Alemannias Aimen Demai fastet, andere Sportler verzichten

Von: pa
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Fastet aus Überzeugung: Aimen Demai. Foto: sport/T-F-Foto

Aachen. Das Training ist vorüber, die Spieler greifen erneut zur Wasserflasche und schlendern in die Kabine – nur Aimen Demai kühlt sich nicht von innen ab. Alemannias Kapitän feiert Ramadan. Seit dem Beginn des Ramadans am 18. Juni fasten weltweit Moslems.

Essen, Trinken, Rauchen, Lügen, Fluchen oder böse Gedanken sind zwischen Sonnenaufgang und -untergang nicht erlaubt. Es ist auch eine spirituelle Disziplin. Der Ramadan wird erst abends nach einem Gebet mit einem gemeinsamen Abendmahl gebrochen. Für deutsche Muslime ist der 16. Juli der letzte Fastentag, dann beginnt das dreitägige Fastenbrechenfest.

Alemannias Trainer Christian Benbennek, der in diesen Tagen bereits mehrfach nachmittags „hitzefrei“ verfügt hat, hat seinen Kapitän auf die Risiken seines Fastens hingewiesen. Das Verletzungsrisiko steigt, die Belastbarkeit nimmt ab. Das ist der schwierige Spagat. Religiöse Pflicht oder sportliche Leistungsfähigkeit? Eine Gewissensfrage. Ramadan ist arabisch und bedeutet „brennende Hitze und Trockenheit“. Demai will kaum reden über seine Religion, das sei seine Privatsache.

Der Tunesier kam enorm gut vorbereitet aus der Sommerpause, beim Laktat-Test – zu Beginn der Fastenzeit – gehörte er gleich zu den Besten. Demai ist der erfahrenste Spieler im Kader, er fastet nicht zum ersten Mal im Hochsommer. Die Verabredung gilt, dass der 32-Jährige und sein Trainer sich permanent austauschen.

Leistungssportler brauchen eine ausgewogene, kohlehydrat- und eiweißreiche Ernährung, und sie benötigen viel Flüssigkeit, die ausreichend Elektrolyte enthält. Flüssigkeitsmangel kann zu Erschöpfung, Schwindel, Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen führen. „Wir brauchen viel Flüssigkeit, um 100 Prozent Leistung geben zu können“, sagt Sami Khedira, der auf das Fasten verzichtet. 2010 hatte der Zentralrat der Muslime mit dem DFB und der DFL Ausnahmen für muslimische Profis nach einem Rechtsgutachten aus Kairo vereinbart. Die Sportler dürfen das Fasten brechen, sollen die Fastentage in der spielfreien Zeit nachholen, um „somit Gott und dem heiligen Monat Ramadan weiterhin die Ehre zu erweisen“.

Der Koran sieht Ausnahmen vor. Für Schwerkranke und Kinder bis zur Pubertät sind die Vorgaben ebensowenig verbindlich wie für Schwangere, die das Fasten nachholen müssen. Auch hart arbeitende Menschen sind vom Ramadan befreit. Es ist strittig, ob solche Absprachen auch für Top-Athleten gelten. „Die Mehrheit der Gelehrten würde sagen, dass ein besonderer Lohn winkt, wenn ein Leistungssportler trotz der harten Entbehrung fastet“, sagt Hakki Arslan vom Osnabrücker Institut für Islamische Thelologie. Wer nicht fastet, wird zu Ersatzhandlungen angehalten. An jedem Tag ohne Opfer soll ein Armer gespeist werden.

Bei seinen früheren Vereinen hat Christian Benbennek jungen Moslems deutliche Ansagen gemacht. Wer fasten wolle, könne dann eben nicht mitmachen. Bei Aimen Demai liegen die Dinge anders, er kennt – auch wegen seiner Verletzungen – seinen Körper vermutlich besser. Demai sagt, er gehe kein Risiko für seine Gesundheit ein. Sein Trainer respektiert die Entscheidung seines Mittelfeldspielers. „Ich bin davon überzeugt, dass Aimen viel mentale Stärke aus seinem Glauben zieht.“

In ein paar Jahren ist die Situation einfacher für die Muslime. Der Ramadan richtet sich nach dem Mondkalender und rutscht so jedes Jahr um zehn Tage nach hinten in Richtung Winter, wenn die Sonne nicht so lange am Himmel steht.

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