. Und die Entscheidung war richtig”, bewertet Auer im Nachhinein den Schritt zurück, der ein Schritt nach vorn war.

Szilard Nemeth, den Auer immer noch als „besten Fußballer, mit dem ich jemals auf dem Platz stand”, bezeichnet ist mittlerweile nicht mehr nur Spielpartner, auch das Zimmer teilt sich das offensive Duo. „Menschlich verstehen wir uns hervorragend, und auf dem Platz weiß Szili immer, wohin ich laufe, er ist immer anspielbar und findet Lösungen.”

Besser Flöte spielen?

Lösungen und Erklärungen hat auch Benny Auer in der vergangenen Saison gefunden, wenn es mal nicht gut lief, hat „fehlende Klasse” moniert oder vorgeschlagen, man solle „besser Klavierstunden nehmen” als zu Auswärtsspielen zu fahren. „Diese Aussage kam beim Verein nicht so richtig gut an”, meint Auer ironisch grinsend, „beim nächsten Mal sage ich wohl besser Flötenunterricht”.

Der 28-Jährige ist jedenfalls keiner, der sich versteckt oder den Phrasendresch-Automaten anwirft in brenzligen Situationen. „Klare Worte sind immer besser als Schönrederei”, hat der Mittelstürmer seinen Standpunkt und kann auch sein Standing innerhalb der Mannschaft einschätzen. Die jüngeren Spieler blicken zu mir auf, meine Meinung zählt. Aber ich sehe mich nicht als Kapitän. Das sollte jemand sein, der das Spiel mehr vor sich hat”, nähert sich Auer der Frage von der praktischen Seite - um dann noch den üblichen Scherz anzuhängen: „Außerdem müsste ich dann viel zu oft dem Trainer Rede und Antwort stehen.”

Der schönste Platz des Torjägers

Auf die nächste Saison ist Benny Auer „schon richtig heiß” und freut sich auf die verbesserte Qualität des Arbeitsplatzes als Sturmführer. „Für einen Mittelstürmer gibt es nichts Schöneres als die Fankurve hinter dem Tor. Wenn einem dann ein Treffer gelingt und man direkt auf die jubelnden Anhänger zulaufen kann”, hat er bereits eine plastische Vorstellung vom Arbeitsalltag im neuen Tivoli.

Und dann blitzt sofort wieder die praktische Seite in seinem Charakter auf: „Eine einfache Saison wird es nicht für uns werden. Der Druck und die Erwartungen kommen von außen, von den Fans, vom Verein, von den Medien. Die Verschuldung mit dem neuen Stadion ist sehr hoch, da wird es schwierig zu sagen, wir können locker und befreit aufspielen. Wir sind verpflichtet, oben mitzuspielen.”
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