Auer sauer: „Tor und zwei Punkte geklaut”

Von: Klaus Schmidt
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Da war Alemannias Welt noch in
Da war Alemannias Welt noch in Ordnung: Bas Sibum (ganz vorne) feiert mit Seyi Olajengbesi seinen Führungstreffer in Braunschweig. Foto: Susanne Hübner

Braunschweig. Hinter dem Verein lag wieder eine Woche mit Themen, die keinen Klub begeistern. Neben dem Dauerlutscher „Wie kriegen wir endlich eine passende Stadionfinanzierung hin?” hatten sie sich bei Alemannia Aachen nun auch mit Gruppierungen zu beschäftigen, die das Fantum offensichtlich falsch verstanden haben.

Das führte bei der letzten Tour des Jahres zu der grotesken Maßnahme, im Braunschweiger Stadion an der Hamburger Straße zwei getrennte Blöcke für Schwarz-Gelb-Gewandete zu öffnen. Die gute Nachricht: Es blieb friedlich. Schön auch, dass Alemannia mit einem 1:1 beim bislang so starken Aufsteiger Eintracht zum vierten Mal in Folge ungeschlagen blieb. Auf Platz 14 überwintert die Mannschaft von Friedhelm Funkel, doch überbordende Freude packte die Delegation nicht in den Bus, bevor es Richtung Heimat ging.

Ja, vor dem Spiel, da wäre der Cheftrainer mit einem Punkt zufrieden gewesen. „Aber so, wie das Spiel gelaufen ist, bin ich es natürlich nicht.” Zwei Szenen reichten als Stimmungsdämpfer: Elf Minuten vor Schluss erkannte Eduard Beitinger, Assistent von Schiedsrichter Christian Leicher, auf Abseits. Dort stand Benny Auer jedoch nicht, als er eine Flanke von Timo Achenbach annahm und den Ball im Tor versenkte. Und dann nahm sich ausgerechnet der bis dahin so starke Kim Falkenberg eine Auszeit: Gegenspieler Reichel aus den Augen gelassen, Flanke, Ausgleich durch Kumbela in der 86. Minute.

„Sehr bitter”, gab Auer zu Protokoll und machte weniger dem Mannschaftskollegen einen Vorwurf als vielmehr der Spielleitung. „Wir können uns beim Schiedsrichter bedanken, der maßgeblich zu diesem Ergebnis beigetragen hat. Tor und zwei Punkte geklaut.” Natürlich war das „kein hochklassiges Zweitligaspiel”, doch Alemannia machte über weite Strecken alles richtig: tiefer stehen als gewöhnlich, Braunschweig die Initiative überlassen. Die Eintracht machte allerdings herzlich wenig daraus, geradezu einfallslos stapften die Gastgeber durch das Jahresfinale.

Und wenn Trainer Torsten Lieberknecht zuvor davon gesprochen hatte, dass seine Mannschaft „passend zu dem nassen und ungemütlichen Wetter noch einmal so richtig die Sau rauslassen” sollte, dann blieb am Ende des Tages festzuhalten: Das waren noch nicht einmal Ferkel, die da über den Platz trollten.

Mit einer hundertprozentigen Trefferquote ging Alemannia in die Halbzeit. Nach einem Freistoß von Achenbach in den Fünf-Meter-Raum war Bas Sibum zur Stelle und brachte Aachen in Führung. „Nicht wichtig für mich”, ob er sich jetzt zum Torjäger entwickle. „Wenn das Spiel so ausgeht, ist das schlecht.” Immer nur Unentschieden, „das reicht einfach nicht”.

Die Meinung von einer „gerechten Punkteteilung” hatte Lieberknecht vermutlich exklusiv, Kollege Funkel kam der Wahrheit deutlich näher: „Wir haben Braunschweig fast über 90 Minuten keinen Raum gegeben.” Der Plan, offensiv Nadelstiche zu setzen, kam in der zweiten Halbzeit deutlicher zum Vorschein: Yabo verpasste eine Freistoßvorlage von Achenbach nur knapp, und als Eintracht-Keeper Davari einen Ausflug aus seinem Strafraum unternahm, war Sergiu Radus Lupfer unterwegs zum 2:0; Reichel köpfte den Ball vor der Linie weg (82.).

Es bedurfte schon eines Aachener Blackouts, um die einfältigen Gastgeber in Jubelstellung zu bringen. „Kommt vor, darf nicht vorkommen”, sagte Friedhelm Funkel. Und hielt zum Jahresabschluss fest: „Wir sind nicht mehr so leicht zu schlagen wie zu Saisonbeginn.” Das ist doch was.

Alemannia kann den drohenden Punktabzug abwehren

Es gibt dann doch noch positive Nachrichten vom Tivoli. Der drohende Punktabzug oder eine mögliche Geldstrafe sind vom Tisch. Bis zum 13. Januar hatte der Zweitligist von der Deutschen Fußball Liga eine Frist eingeräumt bekommen, um darzulegen, wie die aufgelaufene Unterdeckung kompensiert werden kann.

Bislang liegt der Klub bereits 800.000 Euro hinter seinem Etatansatz, bis zum Saisonende wird die Summe auf eine Million Euro angewachsen sein.

Dem Klub ist nach Informationen dieser Zeitung eine Tilgungsaussetzung bei den kreditgebenden Banken gelungen, um das nächste Loch zu stopfen. „Wir sind auf einem guten Weg, die Auflage der DFL zu erfüllen”, so Geschäftsführer Frithjof Kraemer am Sonntag auf Nachfrage. (pa)
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