Alles unter den Augen des Kontrolleurs

Von: Roman Sobierajski
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Aachen. Die Vorschrift ist eindeutig: Fußball-Spieler, die zur Doping-Kontrolle ausgelost wurden, müssen „unmittelbar nach Spielende direkt vom Spielfeld zum Raum für die Doping-Kontrolle gebracht werden”. So schreibt es Paragraph 7 der Anti-Doping-Richtlinien des Deutschen Fußball-Bundes vor.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Der Nationale Anti-Doping-Code, an den die Richtlinien des DFB angelehnt sind, führt unter „Rechte des Athleten” auch das „Ersuchen um ein späteres Erscheinen in der Dopingkontrollstation aus berechtigten Gründen” auf und führt als mögliche Punkte auch Siegerehrungen, Medien-Verpflichtungen, Auslaufen, medizinische Behandlung oder „andere unvorhergesehene und rechtfertigende Umstände” auf.

Hauptsache, der Test-Kandidat bleibt unter den Augen des Zuständigen für die Kontrolle. Geht die Fußball-Bundesliga nun nachlässig mit den Vorschriften um, wie Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick behauptet hat, oder erfüllt sie ihre Verpflichtungen?

„Keine läutende Glocke”

„Bei uns wird den Vorschriften sehr straff nachgekommen”, erklärt Christian Schmidt, Arzt, Torwarttrainer und Doping-Beauftragter bei Alemannia Aachen, „wir haben ja selbst eine kleine Doping-Vergangenheit mit Daniel Gomez und sind deshalb von oberster Stelle im Verein extrem sensibilisiert worden.”

Auch Sprecher von anderen Vereinen weisen die Vorwürfe von sich. „Uns sind die Regeln bekannt, wir achten penibel darauf, dass sie eingehalten werden”, meinte Schalkes Geschäftsführer Peter Peters. „Was Herr Rangnick beobachtet haben will, kann ich nicht bestätigen”, erklärte Ronny Gersch für Energie Cottbus.

„Es gibt keine Glocke die läutet, um anzuzeigen, wann genau ein Spieler den Kontrollraum erreicht haben muss”, erklärt Christian Schmidt den Ablauf eines solchen Tests. „Natürlich ist es erlaubt, dass sich ein Spieler nach dem Schlusspfiff mit seinen Mannschafts-Kameraden abklatscht oder sich von den Fans verabschiedet, aber wir achten schon darauf, dass die Spieler zügig zum Testen gehen.”

Die ausgelosten Spieler bekommen dann ein rotes Formular in die Hand, das sie unterschreiben müssen, und gehen mit in den Kontrollraum. „Und wenn jemand ein frisches T-Shirt braucht, kann er sich das in den Kontrollraum bringen lassen”, meint Schmidt.

Mit im Kontrollraum befinden sich der Doping-Kontrolleur und - nach dem Vier-Augen-Prinzip - eine weitere Begleitperson, sowie die Doping-Beauftragten der Vereine. Zur Kontrolle werden 15 Minuten vor Spielschluss je zwei Spieler pro Mannschaft plus ein Ersatzmann ausgelost, falls etwa ein ausgeloster Spieler im Krankenhaus behandelt werden muss.

„Dauert eine Kontrolle extrem lange, können alle Beteiligten auch in die dann schon leere Kabine umziehen, wo der Spieler dann auch Duschen kann - natürlich unter den Augen des Doping-Kontrolleurs”, schildert Schmidt mögliche Abweichungen.

Keine weiteren Ausnahmen von von der strikten Regel? „Ich bin jetzt seit vier Jahren Doping-Beauftragter des Vereins”, blickt Christian Schmidt auf seinen Erfahrungsschatz zurück, „das läuft immer nach dem gleichen Schema, auch auswärts.”
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