Alemannias Torhüter Melka: „Das hat nichts mit Dritter Liga zu tun”

Von: Klaus Schmidt
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„Wir müssen die Liga annehme
„Wir müssen die Liga annehmen”: Michael Melka, von Oberhausen nach Aachen gewechselt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist noch nicht so, dass sie sich in der Kabine küssen würden, weil jeder den anderen sympathisch findet. Ralf Aussem ließ dennoch Vorsicht walten und den Mann lieber draußen am vergangenen Sonntag, beim Test in Hambach. Michael Melka hatte sich einen Herpes eingehandelt, dazu Probleme mit den Lymphknoten; der Torhüter-Zugang von Alemannia Aachen pausierte.

Nun ist er wieder eingestiegen ins Rennen um die Nummer 1, der Trainer hat einen „offenen Kampf” während der Vorbereitung ausgerufen. Es geht um das Erbe von Boy Waterman, die Position nur unter den zwei jungen Keepern Tim Krumpen und Mark Flekken neu auszurufen, war von Anfang an keine Idee. Aussem wollte noch einen Routinier und fand ihn schnell beim Drittliga-Absteiger Rot-Weiß Oberhausen.

„Da musste ich nicht lange überlegen”, sagt Michael Melka. „Tolles Stadion, tolle Fans”, der bald 34-Jährige kennt auch das Kontrastprogramm bei seinem letzten Klub, „wo die Gegner froh waren, schnell wieder wegzukommen”. Nun also Alemannia: „Das Drumherum hat nichts mit Dritter Liga zu tun. Das ist ein ganz anderes Niveau”, als relativ bekannter Spieler (und davon gibt es einige in Schwarz-Gelb) „wirst du anders wahrgenommen”. Und jeder, der demnächst an der Krefelder Straße vorfährt, „wird Bock haben, hier zu spielen. Deshalb: Wir müssen die Liga auch annehmen.”

802 Minuten ohne Gegentor

Der 1,95 Meter große Keeper wird da wohl kaum Probleme haben. 243 seiner 271 Liga-Spiele absolvierte Melka unterhalb der beiden höchsten Klassen. Bei Fortuna Düsseldorf führen sie ihn als den Schlussmann, der sich das kurioseste Gegentor einfing (in Regensburg landete ein Abschlag auf dem verlängerten Rücken von Dennis Grassow und von dort aus 17 Meter hinter der Linie), aber auch als Rekordhalter mit 802 Minuten „weißer Weste”. Eine Karriere in der Bundesliga blieb Melka verwehrt - er analysiert das klar und hadert nicht mit dem Schicksal.

2001 wechselte Melka von Preußen Münster zu Borussia Mönchengladbach. Bilanz nach sechs Jahren: acht Einsätze bei den Profis. Das wäre grundsätzlich okay gewesen, schließlich hatte der Mann aus Castrop-Rauxel die Nationalkeeper Jörg Stiel und danach Kasey Keller vor sich und die Sache so gesehen: Er gehörte zu den 36 besten Torhütern in Deutschland. Dann kam Jupp Heynckes und brachte Christofer Heimeroth aus Schalke mit. Der neue Konkurrent machte auf Melka nicht den Eindruck, besser zu sein, das teilte er auch deutlich mit („Hey, ihr bescheißt mich hier!”). Mancher im Verein deutete das als eine ungesunde Form von Selbstbewusstsein. Melka jedenfalls zog seine Konsequenzen und verließ Gladbach.

Alemannia hat sich nun einen Torwart geholt, der „relativ komplett” sein und „die Dinge im Keim ersticken will. Viele werden für Riesen-Reaktionen auf der Linie gefeiert, obwohl sie 70 Prozent schon vorher hätten klären können.” Mit dem Begriff der „neuen Torhüter-Generation” kann Michael Melka wenig anfangen. „Es ist halt professioneller geworden. Ich habe erst mit 23 bei Uwe Kamps gelernt, was es heißt, richtig zu arbeiten und zu trainieren. In Dortmund” - Melka wurde in der BVB-Jugend groß - „gab es zwar Toni Schumacher, aber da musste man vorher anrufen, damit er ein Mal in der Woche kam. Heute haben die Torhüter ab der C- oder sogar D-Jugend ihren eigenen Trainer.”

Für zwei Jahre hat Melka am Tivoli unterschrieben, zum Vertragsende ist er knapp 36. Dass er sich auf der Zielgeraden seiner Karriere befindet, „habe ich so noch nicht gesehen. Außerdem: Auch der Herbst hat schöne Tage.”
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