An fast allen Schrauben gedreht

Von: Roman Sobierajski
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Startformation geändert, Spie
Startformation geändert, Spielsystem umgestellt, ein Heimspiel in Auswärtstrikots. Gegen Rostock soll nun die Punkteverteilung anders werden. Foto: imago/Reichwein

Aachen. Eigentlich hatte Aachens Trainer Peter Hyballa schon vor dem Spiel gegen Energie Cottbus an fast allen psychischen Stellschrauben der Motivationskunst gedreht, um den Spielern den Ernst der Lage klarzumachen: Das Team war trotz des Heimspiels am Freitagabend im Hotel zusammen, es gab eine lange Besprechung zur Einstimmung auf den absehbar unangenehmen Gegner.

Und die vierte Liga-Niederlage dürfte weder dem gemeinsamen Bierchen, noch der Motivationsansprache an die Mannschaft - diesmal nicht durch den Trainer, sondern durch Kapitän Benny Auer - oder dem ungewohnten Auflaufen in der Auswärtskluft geschuldet sein.

„Gegen Cottbus zu spielen, ist nun mal kein purer Hochgenuss”, hat Hyballa den ersten Durchgang analysiert. „Da sind zwei Mannschaften aufeinander gestoßen, die keine Fehler machen wollten.” Ein Vorhaben, das angesichts der torlosen ersten 45 Minuten offenkundig funktionierte. „Ich war nicht zufrieden, habe es aber so mit in die Kabine genommen.” Was folgte, waren zwei dumme Gegentore gegen einen unbequemen und abgezockten Gegner.

Torabschlüsse geübt

Spätestens seit Dienstag ist im Training die Aufarbeitung der Misere beendet, der Blick richtet sich auf das Spiel gegen Rostock. „Wir haben versucht, das Bremspedal zu lösen, den Torabschluss geübt und mehr Freiheiten gegeben”, beschreibt Hyballa das Vorgehen. Wird schnell umgeschaltet, dann soll das Team auch voll auf Risiko gehen. Ergibt sich keine Möglichkeit, dann wird auf Nummer sicher abgebrochen. Die Variationsmöglichkeiten sind weniger geworden.

Denn ging in der vergangenen Saison gar nichts, blieb immer noch eines: Ein langer „blinder” Ball mit dem pfeilschnellen Hoffnungs-Adressaten Zoltan Stieber. Ging in der vergangenen Saison gar nichts, gab es noch eine zweite Möglichkeit: Vertrauen in Marco Höger, das Hoffen auf seinen überraschenden Pass, seine Einzelaktion, seinen Abschluss. Beides Schnee von gestern. „Höger war mein Spieler, den habe ich entwickelt. Jetzt bleibt die Frage, ob man mir die Zeit lässt, wieder einen solchen Spieler entwickeln zu können”, sinniert Hyballa, der die Gepflogenheiten der Branche natürlich kennt. Fußball ist ein Erfolgsgeschäft, keine Entwicklungshilfe.

Wo kann man noch den Hebel ansetzen? „Ich will jetzt auch nicht alles umstoßen, sonst denken die Spieler, der Alte kriegt Kittelbrand”, übt sich der 35-Jährige in der gewohnten Jugendsprache. Heißt übersetzt: Schwächen, das gilt für Gegner, Mitspieler und Trainer gleichermaßen, werden im Profifußball gnadenlos zum eigenen Vorteil genutzt und bestraft.
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