Alemannias Nazim Sangare: Der Mann für die gewissen Momente

Von: Christoph Pauli
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Bringt ein bisschen Extravaganz ins Aachener Spiel: Nazim Sangare. Foto: sport/Eduard Bopp

Aachen. Nach 82 Minuten hatte Alfred Nijhuis genug gesehen. Der ehemalige Bundesliga-Profi des MSV Duisburg und von Borussia Dortmund verließ die Regionalliga-Tribüne. Der 47-Jährige betreut den Westfalenligisten SuS Stadtlohn, zudem ist er der Deutschland-Scout von Ajax Amsterdam.

Bevor Nijhuis die Heimreise vom Tivoli am Wochenende antrat, erkundigte er sich noch nach Nazim Sangare. „Ein interessanter, unkonventioneller Spieler“, urteilte der Abwehrspieler über Alemannias Angreifer. Dabei hatte dieser „interessante, unkonventionelle Spieler“ sicher nicht sein bestes Spiel seit seiner Rückkehr nach Aachen gemacht.

Sangare ist ein bisschen der extravagante Part in Alemannias Spiel. Er hüpft dreimal nur mit dem linken Fuß auf das Spielfeld, wenn er es betritt. Das kleine Ritual hat er von seinem Vorbild Ronaldinho übernommen. Der brasilianische Kunsthandwerker ist nicht zufällig sein Vorbild. Auch Sangare wählt gerne die spektakuläre Variante. Er ist zwar kein Spieler, der nur für die Galerie unterwegs ist, im Zweifel ist er auch ein Jäger des verlorenen Balles. Aber er steckt voller Fußball-Ideen. „Ich will gerne etwas Besonderes, etwas Entscheidendes machen.“ Es ist ein schmaler Grat, das weiß Sangare. Er ist immer auf der Suche nach der richtigen Dosis. „Daran arbeite ich auch im Training extrem.“

„Er muss verstehen, dass Ideen, die im Jugendbereich funktionieren, im Herrenbereich eben nicht mehr gehen“, sagt sein Trainer Peter Schubert. Das ist das Ausbildungsziel: Sangare soll sein Spiel vereinfachen, aber gleichzeitig soll er noch der Mann für die gewissen Momente bleiben. „Die Leichtigkeit, die Unbekümmertheit soll er sich erhalten“, sagt Schubert. „Damit bereitet er uns viel Freude.“

Der 19-Jährige, bereits zwischen 2008 und 2012 am Tivoli, ist seit dieser Zeit eng befreundet mit Armand Drevina. Das letzte erfolgreiche Jahr unter A-Jugendtrainer Reiner Plaßhenrich hatte ein paar Interessenten angelockt. Sangare entschied sich für Borussia Mönchengladbach. Es war ein verlorenes Jahr. Trainer Horst Steffen setzte ihn als rechten Verteidiger oder gar nicht ein, kurzum: „Ich habe mich nicht so wohlgefühlt.“

Ein Einsatz bei der zweiten Mannschaft des Bundesligisten in der Regionalliga zeichnete sich kaum ab, und so löste er den Dreijahresvertrag vorzeitig wieder auf. Der Kontakt zu seinem Förderer Plaßhenrich war nie abgerissen. Sangare war bereits beim Auftakttraining dabei, auch wenn er seinen Vertrag erst unterschrieb, als die Weichen bei Alemannia abschließend gestellt waren.

„Er hat sich in der Vorbereitungszeit ins Team hineingespielt“, sagt sein Trainer. Sangare bleibt (mindestens) ein Jahr am Tivoli, zudem will er in dieser Zeit sein Fach-Abitur ohne jeden Schnörkel „basteln“. Er wohnt noch in Bergheim, hat ab Kerpen eine tägliche Fahrgemeinschaft mit den Kollegen Lejan, Marquet, Göhsl und Lünenbach gegründet.

Gegen Köln II sah Nijhuis, wie Sangare in der letzten halben Stunde sogar den Mittelstürmer gab. Er fühlt sich dort ebenso wohl wie auf den Außenbahnen. Freitagabend in Essen, wo Marco Neppe (Knöchelprellung) auszufallen droht, wird er wohl wieder auf der rechten Außenbahn beginnen. Der Mannschaft sind ein paar Muskeln in den letzten Wochen gewachsen. Am Anfang der Saison saßen fast zwei Dutzend Fremde nebeneinander in der Kabine. „Wir wachsen zusammen, die Team-Chemie wird immer besser.“

Als Außenseiter fahre man zum heimstarken Liga-Favoriten sagt Sangare. Er sagt aber auch: „Anfangs der Saison sind wir nicht ernst genommen worden und als Abstiegskandidat gehandelt worden. Das wird sich ändern...“

Mögliche Aufstellung: Löhe – Schumacher, Thackray, Lünenbach, Lejan – Neppe (?), Marquet – Sangare, Dowidat, Garcia – Moslehe

Schiedsrichter: Florian Steuer (Menden)

Bilanz: 72 Spiele/24 Siege/14 Remis/34 Niederlagen/ Tore 92:121

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