Am Tivoli beginnt die große Zeit der Taschenrechner

Von: Christoph Pauli
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Kann Alemannia noch einmal zu einem Höhenflug abheben? Fabian Graudenz ist der beste Torschütze der Mannschaft. Foto: sport/Eibner

Aachen. Am Tag danach waren alle Taschenrechner in der Region vergriffen. Wer hätte das gedacht, dass der Endspurt in der Regionalliga West noch einmal ein Fest für Mathematiker und Statistiker werden könnte?

Alemannia hatte sich von der Meisterfeier durch zwei Niederlagen in Kray und bei Schalke II beinahe endgültig ausgesperrt, doch an diesem Dienstagabend patzte der Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach II in Rödinghausen – und schon beginnt wieder die schöne Rechnerei. Gladbach liegt drei Punkte und fünf Tore in Front. „Sie haben die Tür ein bisschen aufgelassen, wir sollten da einen Fuß hineinstellen“, sagt Aachens Trainer Peter Schubert. Natürlich braucht Alemannia immer noch Schützenhilfe, aber warum sollten die heimstarken Oberhausener an diesem 31. Spieltag dem Primus nicht ein Bein stellen? Solche Rechnungen gehen nur auf, wenn Alemannia selbst am Donnerstagabend um 19.30 Uhr den ärgsten Verfolger Viktoria Köln auf Abstand hält.

Sportlich ist das ein „Hochrisikospiel“, denn beide Teams brauchen die drei Punkte, um weiter träumen zu können. Sie müssen das Risiko suchen. „Es wird ein Spiel mit offenem Visier“, sagt Schubert, der Donnerstag nur auf Roberto Guirino verzichten muss, der sein Debüt am Tivoli vermutlich auf die nächste Saison verschieben muss. Dominik Ernst (Oberschenkel) und Dennis Dowidat (Magen-Darm) pausierten am Wochenanfang. Aber vielleicht läuft zum dritten Mal in Folge die gleiche Alemannia-Elf auf.

Das gute alte Torverhältnis könnte auf der Zielgeraden noch einmal eine Rolle spielen. Für die Torausbeute ist primär Fabian Graudenz am Tivoli zuständig. Acht Saisontore peilte der Neuzugang an. Inzwischen hat er zehn Tore erzielt bei 28 Einsätzen. Besitzer von Taschenrechnern haben herausgefunden, dass er alle 180 Minuten trifft. Meistens waren seine Treffer das Brecheisen für die Partie, der 23-Jährige war häufig zuständig für Alemannias 1:0.

Diese verlorene Partie bei Schalke hing noch ein paar Tage in den Kleidern, sagt Graudenz. „Wir haben gut gespielt, können uns nur vorwerfen, dass wir die Chancen nicht genutzt haben.“ Das galt auch für den Angreifer, der sonst so eiskalt vor dem Tor reagiert, dass es einen bereits beim Zusehen fröstelt. „Dieses Spiel hat uns erst einmal heruntergezogen.“ Der Stimmungsaufheller kam aus Rödinghausen, wo Alemannia am nächsten Wochenende auflaufen wird.

Die Mannschaft erfuhr am Dienstag nach dem Abendtraining davon, dass die Liga ihr eine weitere Chance gewährt. Graudenz kann das Restprogramm der drei Titelkandidaten aus dem Stegreif rezitieren. Aber „Tipps“ will er auch als ausgewiesener Liga-Insider nicht abgeben. „Völlig unberechenbar.“ Die Mannschaft hat sich geschworen, noch vier Siege einzufahren. „Und dann schauen wir mal, womit wir damit landen.“

Der Vertrag von Graudenz verlängert sich nur im Aufstiegsfall. Er hat sich noch nicht entschieden, ein neues Angebot in Aachen anzunehmen. „Es liegt nicht am Geld“, sagt er. „Ich bin sehr gerne hier.“ Er will ein gutes Gefühl für die nächste Saison entwickeln, will wissen, wer die Mannschaft trainieren wird. Keinen Hehl macht er daraus, dass er gerne mit Peter Schubert zusammenarbeitet.

Zukunftsmusik. Erst einmal muss Viktoria Köln abgeschüttelt werden. Seit elf Partien ist das Team von Tomasz Kaczmarek ungeschlagen, aber das schreckt niemanden in Aachen. „Wir sind heimstark, der Tivoli ist unsere Festung“, sagt Fabian Graudenz. Auch das ist eine Errungenschaft dieser unberechenbaren Saison. Man muss wieder mit Alemannia rechnen.

Mögliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Hackenberg, Hoffmann, Lejan - Demai - Müller, Jerat, Dowidat - Graudenz, Behrens

Schiedsrichter: Thorben Siewer (Drolshagen)

Bilanz: 3 Spiele/1 Sieg/2 Niederlagen/1:3 Tore

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