Alemannias Trainer: „Unsere Arbeit wird nicht gewürdigt“

Von: Christoph Pauli
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Redaktionsbesuch: Alemannias Trainer Peter Schubert (r.) erläutert seine Sicht der Dinge. Foto: Jaspers

Aachen. Es brodelt in ihm. Einerseits will Alemannias Trainer Peter Schubert dem Eindruck, den sein Sportdirektor Alexander Klitzpera wiedergegeben hat, vehement widersprechen. Er fühlt sich und seine Motive falsch dargestellt.

Andererseits aber will er nicht unnötig Öl ins Feuer gießen, weil die Debatte zur Unzeit öffentlich ausgetragen wird. Das ist der Spagat, den der 48-Jährige beim Redaktionsbesuch am Mittwoch bewältigen musste.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Alexander Klitzpera seit seinem Amtsantritt im Februar entwickelt?

Schubert: Erfahren habe ich im Dezember, dass es „irgendwann mal“ einen Sportdirektor geben wird. Die Gespräche mit Alexander liefen nach meinen Informationen schon im September. Er ist dann Anfang Februar vorgestellt worden. Bei dem Termin hat er angekündigt, dass er sich auf die Bank setzen will bei Spielen. Das mag sein Recht sein, die Vorgehensweise haben wir als nicht sonderlich glücklich empfunden.

Ich habe ihn gebeten, dies beim Spiel in Düsseldorf noch zu unterlassen. Seine Inthronisierung kam für das Team etwas überfallartig. Wir hätten es bevorzugt, wenn man sich noch etwas besser kennengelernt hätte. Er sah es anders. Er ist dann beim Spiel in Düsseldorf vor dem Anpfiff und in der Halbzeit für uns überraschend in der Kabine aufgetaucht. Das war für Team und Trainer schwierig, weil sich die Stimmung mit seiner Anwesenheit natürlich ändert. Außer Reiner kannte ihn niemand, alle fühlten sich beobachtet.

Haben Sie es damals verstanden, dass in ein funktionierendes Gebilde eingegriffen wurde und es neue Verantwortlichkeiten seit Februar gibt?

Schubert: Perspektivisch macht es Sinn. Zu dem Zeitpunkt bestand jedoch die Gefahr, dass vieles in Unordnung gerät. Übrigens habe ich unverändert einen Vertrag als sportlich Verantwortlicher und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Es wurde nie über eine Änderung gesprochen.

Wie ging es damals weiter?

Schubert: Ich habe um ein Gespräch nach dem Düsseldorf-Spiel gebeten. Im Rahmen dieser Unterhaltung habe ich dann für mich überraschend sofort das erste Vertragsangebot bekommen. Ich habe es zunächst sacken lassen. Es war aber schnell klar, dass das so nicht funktionieren kann.

Warum nicht?

Schubert: Unstrittig habe ich einen Vertrag im Aufstiegsfall für die Dritte Liga. Das neue Angebot beinhaltete aber eine Kürzung des Grundgehaltes um 25 Prozent. Die Einbuße sollte durch eine Aufstiegsprämie in die 2. Liga kompensiert werden. Ich bin Realist, aber kein Fantast.

Der Sportdirektor führt aus, dass er auf freiwilliger Basis sofort eine Ungerechtigkeit für die Trainer behoben habe. Nach unserer Kenntnis hat er die Punktprämie des Stabes auf das Niveau der Mannschaft angehoben.

Schubert: Er hat das mit dem Hinweis gemacht, dass eine Angleichung richtig und üblich sei. Diese Zusage hatten wir übrigens schon vor dem Essen-Spiel und der Verpflichtung Alexander Klitzperas.

Nachdem Sie das erste Angebot abgelehnt haben, hat es einen Meinungsaustausch gegeben. Der Sportdirektor betont, dass er im nächsten Angebot sehr viele Wünsche von Ihnen berücksichtigt habe.

Schubert: Ich habe gesagt, dass ich den laufenden Vertrag für die Dritte Liga nicht verändert haben möchte. Folglich gab es nur ein Angebot für die Regionalliga. Der Vertrag wäre ein Jahr gelaufen, hätte sich nur im Aufstiegsfall verlängert. Ich habe vergeblich vorgeschlagen, dass sich der Vertrag ab einer gewissen Tabellenplatzierung verlängert. Alexander sah das anders. Ich hätte aber gerne für mich und meine Familie etwas Planungssicherheit.

