Alemannia: Vom „Manu aus der Jugend” zum gereiften Profi

Von: Helga Raue
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Abschied vom Tivoli, um den nächsten Karriereschritt zu tun: Manuel Junglas wird heute beim Zweitliga-Aufsteiger VfR Aalen als Neuzugang vorgestellt. Foto: imago/Eibner

Aachen. Es war der 17. März 2007: Erst mittags hatte Michael Frontzek bei Manuel Junglas angerufen und ihn zum Spiel der Profis beordert. Und in der 90. Minute wurde der damals 18-Jährige für zwei Minuten in der Bundesliga-Partie gegen Arminia Bielefeld eingewechselt.

„Das war gut und schlecht zugleich”, blickt Manuel Junglas auf wechselvolle Jahre bei Alemannia Aachen mit vielen Höhen und Tiefen zurück. Nach acht Jahren in Aachen verlässt der Kölner den Klub und wird am Mittwoch beim Zweitliga-Aufsteiger VfR Aalen vorgestellt.

Die Entscheidung, Aachen zu verlassen, ist dem inzwischen 23-Jährigen schwer gefallen. Klar - zum einen lockt die höhere Liga in Aalen nach Aachens Abstieg, zum anderen natürlich auch das finanziell bessere Angebot, das man als junger Profi, dessen Karriere nach einer Verletzung schnell zu Ende sein kann, nicht außer Acht lassen darf.

Aber beides war nicht der Hauptgrund für den Wechsel. „Hier in Aachen bleibe ich doch immer der Manu aus der Jugend, in Aalen hat man mich als gestandenen Profi empfangen. Ich muss jetzt einfach den nächsten Schritt gehen, das ist eine neue Herausforderung”, sagt Junglas, an dessen Mimik aber deutlich abzulesen ist, dass ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist.

Zehn Jahre lang kickte Junglas in der Jugend für seinen Heimatverein West Köln, bis Alemannia Aachen bei ihm anklopfte und ihn 2004 für die B-Junioren verpflichtete. Einen Tag nach Vertragsabschluss stand der „große” 1. FC Köln vor der Tür und wollte das Talent ebenfalls holen. „Das war einen Tag zu spät”, blickt Junglas zurück, fügt aber gleich hinzu: „Zum Glück, ich habe in Aachen alles richtig gemacht. Es ist hier gut gelaufen.”

Das Talent entwickelt sich

Das Talent entwickelte sich in Aachen: Der damalige Cheftrainer Frontzek nahm ihn als A-Jugendlichen 2007 mit ins Wintertrainingslager, berief ihn zwei Monate später in eben dieses Spiel gegen Bielefeld. „Das war natürlich toll” - aber auch ein Knackpunkt in seiner Karriere, denn in der Folgezeit hatte so mancher den jungen Kicker schon abgeschrieben, traute ihm den Sprung „nach oben” nicht mehr zu.

Manuel Junglas landete unsanft auf dem Boden der Tatsachen. „Das war eine harte Zeit. Ich hatte gedacht, dass ich es geschafft hätte, dass ich öfters im Kader wäre. Als das nicht passierte, war ich sehr enttäuscht und habe mich hängen lassen”, räumt Junglas, für den es bei den A-Junioren durchwachsen lief, ein.

Als Eric van der Luer den Youngster in Alemannias U 23 holte, sahen das nicht wenige sehr kritisch. „Eric hat mich auf und neben dem Platz gefördert. Er wusste, wie er mit mir umgehen muss. Eric ist eine sehr wichtige Bezugsperson, auch jetzt noch”, weiß Junglas, dass er den Sprung über die U 23 zu den Alemannia-Profis ohne van der Luer wohl kaum geschafft hätte.

Junglas war nicht der einzige Akteur, der sich unter dem Niederländer so positiv entwickelte, auch Spieler wie Abdulkadir Özgen (Süperlig Sivasspor), Marco Höger (Schalke 04) oder Alper Uludag (FC Ingolstadt) etablierten sich bei den Profis nicht zuletzt dank van der Luer, der im September 2011 gemeinsam mit Peter Hyballa entlassen wurde.

Wechselvoll verlief auch Junglas Profi-Zeit in Aachen. In der ersten Saison unter Jürgen Seeberger und kurz darauf Michael Krüger war der junge Spieler trotz fehlender Konstanz eine feste Größe. Und unbestritten bester Spieler auf dem Platz, als er im Januar 2010 in der Partie gegen den Karlsruher SC an einem Grasbüschel hängen blieb und sich das Kreuzband riss. Auch unter Peter Hyballa und „Co” van der Luer zählte er in der vorletzten Saison zum Stamm. Das junge Trainerduo schätze Junglas, der stets bereit war voranzugehen und auch den Mund aufzumachen.

Funkel vertraut anderen

Doch unter Friedhelm Funkel wurde Junglas zumeist nur noch eingewechselt. „Zuerst war ich gesperrt und habe bei meinen ersten Einsatz unter Funkel keine gute Leistung gebracht. Ich habe immer gut trainiert, aber er meinte, er würde anderen das Vertrauen schenken”, waren die vergangenen Monate für Junglas nicht einfach. Wenn er auf den Platz kam, fiel er durch großen Kampfgeist, aber oft auch glücklose Aktionen auf. „Diese Saison war nichts”, bringt es der 23-Jährige auf den Punkt.

„Mein Problem war, dass ich mich nie auf einer Position festsetzen konnte, unter Seeberger spielte ich als Innenverteidiger, Sechser und links, unter Krüger hinten rechts und später als Sechser”, denkt Junglas, der in der U 23 als „Zehner” offensiver unterwegs gewesen war. „Sechser oder Zehner - beides ist gut für mich. Und für diese Positionen hat mich Aalen auch geholt.” Sagt er und fügt lachend hinzu: „Aber mein neuer Trainer hat mich gleich gefragt, ob ich auch außen spielen kann.”

Aufsteiger Aalen war gleich nach der Saison auf Junglas zugekommen, der beeindruckt war, wie sehr sein neuer Coach Ralph Hasenhüttl sich um ihn bemühte und wie viel Respekt er ihm entgegenbrachte. „Es ist halt anders, als wenn man in Aachen immer der Manu aus der eigenen Jugend ist”, sagt Junglas, der gerne als großmäuliges Raubein dargestellt wird, jedoch auch eine ganz andere Seite hat. Aber: „Das ist ja ganz privat.”

So sucht Junglas nun die neue Herausforderung in Aalen. „Für mich ist das ein großer Schritt. Aber ich denke, das tut meiner Entwicklung sehr gut. In Aachen hatte ich eine sehr schöne Zeit, aber jetzt muss ich den nächsten Schritt machen.”
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