Armand Drevina: „Ich war ‘ne Pflaume, ich konnte gar nichts“

Von: Klaus Schmidt
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Ein „Beißer“, wie ihn jedes Team braucht: Alemannia-Youngster Armand Drevina, hier als Abfangjäger für den Offenbacher Marcel Avdic. Foto: imago/Jan Huebner

Aachen. Manchmal sind es ja die scheinbaren Nebensächlichkeiten, aus denen sich viel schließen lässt. „Der sitzt im Bus mittlerweile hinten bei den Älteren“, berichtet René van Eck, auch das ein Zeichen für den Cheftrainer von Alemannia Aachen, „dass der Junge seinen Platz eingenommen hat. So lange er mich nicht von meinem Sitz wegschickt...“

Der „Junge“ heißt Armand Drevina, gerade 19 geworden und bereits nach sieben Profispielen nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. „Das hätte ich vor drei, vier Monaten auch nicht gedacht“, sagt der Wühler aus dem Mittelfeld. „Klar freut man sich darüber“, wenn der Coach anmerkt, Drevina habe „schon gefehlt“, als er gesperrt oder vergrippt war. „Aber man darf nicht überheblich sein. Das nächste Spiel steht schon vor der Tür“, Samstag (14.00 Uhr) bei der SpVgg Unterhaching.

Mit ziemlicher Sicherheit würde diese Geschichte nicht geschrieben ohne Helmut Frenken. Armand Drevina, dessen Eltern 1990 aus dem Kosovo nach Heinsberg kamen, ging als Zehnjähriger zum ersten Mal mit zum Fußball. „Mein Bruder hatte schon ein Jahr vorher angefangen, und viele aus meiner Klasse spielten beim BC Oberbruch.“ Das erste Rendezvous verlief allerdings ernüchternd. „Ich war ‘ne Pflaume, ich konnte gar nichts. Ich war froh, dass ich geradeaus laufen konnte.“ Der Ball war ein natürlicher Feind, nur der Freunde wegen blieb Drevina beim OBC – und nahm dank Helmut Frenken eine für unmöglich gehaltene Entwicklung. Der Jugendtrainer brachte dem scheinbar Talentfreien nach und nach ein paar Dinge bei, die man mit dem Ball anstellen kann. „Ich habe Helmut Frenken viel zu verdanken, wir haben auch heute noch Kontakt.“

Armand Drevina fand seine Position zunächst als „Zehner“, Zinédine Zidane war sein Vorbild, dann richtete er sich als „Sechser“ ein. Über die Mittelrhein-Auswahl spielte er sich in den Fokus des 1. FC Köln, der Drevina zum Probetraining einlud, und von Alemannia, die ihn im Januar 2008 verpflichtete. Mit der U 17 stieg er aus der Bundesliga ab, war aber „froh, in die U 19 übernommen zu werden“. Dort trug er in einer famosen Rückrunde zum Klassenerhalt bei.

Ein bisschen eingeschüchtert

Im vergangenen Sommer trainierte der Kapitän der A-Junioren erstmals mit den Profis. „Dann habe ich erst mal nichts mehr gehört“, bis zu den Herbstferien – und zwei Tage vor dem Spiel bei Hansa Rostock überbrachte Reiner Plaßhenrich den Marschbefehl: „Du gehörst zum Profikader.“ Vater Drevina vermutete zunächst, „vielleicht haben die sich vertan“, doch dann stand Armand tatsächlich im Ostseestadion, „ein bisschen eingeschüchtert. Ich kannte ja nur Kulissen von höchstens 100 Zuschauern und habe gedacht: Was machst du, wenn du wirklich spielst, vor 10.000?“

Seine Drittliga-Premiere erlebte Drevina einen Monat später, Mitte November, eingewechselt fünf Minuten vor Schluss beim VfB Stuttgart II (1:2). Und seitdem gehört er zur Startelf. „Armandi“, so nennt ihn René van Eck, „ist ruhig am Ball, er traut sich was zu, rüttelt mit seinen Aktionen die Mannschaft wach. Egal, wer vor seine Füße kommt. Man hat das Gefühl, er spielt schon ein paar Jahre auf dem Niveau.“ Allerdings: „Er sollte aufpassen, dass er sich nicht in jedem Spiel die Gelbe Karte holt.“ Nur beim Debüt gab es keine Verwarnung, in Rekordzeit setzte es die erste Sperre. „Aber wenn man viel arbeitet . . .“, sagt Drevina. „Privat bin ich kein Hitzkopf, auf dem Feld ein bisschen.“

Der Junge ist völlig unerschrocken. „Ich bin ja kein robuster Spieler, aber da darf man keine Angst haben und nicht zurückziehen. Und mit 18,19 bekommt man nicht so oft die Chance bei den Profis. Wenn du verkrampfst, bist du schnell wieder raus.“ Nur drei Mal in der Woche trainiert Drevina „oben“, der Schule wegen. In diesem Jahr baut er am Gymnasium Hückelhoven sein Abitur, auch hier stimmen die Leistungsdaten bei einem Notenschnitt von 1,6. Freitag standen noch vier Stunden Unterricht auf dem Plan. Dann machte sich Armand Drevina auf zur Abfahrt nach Unterhaching, hinten im Mannschaftsbus, bei den „Älteren“.

Voraussichtliche Aufstellung: Flekken – Wilschrey, Brauer, Herröder, Strujic – Andersen, Schumacher, Drevina – Marquet, Thiele, Heller

Schiedsrichter: Norbert Giese (Großräschen)

Punktspielbilanz gegen Unterhaching: 11 Spiele – 6 Siege, 1 Remis, 4 Niederlagen (21:15 Tore)

TV: Livestream auf br.de

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