Aber das Grundgehalt war in der nächsten Offerte angehoben?

Schubert: Auf meine Bitte hin wurde es leicht angehoben, dafür wurden die Prämien gekürzt. Mitgeliefert wurde eine Berechnung, dass ich mich ab 60 Punkten nicht verschlechtere. Das Risiko sollte verlagert werden. Alle Spieler bekommen Verträge mit mehrjährigen Laufzeiten angeboten. Warum ist es bei den Trainern, die erkennbar gute Arbeit geleistet haben, anders? Das verstehe ich im Kontext nicht, deswegen habe ich abgelehnt. Da soll jeder Leser selbst entscheiden, ob es eine unverhältnismäßige Forderung ist.

Gab es nicht die Idee, einen mehrjährigen Vertrag abzuschließen, der den Verein im Falle der Trennung absichert?

Schubert: Darüber wurde nicht gesprochen. Generell hat Wertschätzung auch nicht immer etwas mit Geld zu tun, sondern auch mit Umgang, mit Empathie und Respekt. Jetzt schimmert in den Ausführungen von Alexander Klitzpera durch, dass die Spieler zu teuer, die Vertragskonstellationen kompliziert seien. Unsere Arbeit wird nicht gewürdigt. Aber: Wir sind erfolgreich, wenn ich das sagen darf, und bei uns bekommt keiner überzogene Gehälter für die Regionalliga. Warum versetzt man sich nicht bei Verhandlungen mal in die Position des Gesprächspartners, warum schlägt man die Türe zu? Warum arbeitet man nur mit Druck, warum versteht man nicht, dass Spieler länger abwägen wollen? Das vermisse ich. Mit dem Holzhammer feiert man selten Erfolge.

Es wird der Eindruck erweckt, dass Trainer und teilweise Spieler völlig abgehobene Gehaltsvorstellungen haben.

Schubert: Mein Gehalt ist für die Regionalliga in Relation sicher nicht überdimensioniert. Es gibt Klubs, die mehr zahlen. Und natürlich gibt es auch Klubs, die weniger zahlen, teilweise aber auch geringere Anforderungen haben.

Wie ist aktuell der Kontakt zwischen den Machern?

Schubert: Ich habe am 13. März das Angebot ausgeschlagen, seitdem gehen wir professionell miteinander um. Über das Thema wurde nicht mehr mit mir gesprochen.

Laut Klitzpera ist der Spielraum ausgereizt, und es wird kein neues Angebot geben.

Schubert: Die Konsequenz ist klar: Wenn wir aufsteigen, verlängert sich mein Vertrag, ansonsten trennen sich unsere Wege im Sommer.

In dieser sensiblen Phase herrscht plötzlich Unruhe im Verein. Werden die Chancen dadurch gemindert?

Schubert: Wir wollen aufsteigen. Wir haben das nie öffentlich gemacht, aber sieben Spieltage vor dem Ende wäre alles andere nicht zu verstehen. Die Mannschaft hat einen fantastischen Charakter und viele Spieler haben sich fußballerisch weiterentwickelt. So hat sich die Mannschaft ganz professionell auch in den letzten Wochen von den Nebengeräuschen nicht beeindrucken lassen. Aber durch diese Aktion ist es nicht leichter geworden. Ich kann es nicht verstehen, dass es so unprofessionell abläuft. Das habe ich so noch nie erlebt.

Der geschilderte Umgang mit Ihnen steht im Widerspruch zur klaren Absichtserklärung zum Beispiel von Thomas Deutz, mit den Erfolgstrainern verlängern zu wollen. Was ist also in den letzten zwei Monaten passiert?

Schubert: Ich habe keine Erklärung. Ich habe nicht den Anspruch, alles richtig zu machen. Trotzdem hat vieles sehr gut geklappt. Der Verein hat wieder Boden unter den Füßen, klopft nach nur zwei Jahren an die Dritte Liga an. Unsere Bilanz ist positiv.

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