Alemannia: Verzicht auf allen Ebenen

Von: Christoph Pauli
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Ende nach einem enorm turbulenten Jahr: Albert Streit verlässt Aachen und spielt in der Rückrunde bei Viktoria Köln. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mittwochmittag steht der erste Wettkampf in diesem Jahr an. Alemannia trifft auf Jong Roda, die Nachwuchsmannschaft des Nachbarn aus Kerkrade. René van Eck versucht die Normalität in der unnormalen Insolvenz zu bewahren. „Wir ziehen unser Ding hier durch“, sagt der Trainer. Was soll er auch sonst sagen?

Er bereitet sich entschlossen auf die restlichen Spiele der 3. Liga vor mit einer Mannschaft, die sich in den nächsten Wochen noch verändern wird.

Die Dinge sind im Fluss beim Traditionsverein. Alle Spieler sollen Gehaltseinbußen akzeptieren oder vom Hof. Andernfalls lässt sich die Restsaison nicht finanzieren. Der Kader verliert an Substanz, soll aber dennoch den Klassenerhalt bewerkstelligen. Es sind auch für den Manager keine leichten Tage. Den Spielern, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen, muss er drastische Gehaltseinbußen vorschlagen. „Wir führen unangenehme und traurige Gespräche“, sagt Uwe Scherr. Den Profis muss er in diesen Tagen vorrechnen, welche Gehälter der Klub ab Februar noch zahlen kann. „Es geht um die Existenz von Alemannia, das ist die Überschrift.“ Große Begeisterung kommt bei den Beteiligten naturgemäß nicht auf, wenn die Zahlen verkleinert werden. Und dennoch sagt Scherr, er erkenne „Licht am Ende des Tunnels“. Spontan abgesagt hat niemand... Das ist der Spagat, den er hinbekommen will: Einerseits die Spieler zum Verzicht zu bewegen, andererseits Aufbruchstimmung zu erzeugen.

Auch in anderen Bereichen wird gespart – wie angekündigt. Das Wort deutet die Schritte bereits an. Vor dem Jahreswechsel sind mehrere Kündigungen ausgesprochen worden. Die Mitarbeiter des Klömpchensklubs erfuhren mit der Weihnachtspost, dass das defizitäre Vereinslokal geschlossen wird. Das Lokal wird ab sofort nur noch bei Heimspielen geöffnet. Der Controller muss den Verein verlassen. Pech hat auch Klubsprecher André Schaefer, dessen Vertrag am Ende der Probezeit nicht verlängert wurde. Seine Assistentin hat zum 1. Februar gekündigt, so dass die Presseabteilung nun bald eine unbesetzte Abteilung sein könnte. „Das bisschen Geld, das wir haben, stecken wir in den Spielbetrieb“, sagt Holger Voskuhl, der für einige Monate der finanzpolitische Sprecher des Vereins ist. Die Betroffenen beklagen den Stil, sie erfuhren trotz Nachfrage nur schriftlich von ihrem Rauswurf, was Voskuhl damit entschuldigt, dass sie sich bereits im Urlaub befunden hätten, als die Entscheidung gefällt wurde. Bei der Ankunft der Sanierer standen etwa 150 Mitarbeiter auf der Gehaltsrolle, jetzt sind es noch etwa 100 – darunter viele geringfügig Beschäftigte.

Streit wechselt in 4. Liga

Seit Dienstag ist nun fix, dass der Kapitän von Bord geht. Albert Streit wechselt erwartungsgemäß in die 4. Liga zu Viktoria Köln und schlägt ein sportlich interessanteres Angebot vom FC St. Pauli aus. Der Kölner ist allerdings am Samstag im FVM-Pokalspiel gesperrt, besagt eine Klausel. Andere Spieler wie Olajengbesi, Weber, Melka und Borg sollen nach Möglichkeit ebenfalls von der Gehaltsliste verschwinden. Scherr: „Wir müssen alles komplett runterfahren.“

Bis spätestens zum 18. Januar erwartet Scherr von seinen Profis eine eindeutige Rückmeldung, ob sie den steinigen Weg mit Alemannia weitergehen wollen. Fest steht: „Am Ende wird niemand in der Kabine sitzen, der geschont wurde. Alle müssen helfen.“ Das gilt dann auch für die Trainer und den Manager selbst. Auch diese Gespräche laufen. „Ich werde mich da selbstverständlich nicht entziehen“, sagt Scherr.

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