Aachen - Alemannia zankt sich mit Galatasaray Istanbul

Alemannia zankt sich mit Galatasaray Istanbul

Von: Christoph Pauli
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Zankapfel zwischen Aachen und Istanbul: Tuncay Önal.

Aachen. Bei Germania Dürwiß hat sich Tuncay Önal vor ein paar Tagen abgemeldet. Der 20-Jährige wird der Verbandsliga den Rücken kehren. „Ich werde eventuell in die zweite türkische Liga wechseln”, sagt der Stürmer. In der Türkei hat er schon einmal gespielt bei einem der berühmten Istanbuler Vereine, nämlich Galatasaray.

Das hört sich nach Erfolgsgeschichte an, ist aber eine Geschichte von enttäuschten Erwartungen und falschen Versprechungen.

Die Geschichte von Önal ist zugleich die Geschichte von einem weltberühmten Verein, der sich bislang weigert, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Der Reihe nach: Von 2002 bis 2007 spielte der talentierte junge Deutsch-Türke in der Jugendabteilung von Alemannia. Dann entdeckten ihn die türkischen Scouts, die weltweit Talente für die Heimat aufspüren. Sie überzeugten ihn, der 17-Jährige wechselte an der Bosporus, unterschrieb seinen ersten Profivertrag.

Soweit ist der Sachverhalt unstrittig. Mit der Unterschrift unter den ersten Profivertrag fällt für den Ausbildungsverein eine Entschädigung an. Die Bestimmung ist nicht unumstritten, weil sie eine Hürde für Nachwuchsspieler ist. Insider sprechen sogar von einem „Berufsverbot”. Aber die Paragrafen stehen.

Reaktion? Keine!

Alemannia ließ die Summe vom DFB ermitteln. Der Wert orientiert sich an der jeweiligen Klassenzugehörigkeit. Es gibt vier Kategorien - pro Jahr werden zwischen 10.000 und 90.000 Euro fällig.

Für Önal wurden 150.000 Euro festgelegt. „Wir haben die Rechnung 2007 an Galatasaray geschickt”, blättert Susanne Czennia in der dicken Akte. Die Assistentin der Geschäftsführers Sport, Erik Meijer, betreut den Fall. Der türkische Klub ignorierte den Hinweis, so dass der eingeschaltete DFB 2008 beim Verband und der Fifa intervenierte. Reaktion? Keine!

Anfang 2009 wand sich der DFB erneut hilfesuchend an den Dachverband. Reaktion? Fünf Monate keine. Dann schrieb Susanne Czennia direkt an die Fifa im Juni 2009, und erst dann kam doch Bewegung in den Fall. Die Kammer zur „Beilegung von Streitigkeiten” urteilte am 17. September eindeutig: Galatasaray muss die 150.000 Euro Ausbildungsentschädigung plus Gerichtskosten übernehmen.

Gezahlt wurde nicht. Vielmehr meldete sich Ende November ein Anwalt des Vereins. Der Klub wolle erst einmal die Begründung zum längst zugestellten Urteil ausführlich studieren.

Die 50 Seiten wurden zugestellt, und der beklagte Verein entschied sich - nicht zu zahlen. Vielmehr rief Galatasaray den internationalen Sportgerichtshof an. Der CAS ist die letzte Entscheidungsinstanz für die Sportverbände und Nationalen Olympischen Komitees in Streitfragen.

Alemannia wurde dort durch den erfahrenen Aachener Sportrechtsanwalt Dr. Helmut Reitz Anfang Juli in Lausanne vertreten. Galatasaray wartete mit einer interessanten Argumentation auf. Ein Profivertrag sei nur aus arbeits- und steuerrechtlichen Gründen geschlossen worden. In der Türkei würden Talente mit einem Profivertrag ausgestattet, damit sie einen ausreichenden Versicherungsschutz genießen.

Die Aachener Chancen stehen gut, sagt Reitz. Er hält die Berufung für „verfristet”, verweist auch auf Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes, der die Entschädigung prinzipiell abgenickt hat. Bis zum 20. August soll das letztinstanzliche Urteil feststehen. Tuncay Önal ist lange schon wieder weg aus Istanbul, hat nur ein paar Minuten für die Profis gespielt. „Die Idee war, dass ich bei den Profis auch zum Einsatz komme”, erinnert sich Önal. „Aber dann lief alles schief.” Er brach sich den Arm, hatte Heimweh, sein Trainer Karlheinz Feldkamp wurde entlassen.

Mitte 2009 wechselte er zum Regionalliigsten Bamberg. Im Winter brach er seine Zelte dort ab und wechselte nach Dürwiß. Jetzt steht er vor einer Rückkehr in ein Land, in dem sich seine Hoffnungen bislang nicht erfüllten.

Sechsstellige Summe für Vertragsamateur Miljkovic

Ausbildungsentschädigung hat Alemannia selbst in den letzten Jahren regelmäßig zahlen müssen. Zum Beispiel für Emil Miljkovic. Der Bosnier spielte eine Saison für Alemannia II.

Der Angreifer war als Vertragsspieler angestellt - eine Regelung, die es nur in Deutschland gibt. Die Fifa kennt nur die Differenzierung zwischen Profis und Amateuren, Vertragsspieler werden den Profis zugeordnet.

Ergo: Alemannia musste an den Ausbildungsverein Roda Kerkrade eine sechsstellige Summe überweisen, obwohl er nicht einmal ein Training bei den Profis mitgemacht hatte.

Der 22-Jährige ist derzeit übrigens auf Vereinssuche, absolvierte zuletzt ein Probetraining bei Erzgebirge Aue.
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