Alemannias Aufsichtsrat Christian Steinborn: „Es geht wieder aufwärts“

Von: Christoph Pauli
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Steinborn
Der Aufsichtsrat um Christian Steinborn kämpft für Alemannias Perspektive. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Dinge haben sich überaschend gut entwickelt. Alemannia spielt eine starke Saison, der Zuschauerschnitt liegt bei 7313 Zuschauern – kalkuliert sind 6100. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Christian Steinborn, über einen Klub, der jahrelang nur eine Richtung kannte.

Schlägt sich der sportliche Erfolg in der Kasse nieder?

Steinborn: Wir haben immer noch mit dem Vertrauensverlust der letzten Jahre zu kämpfen. Aber es geht wieder aufwärts, wir sind mit der Sponsorensituation nicht unzufrieden – unser Partner Infront leistet hier gute Dienste. Das gute Gesamtvermarktungsergebnis reicht aber leider noch nicht aus, die Deckungslücke zu schließen.

Vor der Saison ist ein strukturelles Defizit für die Saison von bis zu 800.000 Euro bekanntgegeben worden. Wo liegt es nach aktuellen Prognosen?

Steinborn: Die bekannt gewordene Zahl bezog sich auf ein worse-case-Szenario. Eine solche Betrachtung ist aus Gründen kaufmännischer Vorsicht wichtig, um Risiken realistisch abschätzen zu können. Davon sind wir inzwischen glücklicherweise weit entfernt, aber die konkrete Zahl ist nach wie vor vor allem vom Zuschauer- und Sponsorenzuspruch abhängig.

Wir liegen nach einem Jahr harter Arbeit im Plan, sogar über den Vorgaben. Das bedeutet aber nicht, dass wir sorgenfrei sind. Es gibt immer noch ein Delta, an dessen Beseitigung wir intensiv arbeiten. Anleihen an die Zukunft helfen uns dabei perspektivisch dabei nicht. Kredite ohne seriöse Refinanzierung, sind für Firmen häufig der Anfang vom Ende.

Wir möchten dem Verein eine Perspektive geben und diesen möglichst krisenfest für Jahre und nicht nur für diese Saison machen. Unser zugegeben ambitioniertes Ziel, das wir so schnell wie möglich erreichen wollen, ist die strukturelle schwarze Null.

Am Ende eines Insolvenzverfahrens wurde dem Klub eine Perspektive bescheinigt. Wie passt da ein Defizit in dieser Dimension zu?

Steinborn: Die Fortführungsprognose des Insolvenzverwalters fußt – wie der Name schon sagt – auf prognostizierten Werten. Zudem gibt es Dinge, die in einem solchen Verfahren nicht zwingend angepackt werden, wie schwierige Personalentscheidungen oder Umstrukturierungen zum Beispiel im IT-Bereich, die sich aus der Vor-Insolvenzsituation ergeben.

Das führt notwendigerweise zu einer Hypothek für die Leute, die im Verein danach Verantwortung übernahmen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass der Insolvenzverwalter schlecht gearbeitet hat. Dass dieses Verfahren überhaupt positiv abgeschlossen wurde, bleibt eine große Leistung von Professor Mönning und seinem Team. So sind wir am Ende der Insolvenz zwar altschuldenfrei, behalten aber Belastungen im operativen Geschäft.

Wie ist der Stand bei der Übernahme des Tivolis durch die Stadt?

Steinborn: Die Entscheidung trifft die Stadt, mit der wir in engem Austausch stehen. Wir sind uns sehr bewusst, wie viel die Stadt bereits für Alemannia geleistet hat und aktuell noch leistet. Ich sehe derzeit keinen Grund, weshalb die Übernahme scheitern sollte.

Kann sich der Klub an den Betriebskosten beteiligen?

Steinborn: Wir tragen schon heute den Großteil der spieltagsbezogenen Kosten. Und wir zahlen auch eine Miete, die aber orientiert ist an unseren eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten.

Trotz der stolzen Siegesserie war der Zuschauerbesuch nicht einmal fünfstellig. Wollen Sie das Interesse anschieben?

Steinborn: Es wäre schön, wenn sich das so ergeben würde und die Öffentlichkeit die gute sportliche Bilanz durch Besuche im Stadion honorieren würde. Das Potential hat Aachen ja. Alemannia und alle Fans können durchaus wieder stolz auf die Erfolge der letzten Wochen sein.

Die Erfahrung der letzten Woche ist leider noch etwas anders. Beim Spiel gegen RW Essen zum Auftakt 2015 wollen wir aber auf jeden Fall die 10 000-Besucher-Grenze knacken. Und wir werden versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten mit Aktionen in der Stadt wieder präsenter zu sein.

Muss Alemannia in dieser Saison aufsteigen?

Steinborn: Nein.

Am Ende der Saison laufen die Verträge mit der sportlichen Leitung und mit dem durchaus umstrittenen Geschäftsführer Alexander Mronz aus. Gibt es da bereits eine Tendenz im Aufsichtsrat?

Steinborn: Natürlich gibt es Überlegungen, aber derzeit keinen Handlungsbedarf. Die Zusammenarbeit mit allen Angestellten der Alemannia läuft sehr gut. Wenn die Zeit reif ist, werden wir die notwendigen Entscheidungen treffen.

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