Alemannias Sanierer müssen den DFB noch von ihrer Auffassung überzeugen

Von: Christoph Pauli
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Andere Rechtsauffassung als der DFB: Sachwalter Rolf-Dieter Mönning (links) und Geschäftsführer Michael Mönig. Foto: Andreas Steindl
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„Jede Insolvenz ist einzig, und Alemannia ist einzigartig“: Interims-Geschäftsführer Michael Mönig (links) und Sachwalter Rolf-Dieter Mönning. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Am Freitag hat die Alemannia beim DFB die Lizenz für die 3. Liga beantragt. Allerdings bezeichnen Sachwalter Rolf-Dieter Mönning und Insolvenz-Geschäftsführer Michael Mönig einen Neustart in der Regionalliga als die realistischste Option. Die 3. Liga ist aus ihrer Sicht noch theoretisch machbar, sofern das geschrumpfte Team die Klasse hält.

Ihr Plan: Das Insolvenzverfahren wird erst nach dem letzten Spieltag eröffnet, die Sanierung soll vor dem nächsten Saisonstart abgeschlossen sein. Demgegenüber stehen die DFB-Statuten, die den Abstieg vorschreiben, sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist (oder dies mangels Masse nicht möglich ist) – völlig unabhängig vom Zeitraum. Es geht um juristische Positionen.

Sie haben gerade einen Umzug nach Jülich ins Spiel gebracht. Sind Sie überrascht von einigen harschen Politiker-Reaktionen?

Mönig: Wir sind Sanierer und halten uns an Fakten. Fakt 1: Wir müssen Freitag beim DFB einen Lizenzantrag stellen und darin eine Spielstätte angeben. Fakt 2: Wir haben bis heute von den Hauptgläubigern des Stadions, Stadt Aachen und Land NRW, keine Zusage, den Tivoli künftig nutzen zu können. Wir haben aber die Aussage am Dienstag erhalten, dass wir für die Nutzung jährlich fast 1,8 Millionen Euro zahlen sollen. Fakt 3: Das kann Alemannia weder in der 3., und erst recht nicht in der 4. Liga leisten. Fakt 4: Wenn wir keine Zusage für die Nutzung haben, haben wir nur zwei Möglichkeiten: den Verein zu liquidieren oder eine neue Spielstätte zu suchen. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden und eine Zusage aus Jülich erhalten.

Mönning: Einigen Beteiligten ist nicht bewusst, dass wir uns in einem nicht-öffentlichen Gerichtsverfahren befinden mit gesetzlichen Regeln und Pflichten. Eine Sanierung der Alemannia, die bestmögliche Befriedigung der Gläubiger und damit verbunden die Fortführung des Spielbetriebs machen nur Sinn, wenn Alemannia mittelfristig wieder sportlich erfolgreich ist. Denn der wirtschaftliche Erfolg folgt dem sportlichen. Die Suche nach einer kostengünstigeren Spielstätte ist keine Drohkulisse, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.

Gibt es seit Ihren lauten Überlegungen eine neue Entwicklung?

Mönig: Es ist doch wohl allen klar, dass Alemannia für die 3. oder gar 4. Liga ein vollkommen überdimensioniertes Stadion hat. Wir haben das Stadion weder gebaut noch waren wir an der Umfinanzierung beteiligt, und die Gesamtkosten können wir auch nicht kleiner zaubern. Trotz aller Emotionen, die sich seit Jahren zwischen Stadt und Verein aufgebaut haben, hoffen wir, dass sich vernünftige Lösungen finden lassen, mit denen alle Beteiligte leben können.

Immer noch wird der Verbleib in der 3. Liga thematisiert. Ist das nicht völlig unrealistisch, weil die Statuten gegen Ihre Pläne sprechen?

Mönning: Erklärtes Ziel war und ist es, den Verein inklusive der Jugendabteilung zu sanieren und zu erhalten. Am realistischsten ist dabei, dass Alemannia nächste Saison in der Regionalliga spielt. Aber: Wir sehen weiterhin die Chance auf den Klassenerhalt in der 3. Liga. Die Gläubiger haben am Mittwoch auf der Ausschusssitzung klar erklärt, dass man diese Option mit allen Mitteln weiter verfolgen will.

