Alemannias Trainer Schubert: „Intern ist wieder Demut eingezogen“

Von: Christoph Pauli
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Da geht´s lang: Peter Schubert gibt am Tivoli die neue Richtung vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit insolventen Klubs kennt sich Peter Schubert seit seiner Zeit beim VfB Lübeck aus. Alemannias Trainer zieht ein Zwischenfazit zwei Wochen vor dem Saisonauftakt gegen Fortuna Köln.

Wie schwer ist es, Spieler für einen insolventen Verein zu begeistern?

Schubert: Als Lübeck insolvent wurde, wurden die Regionalligen gerade neu strukturiert, es herrschte Unsicherheit. Diese Erfahrungen hat man jetzt. Eine Parallele ist, dass man das Insolvenz-Szenario Spielern und Beratern verdeutlichen muss. Es bedarf mehr Überzeugungskraft. Als Name zieht Alemannia deutlich besser als damals der VfB Lübeck. Wenn Spieler den Namen hören, das Stadion und die Trainingsmöglichkeiten sehen, wirkt das schon.

Was kündigen Sie in den Gesprächen für eine Saison an?

Schubert: Wir wollen uns sportlich konsolidieren. Jeder Spieler soll sich weiterentwickeln, das wird auch der Mannschaft weiterhelfen. Aber ein tabellarisches Saisonziel geben wir nicht aus.

Die Regional- gilt als Amateurliga. Arbeiten Sie in Wahrheit nicht unter professionellen Bedingungen?

Schubert: Das gilt speziell in der Regionalliga West. Hier gibt es nur drei, vier Vereine, die unter Amateurbedingungen arbeiten.

Spürt der Trainerstab, dass es dem Verein schlecht geht, mussten Sie elementare Abstriche im Medizin-oder Scoutingbereich machen?

Schubert: Es wird der Regionalliga angepasst, ist aber noch auf einem guten, ausreichenden Niveau. In der Außenwahrnehmung sind wir gefühlt immer noch ein Zweitligist, intern ist Demut eingezogen. Wir wissen, wo wir uns befinden, und wir sollten die Fehlentwicklung der letzten Jahre nicht ignorieren. Auf dieser Basis müssen wir den Boden finden, um uns als Verein wieder zu entwickeln.

Die Trainer sind „Spätberufene“, wurden erst vor ein paar Wochen ernannt. Merken Sie, dass die Regale im Spielersupermarkt schon ziemlich leergefegt sind?

Schubert: Es gibt auch jetzt noch viele Spieler auf dem Markt. Aber sicherlich sind wir bei dem ein oder anderen Spieler mit einer gewissen Grundqualität zu spät drangewesen. Da hat es leider zu wenig Vorarbeit gegeben. In diesem Geschäft musst du immer mit Alternativen arbeiten, weil es keine Sicherheiten gibt. Das war nicht optimal vorbereitet.

Hat es wenigstens eine Übergabe mit dem Ex-Manager Uwe Scherr gegeben?

Schubert: Es war nicht mehr möglich. Er war nur noch einmal hier vor Ort. Es gab telefonischen und SMS-Kontakt, aber der ist irgendwann auch versandet.

Haben Sie Wunschspieler nach Aachen lotsen können?

Schubert: Wir wollten eine gewisse Persönlichkeit und Präsenz in der Innenverteidigung haben, dem kommt Peter Hackenberg schon nahe. Wir wollten sehr gerne mit Marco Neppe arbeiten, der Führungskompetenz mitbringt und sich in der Regionalliga auskennt. Wir wollten Abedin Krasniqi sehr gerne verpflichten. Da hat einiges geklappt, und vorher sind ja auch bereits gute Spieler in Absprache geholt worden.

Was ist das für eine Mannschaft, die da heranreift?

Schubert: Eine sehr spannende. Wir haben versucht, darauf zu achten, dass sie zueinander passen. Sie sollen sich auf und neben dem Platz verstehen, sie sollen eine gemeinsame Idee tragen.

Welche fußballerische Idee steckt dahinter?

Schubert: Wir wollen aus einer guten, stabilen Defensive unsere Angriffe entwickeln, wir legen Wert auf ein gutes Umschaltspiel in beide Richtungen. Wir wollen uns erarbeiten, in welchen Zonen wir den Gegner stellen und wie wir unsere Offensive anlegen wollen. Aber konkret will ich nicht ins Detail gehen.

Was fehlt der Mannschaft noch?

Schubert: In der Trainingsarbeit erkennst du, welcher Typus noch helfen könnte. Deswegen haben wir zwei weitere Spieler dazugeholt. Vom Goslarer SC kommt Stürmer Mazan Moslehe (23), der in der HSV-Jugend groß wurde. In der letzten Saison hat er in der Regionalliga Nord in 26 Spielen neun Treffer erzielt und drei vorbereitet. Aus Babelsberg kommt der gelernte Innenverteidiger Niko Opper (21) dazu, der aus der Jugend von Leverkusen kommt. Und wir haben noch ein paar andere Spieler fix, die wir noch nicht bekanntgeben können.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit trifft das Team am Sonntag um 19 Uhr am Tivoli auf Schalke 04.

Schubert: Ich hätte mir mehr Werbung und Aufmerksamkeit gewünscht, schließlich gastiert da ein sehr namhafter Gegner. Und auch für die neue Alemannia-Mannschaft könnte eine gute Kulisse ein weiterer Schub sein.

Die Frage nach den Patienten Thomas Stehle oder Sascha Rösler darf nicht fehlen.

Schubert: Mit beiden ist gesprochen, sie absolvieren ihre Reha. An deren Ende müssen sie für sich entscheiden, ob es noch Sinn macht. Sie haben beide keine leichten Verletzungen. Eine zeitliche Prognose kann ich nicht geben.

Wie komplett ist der Kader nun bestückt?

Schubert: Wir planen mit 20 Feldspielern und drei Torhütern, bis auf einen Feldspieler sind wir komplett. Aber immer noch rufen dutzende Manager an und präsentieren ihren Wunderspieler.

Profis, die sich in Aachen für die WM 2014 empfehlen wollen?

Schubert: So kann man sich das vorstellen...

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