Alemannias Löhden: „Das war ein Sieg der Mentalität“

Von: Christoph Pauli
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Der Brustlöser: Entschlossen knallt Aimen Demai (rechts) den Ball zum 1:0 in die Maschen. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Vielleicht kehrte in dieser 55. Minute ja das lange vermisste Schlachtenglück an den Tivoli zurück. Ein Eckball der Essener segelte herein, und Aimen Demai kollidierte mit Leon Binder. Essens Trainer Jan Siewert sah in dieser Szene durchaus nicht exklusiv ein Foul, reklamierte Strafstoß und wohl auch eine zweite Gelbe Karte für den vorbestraften Aachener Kapitän.

Die Partie lief weiter, Binder blieb mit einer Prellung am Schienbein am Boden zurück, und am Ende des Aachener Konters gab es einen Freistoß dicht am Strafraum. Weil Demai eben noch mitspielen durfte, feuerte er den Ball in die Mauer, über Fabian Graudenz kam er zurück zum Kapitän, der schnörkellos das 1:0 erzielte (56.). Am Ende des Tages hatte Alemannia Aachen RW Essen durchaus nachvollziehbar mit 2:0 geschlagen.

Es war ein Sieg des Willens, ein Erfolg ohne großen Glanz, aber er war eminent wichtig. Erleichterung breitete sich flächendeckend aus. Mannschaft und Trainer haben sich durch die erfolglosen letzten Wochen gewaltig unter Zugzwang gesetzt. War dieser Sieg vor 11.200 Zuschauern die ersehnte Trendwende? Sie sind vorsichtig am Tivoli mit Prognosen geworden nach langer Tal- und kurzer Bergfahrt. „Heute können wir das mal genießen“, ging Trainer Christian Benbennek in den Feierabend. „Aber wir wissen, dass wir schon viel Arbeit hinter uns und noch viel vor uns haben.“

Die erste Halbzeit untermauerte diese These. Essen wirkte weniger fahrig, hatte die besseren Gelegenheiten. Wenn eine Publikumsjury nach 45 Minuten einen „Spieler der ersten Halbzeit“ hätte bestimmen sollen, wäre die Wahl auf Frederic Löhe gefallen. Aachens Keeper sorgte dafür, dass die Partie zu diesem Zeitpunkt noch torlos stand. Erst wischte er einen Kopfball Marcel Platzeks reaktionsschnell weg (19.), dann verhinderte er die verdiente Gästeführung, als er im Fünfmeterraum gegen Binder rettete (42.).

Benbennek hatte auf den Außenbahnen die ballsicheren Dennis Dowidat und Demai aufgeboten. Ruhe kam aber nur selten auf, die Kombinationen versandeten viel zu schnell. Es war nichts Selbstverständliches zu erkennen, was das in die Kritik geratene Team in solchen Momenten abrufen konnte. Die linke Seite blieb bis zum Ende weitgehend anonym.

„Wir waren nervös und unsicher im ersten Durchgang“, beobachtete nicht nur der Fußballlehrer. Die Hausherren hatten nur eine Gelegenheit zum Treffer: Löhden fand nach einem Eckball in RWE-Keeper Robin Heller seinen Meister (40.).

Aachen war nicht gut unterwegs, aber die Gruppe hielt zusammen. „Wir wollten es allen zeigen, dass wir eine funktionierende Mannschaft sind“, bekräftige Demai später. Der zweite Durchgang ging deutlich an die Hausherren.

Das Derby nahm Fahrt auf, der Schiedsrichter bekam mehr Arbeit. Dabei tat der ruhige Auftritt von Florian Maibaum dieser hitzigen Partie durchaus gut. Alemannia lag bereits 3:0 bei den Gelben Karten vorne, am Ende gewann Essen zumindest diese Kategorie mit 6:4. Benbennek hätte zwei Mal eine andere Farbe erwartet. Verteidiger Tolga Cokkosan flexte Dominik Ernst brutal über die Seitenauslinie (65.), kurz vor dem Ende stoppte Kevin Grund eher rüde den enteilten Maciej Zieba (87.).

„Um jeden Millimeter gekämpft“

Der Führungstreffer sprengte die Fesseln an diesem Tag, Essen riskierte mehr, wurde aber nicht mehr gefährlich. Viktor Maier setzte sich am Strafraum energisch gegen Richard Weber durch und erzielte das 2:0 (82.). Der Treffer hatte etwas Symbolisches: Am Ende waren die Aachener erfolgreich, weil sie in den entscheidenden Momenten entschlossener waren.

„Das war ein Sieg der Mentalität“, lieferte Löhden später den Soundtrack zum Spiel. Mit dem Rücken zur Wand kam Alemannia noch einmal zurück. Maier hätte in der Schlussphase den Sieg gar noch höher stellen können (86.). „In der zweiten Halbzeit haben die Fans das gesehen, was Aachen ausmacht, wir haben um jeden Millimeter gekämpft“, atmete Benbennek erleichtert auf.

In der Schlussphase lieferten sich auf den Rängen schon andere einen „Schlagabtausch“. Erst ein größerer Polizeieinsatz verhinderte eine intensive Konfrontation der rivalisierenden Gruppen. Es droht ein Nachspiel vor Gericht.

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