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Arbeitsgericht stellt Aussem wieder ein

Von: Christoph Pauli
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Bildnummer: 11344208 Datum: 01.09.2012 Copyright: imago/Pressefoto Baumann Stuttgart Fußball Herren 3. Liga Saison 2012 2013 Alemannia Aachen von links: Trainer Ralf AUSSEM - Co Trainer Michael BURLET ; GER 2013 xns x0x 2012 quer Männer Herren Ballsport Dritte Liga 3. Liga Portrait Porträt Image number 11344208 date 01 09 2012 Copyright imago Baumann Stuttgart Football men 3 League Season 2012 2013 Alemannia Aachen from left team manager Ralf Aussem Co team manager Michael Burlet ger 2013 xns x0x 2012 horizontal Men men Ball sports Third parties League 3 League Portrait Portrait
Ralf Aussem
Die Kündigung, die Alemannia Aachen seinen drei verantwortlichen Cheftrainern (im Bild Ralf Aussem) Anfang September aussprach, ist unwirksam. Foto: dpa
Auusem Gericht
Ralf Aussem, Michael Burlet und Hans Spillmann Foto: Christoph Pauli

Aachen. In der Hinrunde war die Partie gegen die Stuttgarter Kickers das Abschiedsspiel der Aachener Trainer. Nach einem finsteren 1:3 setzte Alemannias Manager Uwe Scherr den drei Trainern Ralf Aussem, Michael Burlet und Hans Spillmann entschlossen den Stuhl vor die Tür. Ein paar Stunden vor dem Rückspiel gegen den Aufsteiger sind die drei wieder da.

Das Aachener Arbeitsgericht setzte die Kündigung vom 3. September am Freitag außer Kraft, das Trio muss zu den bisherigen Bedingungen bis zum Vertragsende wieder eingestellt werden, urteilte die Kammer. Alemannia muss Chef-, Co- und Torwarttrainer weiterbeschäftigen. Der Streitwert lag bei Aussem bei 37.000, bei Burlet bei 20.000 und bei Spillmann bei 12.000 Euro.

Orientiert an den DFB-Musterverträgen hatte der Klub nach dem Abstieg mit Aussem und seinem Co-Trainer Burlet im Sommer eine Klausel vereinbart. Die sah vor, dass im Kündigungsfall jeweils drei Brutto-Monatsgehälter gezahlt werden (drei- bzw. sechsfacher Regelsatz). Im Gegenzug sollten die Trainer allerdings auf Kündigungsschutzklagen verzichten.

Daniel Schacht, Rechtsbeistand der Kläger aus Essen, empfand diese Klausel als „ungewöhnlich“. Und auch die Kammer unter dem Vorsitz von Richterin Eva Naumann hielt den vereinbarten einseitigen Klageverzicht für „unwirksam“. „Dem Arbeitnehmer wird in unzulässiger Weise das gesetzlich verbriefte Recht entzogen, sich gegen unberechtigte Kündigungen zu Wehr zu setzen.“

Auch die Gründe der „verhaltensbedingten Kündigung“ fand wenig Beifall vor Gericht. Alemannia hatte „taktische Fehler, Erfolglosigkeit“ angeführt. Zudem hätten sich zwei Drittel der Mannschaft gegen das Trainerteam ausgesprochen. Für die Kammer war die Begründung zu pauschal, zumal keinerlei schriftliche Abmahnungen vorlagen.

Im Herbst waren die Schlichtung beim DFB und ein Gütetermin bei Gericht gescheitert. „Natürlich geht es den Klägern um Geld“, sagte Alemannias Rechtsbeistand Benjamin Bürrig. Damals sollen wesentlich höhere Summen gefordert worden sein als vertraglich verankert. Im Herbst war Alemannia bereit, die drei Monatsgehälter zu zahlen. Inzwischen ist die finanzielle Lage deutlich dramatischer, so dass eine Einigung am Freitag im Gerichtssaal schon mangels Masse ausfiel.

„Es gibt keinen Grund, die Kläger anders als andere Gläubiger zu behandeln“, lehnte Bürrig eine Sonderregelung ab. Auch eine sportliche Weiterbeschäftigung scheiterte im Herbst. Scherr lehnte den Spillmann-Vorschlag nach der Kündigung ab, wenigstens den Keeper-Nachwuchs am Tivoli anzuleiten. Auch Burlet hatte eine Rückkehr zu Alemannia angeboten – ohne Reaktion.

Alemannias ehemalige und neue Trainer wollten das Urteil am Freitag nicht kommentieren, ob der Verein in die nächste Instanz geht, ist noch offen. „Es ist frustrierend, dass das Arbeitsrecht nicht akzeptiert, dass im Sport andere Gesetzmäßigkeiten gelten. Dort geht es primär um das Gesetz des Erfolges“, so Bürrig.

Das Urteil – sofern es rechtskräftig wird – hat aber eher skurrile Auswirkungen für die Punktsieger am Freitag. Die Kläger könnten unverzüglich per Zwangsvollstreckung ihre Weiterbeschäftigung bis zum Vertragsende (30. Juni 2014) durchsetzen. Aussem & Co. müssten ihre Arbeitskraft wieder Alemannia anbieten, der insolvente Verein müsste sie wieder beschäftigen, ohne sie entsprechend entlohnen zu können.

Dabei hat Aussem längst mit Viktoria Köln einen guten neuen Arbeitgeber gefunden. Die Trainer haben aber auch die Möglichkeit, sobald das Urteil rechtskräftig ist, binnen einer Woche zu erklären, dass sie das Arbeitsverhältnis, um das sie monatelang gestritten haben, gar nicht fortsetzen wollen.

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