Selbst wenn das Team sensationellerweise die Klasse halten würde, müsste der Insolvenzantrag zurückgenommen werden und man müsste sich mit den Gläubigern einigen. Wie soll das gehen in einem Verfahren mit tausenden Gläubigern?

Mönning: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns mit allen Gläubigern außerhalb eines eröffneten Insolvenzverfahrens einigen, würde ich auch als eher gering einstufen. Aber die Insolvenzordnung gibt klar vor, dass Unternehmen – und Alemannia ist eines – saniert werden sollen. Die Statuten des DFB berücksichtigen diesen übergeordneten Aspekt aber nicht. Wir sind darüber mit dem DFB auch im Gespräch. Verbandsrecht kann nicht über allgemeinem Recht und somit über Insolvenzrecht stehen. Die Insolvenzordnung sieht eindeutige Regularien für Sanierungen vor. Erlaubnis und Konzession können nicht wegen einer Insolvenz entzogen werden. Die Frage ist: Kann sich ein Verbandsrecht außerhalb der gesetzlichen Regelungen stellen?

Nach Ihrer Einschätzung ist dem nicht so?

Mönning: Es hat einen ersten Gedankenaustausch gegeben, in dem unsere juristischen Hinweise verstanden wurden. Aber wenn wir das im Gespräch mit dem DFB nicht im Konsens regeln, dann müssen wir in die 4. Liga gehen. Wir werden dann klagen und sehen, wie der Bundesgerichtshof das in einigen Jahren entscheiden wird. Mönig: Der DFB sieht ja unsere Argumente und erkennt, dass er seine Statuten dem modernen Restrukturierungsrecht anpassen müsste.

Wir reden über den Paragrafen 6 der Spielordnung, der keine Interpretation zulässt. Wer ein Verfahren eröffnet, ist automatisch Absteiger.

Mönning: Unser Argument ist: Es muss einen Unterschied machen, ob ich in der laufenden Saison ein Verfahren eröffne und mir somit wettbewerbsverzerrend alle Spiele gestrichen werden. Oder ob wir uns der gewaltigen finanziellen Herausforderung stellen, die Saison zu Ende zu spielen und den Wettbewerb in der Liga erhalten. Wenn in beiden Fällen jeweils der Zwangsabstieg die Konsequenz ist, dann ist es insolvenzrechtlich nicht zu vertreten, die Saison sportlich zu Ende zu spielen. Dann müssten wir so früh wie möglich das Verfahren eröffnen und die Reißleine ziehen.

Mönig: Dann müssten wir die Benefizspiele erst in der nächsten Saison austragen, weil das Geld uns erst dann helfen würde.

Ist es wirklich denkbar, dass dieser Paragraf im laufenden Spielbetrieb neu interpretiert wird?

Mönning: Gegenfrage: Welchen Anreiz sollte ein Verein wie Alemannia haben, die Saison zu beenden? Antwort: Keinen!

Mönig: Stellen Sie sich mal vor, wir schaffen das hier und eröffnen das Verfahren nicht wie mal angedacht nach dem letzten Spieltag Mitte Mai, sondern vielleicht am 13. November. Oder wir machen es wie Darmstadt und spielen über zwei Jahre im vorläufigen Insolvenzverfahren. Was macht dann der DFB?

Letzte Frage: Haben Sie einen internen Zeitplan, um das Verfahren zu beenden?

Mönig: Wir wären gerne am 1. Juli fertig. Wir bereiten den Plan jetzt vor. Das ist die nächste Etappe. Wir haben zunächst den Geschäftsbetrieb neu organisiert, dann mussten wir die buchhalterischen Dinge durchforsten. Die Sicherung der neuen Saison bekommen wir auch auf die Reihe, behaupte ich jetzt mal forsch. Wir sprechen gerade mit den größten Vermarktern Europas. Ende März müssen wir die finale Etappe angehen und anfangen, den Plan zu bearbeiten. Im Idealfall würde er dann zum 1. Juli von den Gläubigern angenommen.

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